
© Julie Mehretu, Photo: David Oliveira

Der Deutsche Guggenheim Club sieht jede Ausstellung schon vor der offiziellen Eröffnung.
Nat Trotman, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, führte als Kurator durch die Preview der Ausstellung Paweł Althamer: ALMECH.

Stadtspaziergang zu Berliner Monumenten mit Kindern des SOS Kinderdorf Berlin-Moabit, der Kunsthistorikerin Dr. Beate Zimmermann und Ambassadoren des Deutsche Guggenheim Club. Die Veranstaltung fand im Zusammenhang mit der Ausstellung Agathe Snow: All Access World statt, deren Thema Monumente, Wahrzeichen und historische Stätten überall auf der Welt waren.
Seit 2008 werden Kinder der Stiftung Jona regelmäßig zu Kinderveranstaltungen ins Deutsche Guggenheim eingeladen und dabei von den Ambassadoren des Deutsche Guggenheim Club und von der Deutschen Bank betreut und unterstützt. Die Gründerin der Stiftung, Frau Prof. Angelika Bier, hat im Dezember 2010 das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement verliehen bekommen. Wir gratulieren herzlich!

„Es geht bei All Access World um eine Art Kampf zwischen dem Betrachter und den Denkmälern", erklärt Agathe Snow. Beim exklusiven Studiobesuch der Ambassadore des Deutsche Guggenheim Club stellt die junge New Yorkerin ihr Projekt für die Ausstellungshalle Unter den Linden vor. In einer knappen Woche ist das interaktive Environment, das zum großen Teil aus Alltagsgegenständen und Baumarktmaterialien zusammengefügt wird, erstmals zu sehen. Und so arbeiten Snow und ihr Team auf Hochtouren. Trotzdem ist von Stress und Hektik kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil – entspannt und gut gelaunt nehmen sich Snow und die Kuratorin Katherine Brinson Zeit, um den Besuchern das Konzept der Ausstellung zu erläutern.
Das Verhältnis der Menschen zu den Monumenten und Wahrzeichen dieser Welt ist Thema der Schau. So bedecken unzählige Bilder von Attraktionen wie Stonehenge oder dem Taj Mahal die Studiowände. Snows Team sägt, bohrt und näht, um die letzten Arbeiten fertig zu stellen. Das aus hellem Schaumstoff gefertigte Brandenburger Tor muss noch seinen Platz auf einem Arc-de-Triomphe aus Pappe finden. Großes Interesse unter den Ambassadoren erregt eine turmartige Konstruktion aus Regalbrettern, Plastikrohren und Urinoirs – als, wie Snow lächelnd erklärt, Hommage an Duchamps legendäres Ready Made. Hier dient die Badezimmerkeramik mit ihrer konischen Form allerdings dazu, die Fassade der Oper von Sydney anzudeuten. Am Ende des Studiobesuchs ist eines jedenfalls klar – alle Besucher sind schon äußerst gespannt, wie das Deutsche Guggenheim als All Access World aussehen wird.

Jan hat ein Faible für Grün. Nachdem er sich zusammen mit den 14 anderen Kindern vom SOS Kinderdorf Berlin Moabit die Ausstellung Color Fields im Deutsche Guggenheim angeschaut hat, stellten sich die jungen Besucher vor ihrem jeweiligen Lieblingsbild auf. Eindeutiger Sieger bei dieser „Abstimmung" wurde Frank Stellas Harran II mit seinen fluoreszierenden Farben. Zwei Drittel der Kids versammelten sich vor dem Gemälde. Manche allerdings widerstanden selbstbewusst dem Trend und platzierten sich vor anderen Favoriten. So auch Jan, der sich für Larry Poons leuchtend grünes Großformat Wildcat Arrival begeisterte.
Das Ambassador-Kinderprogramm des Deutsche Guggenheim Club führt seit drei Jahren Mädchen und Jungen, die sonst kaum Gelegenheit zur Begegnung mit zeitgenössischer Kunst haben, an die Werke in den Ausstellungen des Deutsche Guggenheim heran. Mit großem Erfolg. Einige der zwischen fünf und zwölf Jahre alten Kinder sind schon zum dritten oder vierten Mal dabei. Mit jedem Besuch werden sie unbefangener, stellen spontan ihre Fragen und beteiligen sich angeregt an den Gesprächen mit der Kunstpädagogin, Dr. Beate Zimmermann und den Ambassadoren, die bei der Veranstaltung vor Ort sind. Auch diesmal gab es nach dem „Farbfeld-Workshop" ein Geschenk: einen kleinen Koffer mit Wachsmalstiften und ein Malbuch zum Thema Märchen, in dem nur der Anfang der jeweiligen Geschichte zu sehen ist – als Einladung, zu Hause weiterzumalen und das Märchen zu vollenden.

Er hat etwas Magisches – der Blick durch das Fenster des Projektionsraums zur dunklen Leinwand, auf der plötzlich die ersten Filmbilder erscheinen. Dies konnten auch die Mitglieder des Deutsche Guggenheim Clubs bei ihrer exklusiven Führung durch das Kino Arsenal erleben. Beim Rundgang durch das Filmtheater am Potsdamer Platz hatten sie die Möglichkeit, hinter die Kulissen einer der weltweit bedeutendsten cineastischen Institutionen zu schauen. Das Arsenal zeigt derzeit parallel zur Ausstellung Being Singular Plural im Deutsche Guggenheim die Filmreihe Moving Politics: Cinemas from India. Bereits seit 1999 realisieren das Ausstellungshaus und das Kino immer wieder gemeinsame Projekte. Extra für den Deutsche Guggenheim Club erläuterte Stefanie Schulte-Strathaus, Co-Direktorin des Arsenals, den Gästen die Geschichte des Kinos und führte sie dann durch die Räumlichkeiten.
Eine Station auf dem Rundgang war das Archiv: Von Stagecoach bis Psycho – in den hohen Regalen konnte jeder Besucher einen seiner Lieblingsfilme entdecken. Nach einem Blick auf die Sichtplätze stand der Höhepunkt der Club-Veranstaltung auf dem Programm: Die Vorführung von Ulrike Ottingers Superbia – Der Stolz. Nach der Vorführung stand die Regisseurin so legendärer Filme wie Bildnis einer Trinkerin den Clubmitgliedern für Fragen zur Verfügung und stellte u.a. ihr aktuelles Projekt vor: Die Blutgräfin – ein Vampirfilm, in dem mit Isabelle Huppert und Tilda Swinton zwei Ikonen des europäischen Kinos die Hauptrollen spielen werden.

„Das sieht ja aus wie ein U-Boot." „Nein, wie ein rostiges Riesenei." „Eine Raumkapsel." „Ein Zeppelin." Ganz unterschiedliche Assoziationen entwickelten die jungen Besucher, die im Deutsche Guggenheim zum ersten Mal vor Anish Kapoors imposanter Skulptur Memory standen. Die Ambassadore des Deutsche Guggenheim Club hatten zum Kreativ-Workshop in die Ausstellungshalle Unter den Linden eingeladen. An zwei Nachmittagen waren hier Mädchen und Jungen von SOS Kinderdorf und der Stiftung Jona, die Kindern Hausaufgabenhilfe, Mittagessen und Betreuung anbietet, zu Gast Dass Kunst durchaus ein Abenteuer sein kann, zeigte sich bei der Führung. Wie bei einer Schatzsuche erkundeten die Kinder zunächst das geheimnisvolle Objekt, dem man sich aus drei verschiedenen Perspektiven nähern kann. Dazu hatte die Museumspädagogin Beate Zimmermann den Kindern einen Plan für den Rundgang um die 24 Tonnen schwere Arbeit des Turner Preisträgers in die Hand gegeben. Nachdem sie den orangefarbenen Giganten ausgiebig inspiziert hatten, konnten sie ihre Eindrücke und Fragen zu Memory mit der Kunsthistorikerin besprechen.
Die letzte Station des Rundgangs war besonders aufregend. Denn dort erlaubte ein rechteckiges Fenster in der Wand den Blick ins dunkle Innere des Kunstwerks. Die Außenhaut hingegen konnte man an diesem Standort nicht sehen. Aus dem Gedächtnis brachten die Kinder hier ihre Eindrücke von Memory zu Papier. Manche konzentrierten sich dabei auf die Form und zeichneten ein orangefarbenes Oval, andere stellten die netzförmige Struktur der äußeren Hülle dar. Nach der Lunchpause konnten die Kids dann als Nachwuchsbildhauer ihre eigenen Motive aus Tonknete formen. Besonders beliebt waren natürlich Tiere wie Vögel oder Elefanten, aber auch Herzen und sogar ein Hot Dog. Viele der Kinder ritzen in die Oberfläche ihrer Skulpturen Muster, die an die Oberfläche von Kapoors Arbeit erinnerten. Wie nach jeder Veranstaltung des Deutsche Guggenheim Club erhielten die jungen Besucher auch diesmal ein kleines Geschenk: einen Zeichenblock und Wachsmalstifte, deren Verpackung eine Zeichnung von Paul Klee schmückte – ein verspieltes Motiv, das sie sicherlich auch nach dem Besuch zu weiteren Bildern anregen dürfte.

Wie klingen Engelszungen? Wie schmeckt ein Teufelsbraten? Und was sind eigentlich Schutzengel? Um Fragen wie diese drehte sich das diesjährige Kinderfest der Berliner Gemäldegalerie. Unter dem Motto „Himmel und Hölle" bot das Museum am 12. Oktober ein abwechslungsreiches Programm. Themenführungen, Theater und Musik, Zauberei, Spiele und eine große Bastelstraße begeisterten die zahlreichen jungen Besucher. Auch der Deutsche Guggenheim Club engagierte sich und lud zwanzig Kinder aus der Stiftung Jona – einer privaten Initiative, die seit 2006 in Berlin-Staaken Hausaufgabenhilfe, Mittagessen und Betreuung anbietet – zu einem aufregenden Tag in der Gemäldegalerie ein. Begleitet von vier Ambassadoren des Clubs statteten die Jungen und Mädchen zuerst dem mit weißen Luftballons geschmückten Infostand des Deutsche Guggenheim einen Besuch ab. Dort erhielt jeder sein Namensschild und konnte sich an einem großen Glas mit Süßigkeiten bedienen. So gestärkt ging es dann auf eine spannende Exkursion durch die liebevoll dekorierte Gemäldegalerie. Die Wandelhalle war mit weißen Wattewolken und mit bunt beklebten Wänden geschmückt. Besonders spektakulär waren die großen Tore, die man dort aufgestellt hatte: eine mit schwebenden Engeln bemalte Himmelspforte und ein Höllentor, auf dem Drachen und ein violetter Teufel zu sehen waren.
Luca Giordanos Schilderung des Kampfs zwischen dem Erzengel Michael und dem Teufel beeindruckte die Kinder ganz besonders. Aufmerksam studierten sie aber auch die anderen Bilder, die ihnen Beate Zimmermann vorstellte – Caravaggios siegreichen Amor etwa oder eine Darstellung der Verkündigung. Interessiert folgten sie den Worten der Kunsthistorikerin, die sie mit den auf den verschiedenen Gemälden dargestellten Geschichten vertraut machte. Auf ihrem Weg durch das Museum begegneten den Mädchen und Jungen immer wieder Mitarbeitern des Hauses, die sich für das gut besuchte Fest als Engel oder Teufel verkleidet hatten. Nach einem Lunch wurden die Kinder dann selbst aktiv. Unter Anleitung konnten sie Engelsfiguren, Häuser oder Papiertröten basteln und Bilder malen. Inspiriert von den Gemälden, die sie während der Führung gesehen hatten – aber natürlich auch von dem zu dieser Jahreszeit beliebten Halloweenfest – zählten dabei Teufelchen, Fledermäuse und Vampire zu den bevorzugten Motiven. Als sie zum Schluss dann auch noch ein Zauberer mit seinen Tricks verblüffte, war das für die jungen Besucher der tolle Abschluss eines ebenso lehrreichen wie spannenden Tags in der Gemäldegalerie.
Mit dem FELLOW Abonnement, einem Angebot der Deutsche Bank AG, können Sie die Kunst in unserem Haus erleben und neue Kontakte knüpfen. Sie haben freien Eintritt für zwei Personen, auch zu den Sonderveranstaltungen im Deutsche Guggenheim. Mit unseren vielfältigen Informationen sind Sie stets auf dem aktuellen Stand. Ein Highlight ist eine exklusive Führung für alle FELLOWS begleitend zu jeder Ausstellung im Deutsche Guggenheim. Darüber hinaus erhalten Sie 10% im SHOP und CAFE (ausgenommen Kataloge, Bücher und Editionen).
Der jährliche Beitrag beträgt 30 EUR.

Phoebe Washburn:
Regulated Fool's Milk Meadow, 2007
© Phoebe Washburn
Unser Service für Sie als FELLOW
Das AMBASSADOR Abonnement bietet Ihnen Einladungen zu jeder Ausstellungseröffnung und zu exklusiven Vorbesichtigungen. Sie werden zum vielfältigen Programm des CLUB geladen, zu Atelier-, Sammlungs- und Ausstellungsbesuchen sowie zu individuell organisierten internationalen Kunstreisen. Selbstverständlich werden Ihnen die Publikationen des Hauses regelmäßig zugesandt. Zu jeder Ausstellung entsteht in limitierter Auflage die Edition des Deutsche Guggenheim, gemeinsam mit dem Künstler oder Kurator, auf die Sie ein Vorkaufsrecht mit Vorzugspreis haben, ebenso gibt es Sonderkonditionen in Shop und Café. Zudem haben Sie freien Eintritt in die Guggenheim Museen weltweit. Der Ambassador Freundeskreis unterstützt die Vermittlung von Kunst und Bildung, was eines der zentralen Anliegen des Deutsche Guggenheim ist. Er engagiert sich für soziale Einrichtungen der Kinder- und Jugendbildung.
Der jährliche Beitrag beträgt 250 EUR *

Dan Flavin:
Lights, 1999/2000
©VG Bild-Kunst, Bonn
Unser Service für Sie als AMBASSADOR
* Für Sonderveranstaltungen und CLUB-Reisen wird jeweils ein gesonderter Beitrag erhoben.
Dr. Ingo Winkelmann ist Leiter des Referats für die Antarktis und besondere Völkerrechtsgebiete im Auswärtigen Amt. Fotografiert wurde er bei Goldhahn & Sampson am Helmholzplatz, Berlin.
Bisweilen macht mir ein Ausflug aus der Beamten- und Diplomatenwelt Spaß, weil … mir diplomatische Kompromisse und Suche nach Konsens sehr viel bedeuten, manches im Leben und besonders in der Kunst aber ohne radikale Anschauung nicht funktioniert.
Mein Berlin ist … metropolitan, offen, gradlinig, prall gefüllt mit Kultur, kiezig, rauh und latte-macchiatohaltig zugleich.
Eines meiner ersten Erlebnisse in Angola war … eine völlig unerwartete und coole abendliche Vernissage auf den Stadthügeln von Luanda, die der charismatische einheimische Künstler Fernando Alvim dort zum Auftakt der "Triennale von Luanda" (2005-2007) veranstaltete.
Hotels und Airline-Lobbys sehen auf allen Kontinenten gleich aus, aber die Kunst … sollte stets ein kleiner, einzigartiger Schöpfungsakt sein, den man hie und da erwerben und sich bewahren kann.
Völkerrecht ist für mich … der friedliche Umgang der Staaten dieser Welt miteinander, ihr Respekt voreinander und die alldem zugrundeliegenden Normen, ohne Anspruch auf ein vollkommenes System.
Dr. Ingo Winkelmann
Interview
Ivo Wessel ist Software-Entwickler, schreibt an einem Buch über iPhone-Programmierung und tippt gerade das jüngste Manuskript seines Lieblingsschriftstellers Eckhard Henscheid ab, um es zu verlegen.
Ich verlege gelegentlich Bücher, weil … das die intensivste, schönste und vielschichtigste Aneignung ist.
Zwischen Kunst und Literatur würde ich mich (knapp) für die Literatur entscheiden, denn … Lesen ist Sehen in mehr Dimensionen.
Die Aufgabe eines Sammlers ist, … Kunst zu ermöglichen, zu entdecken, zu bewahren und lebendig zu halten.
Ich interessiere mich nicht für erfolgreiche Kunst, weil … das schon genügend andere tun und ich eher Arbeiten mit Erklärungsbedarf mag. Erfolgreiche Kunst stellt weniger Fragen und sucht sich andere Sammler.
Meinen ersten Computer habe ich 1979 gekauft (einen Sharp MZ-80K); mein erstes großes Kunsterlebnis war … der "Vertikale Erdkilometer" von Walter de Maria auf der documenta 1977, auf dessen Spitze ich vor ein paar Tagen wieder ehrfurchtsvoll stand. Beim ersten Mal hat mich besonders das Konzeptionelle, das Potentielle, das Virtuelle und Abstrakte, die Logistik und das Vertrauen in die Wahrheit der Arbeit fasziniert.
Videokunst ist für mich … Kunst im Regal, im Kopf und manchmal im Blick, und jeder dieser Aspekte hat seinen eigenen Reiz.
Ivo Wessel
Interview
Angela Mani ist Kommunikationsdesignerin und Inhaberin der Agentur amani-berlin identity design. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Für das Deutsche Guggenheim Magazine wurde sie im Botanischen Garten in Berlin fotografiert.
Ich bin in den Deutsche Guggenheim Club eingetreten, weil … ich dieses ideenreiche Konzept der Kunstvermittlung bereits während meines Studiums in den USA schätzen gelernt habe. Durch den Club ist es für mich möglich, abgesehen von den tollen Ausstellungen, hinter die Kulissen zu schauen, Künstlerateliers zu besuchen oder mich für Kinder- und Jugendprojekte zu engagieren.
Meine erste Begegnung mit zeitgenössischer Kunst war … als Teenager auf der documenta. Ich war begeistert, schockiert, verunsichert, fasziniert, alles auf einmal. Dieses Erlebnis hat mich in meinem Umgang mit Kunst sehr geprägt.
Wenn ich Farben kombiniere, dann … intuitiv. Dazu kommen dann die Erfahrung und das Wissen. Bei meiner Arbeit experimentiere ich viel mit Farbkombinationen und Nuancierungen. Farbe ist eine Sprache, die viel beeinflussen kann – ich glaube, sie ist so etwas wie meine Muttersprache.
Ein Tag im Botanischen Garten ist … eine Mischung aus Chaos und Ordnung, Entspannung und Entdeckungsfieber, totalem Glück und tiefer Sehnsucht. Ich liebe dieses Übermaß an Sinneseindrücken: Grün in dreihundert Schattierungen, Temperaturwechsel, angenehme und seltsame Düfte und stachelige, samtige oder lederne Oberflächen.
Das Deutsche Guggenheim sollte … Tag und Nacht geöffnet sein. Ich hätte gern mal in Anish Kapoors Skulptur "Memory" (2008) übernachtet, meinem Sohn hätte das auch gut gefallen!
Angela Mani
Interview
Virginia Giordano ist Unternehmerin und lebt in Berlin. Mit Culture Trip leitet sie Deutschlands führende Agentur für Luxusreisen.
Ohne Luxus wäre mein Leben ...von Leere erfüllt.
Ich habe eine Agentur für Luxusreisen gegründet, weil ... wir vor 17 Jahren eine richtige Marktlücke füllen konnten.
Wenn ich ohne einen Cent in der Tasche Berlin erleben wollte, dann würde ich ... die Galerien besuchen.
Meinen Kindern möchte ich auf den Weg geben, ... Mitgefühl für Andere zu haben.
Ich bin in den Guggenheim Club eingetreten, weil ... er mich mit New York verbindet, wo ich herkomme.
Ich lebe in Deutschland, weil ... ich hier meine zwei wundervollen Kinder habe.
Das schönste Reiseziel der Welt ist für mich ... Deutschland. Seine Vielfalt und Kreativität und – man höre und staune – sein Essen und der Wein machen das Land zu einem fabelhaften Reiseziel.
Maßgeschneiderte Kulturreisen bedeuten für mich, ... Träume in Erfüllung gehen zu lassen.
In meinem Job ist es ganz wichtig, ... genau zu wissen, was gerade „angesagt" ist.
Wenn ich nach einem langen Tag nach Hause komme, dann ... zünde ich Kerzen an, lasse den Korken knallen und gebe mich einem guten Buch hin.
Stil ist für mich ... überraschende Einfachheit.
Das Deutsche Guggenheim sollte ... auf keiner Besucherliste für Berlin-Reisende fehlen!
Virginio Glorando
Interview
Sie leben und arbeiten in Stuttgart. Wie kommt es, dass Sie Mitglied im Deutsche Guggenheim Club in Berlin geworden sind?
Das New Yorker Guggenheim Museum hat mich schon immer fasziniert. Als ich dann vom Deutsche Guggenheim erfuhr und das Angebot der Mitgliedschaft bei mir auf dem Tisch lag, habe ich mich schnell entschieden. Mich interessierte auch die Möglichkeit, mit den kunstinteressierten Kunden der Deutschen Bank näher in Kontakt zu treten. In meinem Alltag werde ich leider nur selten mit Kunst konfrontiert. Da ist es gut, wenn man auch einmal einen Anlass hat, sich damit auseinanderzusetzen. Die Mitgliedschaft im Deutsche Guggenheim Club kann ich aber auch an unsere Kunden verschenken. Die finden das natürlich ganz toll, dass die Deutsche Bank so etwas ermöglicht. Wenn wir dann gemeinsam in Berlin die Ausstellungen besuchen, sind sie jedes Mal sehr begeistert.
Welche Ausstellung im Deutsche Guggenheim hat Ihnen besonders gut gefallen?
Anish Kapoor fand ich einfach fantastisch. Dann habe ich aber auch einmal mit Kollegen diese Grasfabrik von Phoebe Washburn besucht. Meine nicht so kunstaffinen Kollegen haben mich gefragt, ob ich sie damit veralbern wollte. Nun haben wir uns die Installation ohne Führung angeschaut und dann ist so etwas fast immer schwierig. Ich finde Kunst aber gerade faszinierend, wenn sie mich herausfordert und ich zunächst nicht verstehe, was gemeint ist. Wenn ich dann mit einer Führung durch die Ausstellung gehe und es dabei klick macht, ist das einfach toll, wenn man die Gedanken der Künstler nachvollziehen kann. Kunstvermittlung finde ich deshalb sehr wichtig.
Darauf zielen ja auch die verschiedenen Clubaktivitäten für Kinder und Jugendliche ab.
Ich habe mich auch schon an einem Projekt beteiligt, bei dem wir mit einer Kindergruppe eine Ausstellung der Neuen Nationalgalerie besucht haben. Die Kinder kamen aus dem SOS-Kinderdorf Projekt in Berlin-Moabit und waren richtig interessiert. Ich finde es toll, dass so etwas stattfindet und man auch Kinder aus Elternhäusern, in denen nicht unbedingt über Kunst gesprochen wird, erreicht.
Birgit Gnerlich
Interview
Thomas Andrae ist Galerist, Sammler und ein Deutsche Guggenheim Club Mitglied der ersten Stunde. Im Interview erinnert er sich an eine ebenso persönliche wie komische Begegnung mit einem der wohl bekanntesten Künstler der Welt: Bill Viola
Foto: David Oliveira
Welche Rolle spielt Kunst in Ihrem Leben?
Eine ziemlich große. Für mich war Kunst immer eine große Motivation, mich weiter zu entwickeln und neue Bereiche zu erkunden. Das erste Bild, das ich mir als 19-jähriger kaufte, hieß American Express und war eine Arbeit des amerikanischen Malers Raymond Hains. Der Titel des Bildes ist doppeldeutig, denn es zeigt ein AMEX-Logo, das optisch so verzerrt ist, als ob es tatsächlich wie ein Expresszug am Auge vorbeirast. Es verdeutlicht die Wirkung von Logos und Marken, die wir trotz der Geschwindigkeit und Bewegung in unserem Leben aufnehmen und verstehen. Ich war begeistert von diesem Bild. Immer, wenn ich daran vorbei ging, habe ich wieder etwas Neues erkannt und etwas mitgenommen.
Hat Sie dieser Bezug zur Wirtschaft besonders fasziniert?
Ja, aber zugleich auch der kulturelle Hintergrund. Ich bin in Berlin groß geworden und habe dann in Amerika studiert und dort einige Zeit gelebt. Ich stamme aus einer alten Kaufmannsfamilie. Ich bin also sozusagen von Natur aus Händler und wollte zugleich immer etwas im Bereich Kunst machen. Ich habe zunächst Informatik und BWL studiert und bin dann über das Sammeln, mit dem ich vor über 20 Jahren begonnen habe, auch hauptberuflich zur Kunst gekommen. Vor ungefähr fünf Jahren begann ich am Konzept meiner Galerie Cream zu arbeiten, die dann vor drei Jahren eröffnete und jetzt seit zwei Jahren in Mitte beheimatet ist. Zur programmatischen Ausrichtung gehört der Fokus auf Künstler aus Ostdeutschland, die zum Beispiel an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, in Dresden oder an der Burg Giebichenstein in Halle studiert haben. Das Programm ist ganz klar zeitgenössisch ausgerichtet, primär werden junge Positionen präsentiert.
Wie kam es zu dieser Konzentration auf junge ostdeutsche Malerei?
Das liegt auch daran, dass mein Cousin Mitte der neunziger Jahre an der HGB in Leipzig studiert hat. Ich bin einfach mal mitgegangen und mit ihm durch die Ateliers gestreift: Dort habe ich schon sehr früh Künstler wie Neo Rauch oder eben die Vertreter der sogenannten „Neuen Leipziger Schule" noch vor dem großen Boom kennen gelernt. Natürlich auch Judy Lybke und die ganze Entourage um ihn herum. Das war völlig unprätentiös, locker und lustig. Man hat tolle Dinge erlebt. Dann habe ich die erste Ausstellung von Neo gesehen, 1997 im Museum der bildenden Künste Leipzig. Damals habe ich auch meine erste Arbeit von ihm gekauft und ihn dann konsequent weiter gesammelt, weil mich diese Bildwelt so fasziniert hat.
Und schließlich folgte der berufliche Schritt von der Finanzwelt zur Kunstwelt.
Sagen wir mal lieber, aus dieser doch sehr digitalen Welt heraus, wo es zumeist nur '0' und '1', 'ja' oder 'nein' gibt, hinein in die Kunstwelt – in der ich erlebt habe, dass es eben auch Dinge zwischen '0' und '1' gibt. Und wo man diese große, tiefe Definition von Dingen findet, die viel komplexer sind, als das, was wir alltäglich sehen und erfahren. Die Kunst ist für mich eine ganz andere Herausforderung. Es macht mir wahnsinnig viel Spaß, diese emotionalen Güter, die Kunst zu positionieren und am Schluss zu verkaufen. Seien wir mal ehrlich, es kommt letztendlich auch darauf an, dass die Künstler davon leben und ihre Miete und ihr Atelier bezahlen können.
Sie sind also ein Hybrid aus Sammler und Galerist.
Ja, das stimmt. Und ich sammele auch weiter, weil es eben auch ein wesentlicher Teil der Passion ist, aber die ganz klare Konzentration ist die Galerie. Ich muss natürlich aufpassen, wenn ich jetzt von einem unserer Künstler eine tolle Arbeit sehe und dann denke, „ah, die muss ich unbedingt haben ..."
Reden wir über den Deutsche Guggenheim Club. Wann sind Sie eingetreten?
Ich glaube, ich war wirklich einer der Allerersten. Meine Mitgliedsnummer ist einstellig. Ich bin gut bekannt mit Svenja Gräfin von Reichenbach, die gerade ihre Stelle als Leiterin des Deutsche Guggenheim angetreten hatte. Wir haben uns häufiger getroffen und darüber ausgetauscht, ob bestimmte Ideen hinsichtlich des Clubs Sinn machen, ob sie ökonomisch, praktikabel sind, wie sie von den Mitgliedern angenommen werden. So bin ich dazugekommen.
Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe des Clubs?
Eine der wichtigsten Aufgaben des Clubs ist, besonders die Menschen, die über die Deutsche Bank kommen, näher zur Kunst zu bringen. Die Deutsche Bank hat ja eine globale Sammlung, die überall in Bankgebäuden präsent ist. Sie erfüllt dabei auch eine Art Trichterfunktion, indem sie das Interesse für Kunst weckt und es dann durch Angebote wie den Deutsche Guggenheim Club noch stärker kanalisiert. Es geht darum, durch die Arbeit des Freundeskreises besser zu verstehen, was Kunst wirklich ausmacht.
Dazu gehören ja auch die persönlichen Begegnungen mit den Künstlern.
Ja, ich war auch fast immer bei den Voreröffnungen dabei, um die Künstler kennen zu lernen. Es gibt da eine sehr schöne Geschichte zu Bill Viola: Mitte der Neunziger arbeitete ich in der Nähe des Checkpoint Charlie für das Philip-Johnson-Haus, den großartigen Komplex, der an der Friedrichstrasse gebaut wurde. Ich habe direkt für Ronald Lauder gearbeitet. Er war einer der großen Investoren für dieses Projekt. Ich war für das gesamte technische Marketing und den Vertrieb verantwortlich. Das war zu einem Zeitpunkt, als ich noch nicht so mit dem Kunstbereich vertraut war. Eines Tages kam Ronald Lauder mit jemandem im Schlepptau vorbei, der aussah wie sein Chefhausmeister oder Techniker. Der Mann hatte einen Bart und trug blaue Latzhosen. Er wirkte wie jemand, der mal gucken wollte, was da so auf der Baustelle passiert. Ich ging also mit ihm los und führte ihn durch das ganze Gebäude. Er interessierte sich sehr für die Perspektiven in dem Bau und wollte wissen, wo die Fahrstuhlschächte sind und wie man sich durch das Haus bewegt. Dabei sprach er dauernd von Video. Ich wusste aber nicht, was er vorhatte und er hat mir das auch nicht erzählt.
Fiel nicht irgendwann der Groschen, dass er Künstler ist?
Nein. Wir verbrachten den gesamten Tag zusammen, gingen abends essen und tauschten zum Abschluss die Visitenkarten aus. Seine Karte habe ich heute noch. Darauf stand etwas wie: „Bill Viola, VIDEO, Sunset Boulevard..., Los Angeles, Kalifornien". Ein Jahr später, als ich mich bereits viel intensiver mit Kunst beschäftigte, ging ich in eine Ausstellung im Hamburger Bahnhof. Ich sah dort einen Wasserhahn in der Wand, aus dem alle paar Minuten ein Tropfen mit einem großen „Bang!" auf ein Tamburin fiel. Das Geräusch wurde elektronisch verstärkt und gleichzeitig wurde der zitternde Wassertropfen, der sich langsam aus dem Hahn löste, auf Video gefilmt und als Vergrößerung live projiziert. Ich war von der künstlerischen Qualität dieser Kombination beeindruckt und entdeckte auf dem Wandschild, um welchen Künstler es sich handelte: Bill Viola! Ich habe ihn dann später bei der Eröffnung zu seiner wunderschönen Auftragsarbeit Going Forth By Day im Deutsche Guggenheim wieder getroffen. Er hat mir ein lustiges Bild in den Katalog gemalt und wie er mir sagte, sich damals sehr gefreut, dass ich so locker mit ihm umgegangen bin.
Thomas Andrae
Interview
Kunst gehört zu Elke und Friedhelm Graues großen Leidenschaften. So ist es auch selbstverständlich, dass das umtriebige Sammlerehepaar aus Bad Nenndorf regelmäßig in der Berliner Kunstszene anzutreffen ist und die Künstlerbegegnungen mit dem Deutsche Guggenheim Club besonders schätzt.
Foto: Andreas Mühe
Wann haben Sie begonnen, Kunst zu sammeln?
Friedhelm Graue: Angefangen haben wir, als wir in den sechziger Jahren noch in Köln lebten, mit Grafiken, Editionen und Multiples. Von Beginn an wollten wir mit der Kunst leben und konzentrierten uns auf Werke, die wir zu Hause aufhängen oder irgendwie unterbringen können.
Elke Graue: Deshalb hatten wir zeitweilig mehr Bilder als Möbel.
FG: Wir sind natürlich mit Beuys groß geworden. Er war auch der Künstler, den wir dann mit als erstes gesammelt haben. Wir lernten ihn 1977 persönlich auf der documenta 6 kennen, wo er seine Honigpumpe zeigte. Das war wirklich beeindruckend. Hinzu kamen in den frühen Jahren Sigmar Polke, Imi Knoebel, Georg Herold und Michael Buthe, der ja auch in der Ausstellung „Abstraktion und Einfühlung" vertreten war.
Wie hat sich Ihre Sammeltätigkeit denn seit dieser Generation der Sechziger und Siebziger bis heute weiterentwickelt?
FG: Wir beobachten ständig, was an neuen Dingen kommt. Beispielsweise sammeln wir Michael Sailstorfer, Jonathan Meese, Daniel Richter oder Armin Boehm. Aber auch Künstler wie Miriam Cahn, eine sehr eigene, etwas exzentrische Schweizer Künstlerin. Wir haben sie an der Kunsthochschule in Braunschweig kennen gelernt. Da gab es ein großes Symposium, zu dem sie einen Künstlervortrag halten sollte. Der Saal war voll mit Leuten und sie trat ans Pult, packte eine Blockflöte aus und gab ein zwanzigminütiges Konzert. Dann ging sie wieder.
EG: Wir waren extra wegen ihr hingefahren und sie hat nur gesagt: „Es ist schon so viel über Kunst geredet worden, ich pfeif euch jetzt was."
FG: Gerade solche Kreativität gefällt mir gut bei Künstlern.
EG: Über das Deutsche Guggenheim haben wir auch sehr viele Künstler kennen gelernt – etwa über die Ateliergespräche. Wir sind schon seit 2002 Mitglieder im Club.
FG: Den Anstoß dazu gab uns die Gerhard Richter-Ausstellung Acht Grau. Wir hatten uns bereits vorher mit dem Gedanken getragen einzutreten, aber Richter war ein Künstler, den wir wirklich persönlich kennen lernen wollten. So sind wir kurz vor der Eröffnung Mitglieder geworden und er hat sich tatsächlich sehr nett mit uns unterhalten, obwohl er als sehr zurückhaltend gilt. Besonders schön finde ich die Clubgespräche vor den Eröffnungen, weil man da so interessante Künstlerpersönlichkeiten trifft, wie etwa Richard Artschwager oder John Baldessari. Ich schätze auch die Editionen, die zu den einzelnen Ausstellungen erscheinen. Da haben wir auch schon einige gekauft. Gleich am Anfang von Richter zum Beispiel.
EG: Aber auch die Studiobesuche und die Begegnungen mit den Künstlern sind für mich reizvoll. Ohne den Club ergäben sich diese Möglichkeiten nicht so einfach. Ich erinnere mich da an Thomas Demand oder Olaf Nicolai, Martin Eder oder auch Valérie Favre. Wir waren eigentlich überall.
FG: Jüngst auch bei Julie Mehretu. Bei diesem Besuch ist mir aufgefallen, dass man ihre Arbeiten nicht versteht, wenn man sie einfach bloß ansieht. Man muss sich schon richtig mit ihnen auseinandersetzen. Ich finde, es gibt eine enorme Dynamik in ihren Bildern. Bei oberflächlicher Betrachtung sieht man ja die Landschaften und Architekturen auf ihnen gar nicht und nimmt auch all die Feinheiten gar nicht wahr. Es gibt unglaublich viele Schichten und mich beeindruckt sehr, wie sie ihre Bilder aufbaut. Sie erarbeitet das ja alles am Computer und mit Hilfe von Projektoren. Mich fasziniert das, auch weil so ein immenser Arbeitsaufwand dahinter steckt.
EG: Das Schönste ist aber, dass wir bei all diesen Aktivitäten viele Gleichgesinnte getroffen haben. Es haben sich sogar richtig nette, private Freundschaften entwickelt. Das Guggenheim ist einfach eine tolle Sache. Wir sind süchtig, richtige Hardcore-Mitglieder!
Elke und Friedhelm Graue
Interview
Lange pendelte Yvonne Borrmann zwischen Argentinien und Deutschland. Seit sieben Jahren lebt sie jetzt mit ihrer Familie in Berlin. Die Fernsehjournalistin begeistert sich gleichermaßen für das Theater wie für die bildende Kunst und engagiert sich deshalb für zwei Institutionen die sie ganz besonders schätzt: die Schaubühne und das Deutsche Guggenheim.
Foto: David Oliveira
Als Journalistin beschäftigen Sie sich häufig auch mit dem Thema Kunst.
Yvonne Borrmann: Ich arbeite als Fernsehjournalistin. Weil ich zweisprachig aufgewachsen bin und immer zwischen Südamerika und Deutschland gependelt bin, hatte ich den Komplex, dass ich nicht gut genug auf Deutsch schreiben könne und bin deswegen statt zum Print zum Fernsehen gegangen. Seit sieben Jahren leben wir jetzt in Berlin und hier realisiere ich freiberuflich Dokumentarfilme. Mein letztes Projekt handelt von Künstlern in Berlin. Für das German Information Center habe ich vor kurzem zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls einen Film über junge Künstler fertig gestellt – nicht nur Maler oder Bildhauer, sondern auch Theaterleute und Musiker, die im wiedervereinigten Berlin aufgewachsen sind. Da ich aber jetzt mein drittes Kind erwarte, arbeite ich gerade nicht mehr so viel.
Neben der Kunst begeistern Sie sich also auch fürs Theater.
YB: Ja, ich engagiere mich ehrenamtlich im Vorstand des Freundeskreises der Schaubühne. Das Gremium wollte sich etwas verjüngen und suchte neue Mitglieder. Meine Tante Ruth Walz hat jahrelang als Theaterfotografin an der Schaubühne gearbeitet, daher habe ich auch die Stücke mit Bruno Ganz gesehen. Das war mein ganz privater Bezug zu Berlin und zu diesem Theater. Schon als Kind war ich ständig in der Schaubühne als dort Peter Steins legendäre Inszenierung der Drei Schwestern lief. Zu Beginn stand ich der Schaubühne unter Thomas Ostermeier durchaus reserviert gegenüber. Doch dann dachte ich, dass es einfach sehr wichtig ist, gerade junge Leute für zeitgenössisches Theater zu interessieren. Es ist, wie auch die zeitgenössische Kunst, eine intellektuelle Herausforderung. Gerade in Zeiten des Internets, in denen alle nur noch zählen, wie viele Freunde sie bei Facebook haben und kaum noch die Geduld aufbringen, ein ganzes Buch zu lesen, ist es sehr wichtig, sich auch einmal auf eine Sache zu konzentrieren. Ein Stück in der Schaubühne fordert genau das – sich für zwei, drei Stunden zu konzentrieren. So lange auf meinem Stuhl zu sitzen, empfinde auch ich manchmal als ein bisschen quälend. (Lachen) Aber natürlich muss einen das Stück letztendlich persönlich berühren, das ist mein Anspruch an jede Form von Theater – und auch an die bildende Kunst. Es muss einen vom Hocker hauen.
Wie hat sich Ihr Interesse an der Kunst denn entwickelt?
YB: Ich habe mich immer für Kultur interessiert. Vielleicht auch, weil wir oft umgezogen sind – dann hatte man trotzdem überall ein Zuhause. Meine Mutter ist mit uns in jeder neuen Stadt zuerst in die Museen gegangen. Aber auch über meine Freunde wurde ich an die Kunst herangeführt, einige von ihnen sind selbst Künstler. Meine beste Freundin, die zwischen Berlin und San Francisco pendelt und viel von Kunst versteht, hat mich schon vor Jahren zur Art Basel mitgenommen. Ein grundsätzliches Interesse war bei mir immer vorhanden. Und gerade weil mein Mann beruflich etwas ganz anderes macht als ich – er hat eine Venture Capital Firma – ist das natürlich auch eine Sache, die für ein Paar sehr schön ist: Atelierbesuche, Treffen mit den Künstlern, auf Messen fahren oder mit Gleichgesinnten diskutieren, das ist, ganz banal gesagt, zu zweit natürlich sehr nett. Es macht mehr Spaß, sich am Ende des Tages über solche Themen zu unterhalten, als nur über Alltag, Kinder und Beruf. Da muss es noch etwas geben, das etwas erhabener ist.
Sie sammeln selber Kunst. Welche Positionen interessieren Sie denn persönlich?
YB: Sammeln würde ich das nicht nennen. Ich hasse es eigentlich, wenn man auf Gallery-Weekends gefragt wird, ‚Sind Sie Künstler oder Sammler?´ Ich bin nichts von beidem. Wir sammeln nicht, wir kaufen ganz sporadisch, ganz nach Bauchgefühl. Der Schwerpunkt liegt definitiv auf konzeptuellen Arbeiten und Fotografie. Dann spielt natürlich auch der persönliche Kontakt zum Künstler eine große Rolle, dass man seine Arbeitsweise oder seine Herangehensweise sehr schätzt, sich für die Arbeit begeistert und dann irgendwann etwas kauft. Von den Arbeiten, die wir haben, kennen wir viele Künstler persönlich. Das ist in jedem Fall ein wichtiger Zugang. Aber als Sammlerin verstehe ich mich eigentlich nicht.
Im Augenblick steckt die Wirtschaft ja in einer Krise und mit ihr auch die Kunst. Amerikanischen Museen, die von privaten Mäzenen abhängig sind, geht das Geld aus. Es wird eine Debatte darüber geführt, dass Kunst wieder tiefgründiger werden muss – weg von hedonistischen Society-Events hin zu den Inhalten. Glauben Sie, dass sich die Einstellung zu Kunst gerade ändert?
YB: In den letzten Jahren hat sich im Kunstbereich definitiv sehr viel verändert. Auf so einen Zug springen natürlich viele auf. Was ich persönlich ganz schrecklich finde, ist dieses Kunstjüngertum. Kunst hat mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert bekommen und auch die breite Öffentlichkeit interessiert sich für dieses Thema, was ich per se sehr gut finde. Daran wird auch die Wirtschaftkrise nichts ändern. Etwas bösartig gesagt ist das, was in den achtziger Jahren Tennisspielen oder Golf war, jetzt die Kunst – etwas, wobei man einfach mitmachen muss. Aber zugleich ist es doch auch toll, wenn sich die Leute dafür begeistern. Die hedonistischen Aspekte werden sich ändern – schlicht deshalb, weil inzwischen das Geld fehlt. Es wird nicht mehr in der Form gefeiert wie in den letzten Jahren, das war ein Tanz auf dem Vulkan. Viele meinen ja, es wird qualitativ besser. Das beobachte ich auch. Andererseits würde ich aber nie sagen: Wie gut, dass die Krise kommt, jetzt wird alles besser. Auch in den letzten Jahren ist gute Kunst entstanden – aber das muss man immer ganz persönlich für sich selbst entscheiden.
Sie glauben aber, dass das Interesse an der Kunst bestehen bleibt.
YB: Auf jeden Fall. Kunst hat in den letzten zwanzig, dreißig Jahren einfach solch eine große Bedeutung erlangt. Dass Museen diese immensen Besucherzahlen haben oder dass private Sammlungen öffentlich zugänglich gemacht werden, dass Menschen in den Bunker von Christian Boros gehen, um sich dort seine Kunst anzuschauen, das wird bleiben. Das breite Interesse vor allem an zeitgenössischen Positionen wird nicht abnehmen. Dazu hat sich die ganze Kunstlandschaft zu stark verändert: Die Sammlungen haben einen museumsartigen Charakter bekommen und umgekehrt haben die Museen einen Sammlungscharakter – in Berlin oder etwa in München, wie man es gerade mit dem Museum Brandhorst beobachten kann. Dadurch, dass Privatsammlungen öffentlich werden, ist sehr viel in Bewegung geraten. Das zwingt die Museen, ihre Aufgaben zu überdenken, sich abzugrenzen oder zu verbünden, je nachdem wie sie sich positionieren möchten.
Wie sehen Sie denn die Rolle des Deutsche Guggenheim in der Berliner Museumslandschaft?
YB: Weil das Deutsche Guggenheim so ganz anders ist als das Guggenheim in New York, erscheint es mir wie ein „Zwischending". Das ist etwas, was wir hier in Berlin wirklich brauchen – deshalb bin ich ja auch im Deutsche Guggenheim Club. Es bietet kleine, feine Ausstellungen. Dadurch, dass der Raum verglichen mit New York so winzig ist, hat es, was die Ausstellungen anbetrifft, eine ganz spezielle, fast kammerspielartige Atmosphäre. Gleichzeitig ist das Deutsche Guggenheim sehr stark mit seinem Publikum in Kontakt – etwa durch die Lectures oder das Kinderprogramm. Meine älteste Tochter ist jetzt fünf und wir fangen an, mit ihr zu den Kinderveranstaltungen zu gehen. Ich finde dieses amerikanische System sehr gut – auch das soziale Engagement für Kinder. Das hat hier gefehlt und deshalb spielt das Deutsche Guggenheim eine wichtige Rolle in dieser Stadt.
Welche Ausstellungen haben Ihnen denn besonders gut gefallen?
YB: Spontan fällt mir The Vanity of Allegory ein, die von Douglas Gordon kuratierte Gruppenausstellung. Sehr toll, sehr intelligent gemacht. Ich kannte seine Arbeit schon vorher, aber die Art, wie Gordon die Schau konzipiert hat, eröffnete mir noch einmal einen neuen Zugang zu ihm als Künstler. Und dann, apropos Theater, natürlich William Kentridges Black Box/ Chambre Noire. Und Anish Kapoors Memory – auch deswegen, weil wir ihn vorher mit dem Club in seinem Londoner Studio besucht haben. Es ist einfach immer beeindruckend, einen Künstler zu erleben, wenn er über seine Arbeit redet, was Kapoor auf eine ganz bescheidene und wunderbare Art gemacht hat. Wenn man danach die Ausstellung sieht, hat man einen völlig anderen Bezug dazu. Ich finde es immer ganz wunderbar – und deshalb gefällt mir fast jede Ausstellung im Deutsche Guggenheim sehr gut – wie sich dieser Raum immerzu verändert und wie intelligent das Ausstellungsprogramm umgesetzt wird.
Was ist für Sie neben den Begegnungen mit den Künstlern, das wichtigste am Deutsche Guggenheim Club?
YB: An den Reisen können wir leider oft aus zeitlichen Gründen nicht teilnehmen. Wir haben aber die letzte Biennale in Venedig mit dem Club besucht. Das war auch deshalb sehr toll, weil das in einem kleinen Kreis stattfand. Das finde ich sehr wichtig: Meet the member – man möchte ja auch die anderen Leute kennen lernen, sich mit ihnen austauschen. Eigentlich bin ich dabei, weil man auf diese Weise auch die Institution unterstützt, sei es die Schaubühne oder das Deutsche Guggenheim. Nicht unbedingt deshalb, weil man selber davon profitiert und die Künstler kennen lernt. Der Motor ist vielmehr zu sagen: das, was die machen, finde ich gut und das möchte ich unterstützen.
Yvonne Borrmann
Interview
Barbara und Rüdiger Schwarz sind 2001 dem Deutsche Guggenheim Club beigetreten. Die Begeisterung für Reisen und Kultur hat auch das Interesse der überzeugten Berliner am Programm des Deutsche Guggenheim Club geweckt. Im Interview erzählt das Ehepaar, welche Reisen mit dem Club sie am meisten beeindruckt haben.
Wie ist ihr Verhältnis zu Berlin?
Rüdiger Schwarz: Wir sind alteingesessene Berliner. Wir wohnen beide seit 1939 hier, haben alle Höhen und Tiefen dieser Stadt und dieses Landes miterlebt – das Kriegsende, die Besetzung Berlins, den Kalten Krieg, die fünfziger Jahre, die Teilung Deutschlands. Der Mauerbau hatte besondere mentale Auswirkungen auf uns. Da hat sich die Welt einfach grundsätzlich verändert. Aber wir sind dennoch hier geblieben. Ich bin Jurist und hatte damals die Chance in die Wirtschaft zu gehen, in ein großes Unternehmen, das auch zu Mauerzeiten seine Hauptverwaltung in Berlin hatte. Dort habe ich meinen Weg gemacht und war dann längere Zeit Generalbevollmächtigter mit vielen Aufgaben, die mich häufig in Richtung Westen führten – ich saß ein paar Mal die Woche im Flieger.
Barbara Schwarz: Wir sind gern und viel gereist. Zugleich hat Berlin so viel Kunst zu bieten gehabt, natürlich auch bevor es das Deutsche Guggenheim gab. Wir sind keine ausgesprochenen Experten, aber wir waren sehr kunstinteressiert und sind schon früh in den Neuen Berliner Kunstverein eingetreten, in dem wir 20 Jahre Mitglieder waren. Zur modernen Kunst sind wir auch durch unsere Kinder und durch häufige gemeinsame Museumsbesuche mit ihnen gekommen. Der Bau der Neuen Nationalgalerie war ein großes Ereignis für uns. Mies van der Rohe war persönlich im Rollstuhl dabei, als das große Dach aufgesetzt wurde.
RS: Zur klassischen Kunst hatten wir natürlich eine andere Beziehung als zur modernen. Wir hatten das Gefühl, wir müssten da eine Lücke füllen und wünschten uns dabei auch Hilfe. Ende der neunziger Jahre kam ein Brief von der Deutschen Bank, in dem sich der Deutsche Guggenheim Club vorstellte und die Möglichkeit bot einzutreten. Da haben wir gedacht: „Mensch, wäre ja eine Sache".
BS: Was wir auch als Kunden bei der Deutschen Bank so gut finden ist, dass dort lebende Kunst hängt. Wir sind in den Hauptsitzen in Frankfurt, New York und London gewesen. In allen Büros hängen Bilder, je höher man kommt, desto schöner sind sie (Lachen). Die Führung durch die Vorstandsetagen in den Frankfurter Zwillingstürmen war besonders beeindruckend, mit diesen bedeutenden Kunstwerken und den breiten, lichten Gängen.
RS: Der Beitritt zum Deutsche Guggenheim Club war aber besonders reizvoll, weil das Guggenheim uns bereits ein Begriff war. Auf unseren Reisen nach New York führte der Weg selbstverständlich auch ins Guggenheim Museum. Der Beitritt zum Deutsche Guggenheim Club war aber besonders reizvoll, weil das Guggenheim uns bereits ein Begriff war. Auf unseren Reisen nach New York führte der Weg selbstverständlich auch ins Guggenheim Museum.
In den berühmten Bau von Frank Lloyd Wright.
RS: Ja, und dort haben wir beim ersten Besuch eine fantastische Ausstellung mit den Werken von Kandinsky gesehen. Die Bilder kannten wir aus Murnau, wo Wassily Kandinsky mit Gabriele Münter gelebt hat. Wir haben in einem Hotel gleich in der Nähe ihres Hauses Jahre lang unseren Urlaub verbracht. Wir waren häufig im Gabriele Münter Haus und im Stadtmuseum Murnau. Dort gab es auch eine Ausstellung über Hilla von Rebay - wieder diese Verbindung zum Guggenheim.
BS: Bestechend war, dass man meinte, jeden Baum auf diesen Gemälden zu erkennen, und dann sieht man diese vertraute bayerische Umgebung von einem so großen Künstler gemalt. Es begeistert uns immer, wenn sich die Kreise auf solche Weise schließen.
RS: Im Laufe der Zeit begann so etwas wie eine mentale Freundschaft. Wir kannten die Geschichte der Guggenheim Familie und hatten auch schon die Peggy Guggenheim Collection in Venedig besucht.
BS: Dem Club sind wir ja schon sehr früh beigetreten. Damals war das noch ein kleiner Kreis.
RS: Ich habe die Nummer 279. Heute sind es schon sehr viel mehr. Das war so um 2000 herum und der Club war entschieden kleiner als heute. Man kannte sich deshalb noch etwas besser.
BS: Damals war es auch noch nicht so „in", zu den Eröffnungen zu gehen. Heute strömt ja ganz Berlin dort hin. Dass der Kreis jetzt größer ist, stört uns aber nicht. Im Gegenteil. Mein Mann freut sich immer, wenn er dort früheren Kollegen oder alten Bekannten begegnet
RS: Ich war hier in Berlin ehrenamtlich für meine Firma und die Branche in zahlreichen Ämtern und kenne sehr viele Menschen, die man bei den Eröffnungen wieder trifft. Die Politik vom Deutsche Guggenheim und dem Club geht ja dahin, sich immer weiter zu öffnen und das finde ich prima. Das bekommt Berlin sehr gut, dem Deutsche Guggenheim und den Menschen, die dort hingehen.
BS: Besonders hat uns beim Club gefallen, dass man eben nicht nur in die Werke eingeführt wird, sondern auch die Künstler trifft. Wie etwa Tom Sachs, der hier in Berlin eine Ausstellung hatte. Mit dem Club haben wir ihn dann in New York in seinem Studio besucht. Das war aufregend, ein Riesenerlebnis für uns alle. Was wir aber natürlich auch immer wieder schätzen ist, wie toll man mit dem Club empfangen wird. Das war auch so als wir auf derselben Reise wieder im Guggenheim Museum in New York waren. Es ist natürlich angenehm, wenn man exklusiv durch solch eine Institution geführt wird. Oder auf der Reise zur letzten Biennale in Venedig, wo wir oben auf der Terrasse der Peggy Guggenheim Collection empfangen wurden, von der aus man auf den Canal Grande blickt. Das hat alles eine ganz besondere Atmosphäre.
Welches war Ihr persönliches Reisehighlight mit dem Club?
BS: Das waren für mich Mailand und Turin. Dort gibt es die Fondazione Arnaldo Pomodoro, ein gigantisches Museum. Dann sind wir von Mailand aus nach Varese gefahren zur Panza Collection. Das war eigentlich das größte Erlebnis. Herr Panza ist schon ein alter Herr. Er sammelt alles: asiatische Kunst, Minimal Art, Farbfeldmalerei, Licht-Installationen. All diese moderne Kunst in einem alten Palazzo, durch den einen der 85-jährige Sammler führt. Toll, ganz toll.
RS: Wir haben uns hier dann gleich den Katalog zur Sammlung gekauft. Diese Reise allein wäre ein Grund gewesen, in den Deutsche Guggenheim Club einzutreten. Es sieht bei den Panzas wirklich alles aus wie im Paradies. Wir hatten das Glück, dass der Patron uns persönlich geführt hat. Danach gab es noch einen Empfang in seinen Privaträumen.
BS: Das ist ein ganz herrlicher Palast, diese Räume mit den großen Fenstern und dem Blick in den Park. Dann noch ein wunderschöner, mit italienischen Antipasti gedeckter Tisch – das ist das Deutsche Guggenheim, das mit seinem guten Namen all diese Türen öffnet. So etwas würden wir sonst nie erleben. Oder die Begegnungen in der Villa Romana in Florenz. Dort waren wir im letzten Jahr, um die Künstler der Ausstellung Freisteller zu besuchen, die als Stipendiaten des Künstlerhauses im Deutsche Guggenheim ihre Arbeiten zeigten. Beeindruckend wie die Stipendiaten in dieser alten Villa auf den Hügeln von Florenz wohnen. Der Blick ist einmalig von dort oben. Die Künstler haben abends mit uns gegessen und stellten dort noch einmal ihre Werke vor.
Zwischen Kandinsky und jungen Gegenwartskünstlern wie dem Amerikaner Tom Sachs oder den Stipendiaten der Villa Romana liegt eine ziemliche Spannweite. Es ist ja ungewöhnlich, dass sie beides genießen.
RS: Wir sind da nicht nur offen, sondern auch interessiert.
BS: Das lernt man ja auch mit den Ausstellungen. Es gab Ausstellungen, bei denen kannte ich die Künstler vorher gar nicht.
RS: Selbst Bill Viola haben wir erst so kennengelernt. Die Arbeit hat mich ausgesprochen begeistert. Oder Kara Walker mit den Scherenschnitten. Wir haben es niemals bereut. Ganz im Gegenteil. Nur dadurch, dass wir diese ständige Berührung haben, lernen wir diesen Kunstbereich wirklich zu lieben.
Barbara und
Rüdiger Schwarz
Interview
Cynthia Barcomi gehört zu den ersten Mitgliedern des Guggenheim Clubs. Sie ist wohl das, was man eine „Self-Made-Woman" nennen kann. Mit ihrem Café und einem Deli brachte sie ein Stück amerikanische Esskultur nach Berlin – und eine ganz eigene Philosophie des Kochens.
Seit wann sind Sie Mitglied im Deutsche Guggenheim Club?
Von Anfang an. Ich war so froh darüber, dass das Deutsche Guggenheim hier eröffnete. In New York gab es so viel Kunst zu erleben, für mich war es ganz normal, ins Guggenheim, ins Whitney, ins MoMA oder ins Metropolitan Museum zu gehen. In Berlin schien es nur die Nationalgalerie und sehr viele kommerzielle Galerien zu geben. Das Deutsche Guggenheim fühlte sich wie ein Stück Heimat an.
Aber es unterscheidet sich doch ziemlich vom New Yorker Guggenheim.
Es ist völlig anders. Es ist winzig. Aber gerade das gefällt mir. Der Raum wird wirklich gut genutzt. Früher, als wir noch in Kreuzberg lebten, habe ich keine Eröffnung verpasst. Damals habe ich viel gearbeitet und die Eröffnungen boten eine willkommene Abwechslung. Auch der Familien-Brunch ist toll. Die Kinder haben es geliebt. Doch seit wir nicht mehr im Stadtzentrum wohnen, nehmen wir wegen der Entfernung seltener an den Club-Aktivitäten teil.
Was war ihre Lieblingsausstellung?
Die Dan Flavin-Ausstellung war wirklich überraschend – gerade in diesem Fall hat mir die Führung noch einmal einen ganz anderen Blick auf das Werk eröffnet. Die Ausstellungen des Deutsche Guggenheim sind immer bereichernd, ob ich nun an Jeff Koons, Tom Sachs oder Kara Walker denke, deren Werk mich wirklich berührt hat. Auch die Jackson Pollock-Schau fand ich herausragend, weil sie Arbeiten zeigte, die man sonst nicht mit dem Künstler in Verbindung bringt.
Sie haben den Geschmack amerikanischer Kultur mit nach Berlin gebracht: hausgemachte Bagels, Cookies, Muffins, New York Cheesecake. 1994 haben Sie das Barcomi´s eröffnet, ein Café, das auch selbstgerösteten Kaffee verkauft. 1997 eröffneten Sie ihr amerikanisches Deli. Wie begann dieses Abenteuer?
Ich kam als Tänzerin hierher und hatte bereits acht Jahre professionell getanzt. Ich war 29 als meine zweite Tochter geboren wurde und ich spürte, dass sich etwas ändern musste. Tanzen fordert dir unglaublich viel ab. Wenn Du nicht fünf bis sechs Tage in der Woche trainierst, kannst Du nicht mithalten. Das passte einfach nicht mehr zu dem Leben, das ich führen wollte. Ich wurde erzogen, daran zu glauben, alles erreichen zu können. So fragte ich mich: „Was würdest Du gerne machen?" Die Antwort war: „Eigentlich würde ich gerne Kaffee rösten!" Also ging ich in die Berliner Staatsbibliothek und verschlang unzählige Bücher, die ich zum Thema finden konnte, denn damals gab es noch kein Internet. Danach dachte ich: „Das kann ich auch." Aber natürlich musste ich noch eine ganze Menge dazulernen.
Wie kam Barcomi´s damals beim Publikum an?
Am Anfang hatten wir nur Brownies, Muffins und Cheesecakes. Für Amerikaner sind das ganz alltägliche Sachen, aber vor 15 Jahren hatten viele Berliner keine Vorstellung davon, welche Vielfalt es bei amerikanischem Gebäck gibt. Das Essen verrät viel über die Kultur und die verschiedenen Umgebungen – und Amerika ist ein riesiges Land mit einer großen kulinarischen Vielfalt. Die Gäste wussten oft gar nicht genau, was ein Bagel ist. Sie zeigten auf einen Muffin und sagten: „Ich hätte gerne den Bagel." Ich erklärte ihnen dann: „OK – dies sind die Bagels und das sind die Muffins." Es ging erst einmal darum, den Leuten überhaupt beizubringen, wie amerikanisches Essen schmecken kann. Das galt natürlich besonders für diejenigen, die in meiner Küche arbeiten. Niemand von ihnen war jemals in den USA gewesen. Tatsächlich arbeitet nicht ein Amerikaner in meiner Küche.
Warum?
Ich kann auf Amerikaner in meiner Küche wirklich verzichten. Ich möchte nicht, dass jemand das, was ich mache, in seinem Sinne neu interpretiert. Da bin ich Puristin. Either it´s my way or the highway – entweder es läuft genau so wie ich es will, oder gar nicht.
In Ihrer Küche geht es also nicht darum, die Kreativität Anderer zu fördern?
Oh, nein. Wenn es neue Gerichte geben soll, dann bin natürlich ich es, die Sie entwickelt. Am Ende ist es ja auch mein Name, der drauf steht. Das ist eine Frage der Qualität. Ich muss sicher gehen, dass das, was die Leute im Barcomi´s machen, genau meinen Ideen entspricht. Ich mag es einfach, wenn meine Produkte die Leute sowohl körperlich, als auch emotional befriedigen. Ich erinnere mich an einen Sonntag – damals hatte ich mich gerade erst selbstständig gemacht. Ich rackerte mich gerade wieder einmal damit ab, all die Kuchen und Muffins zu backen. Es war elf Uhr morgens und ich wunderte mich plötzlich: „Es ist ja totenstill. Ist da etwa niemand oben im Café?" Tatsächlich war der Laden völlig ausgebucht. Alle waren damit beschäftigt, ganz andächtig zu essen. Ich liebe es, Dinge zu machen, die die Leute erst mal anschauen und dann testen, um noch einen zweiten Bissen zu nehmen und zu denken: „Mmmmmhhmm!"
Derzeit arbeiten Sie an ihrem dritten Kochbuch, das bei Random House erscheinen wird. In Ihrem ersten Buch ging es ums Backen, im zweiten um Festtagsgerichte, im neuen Buch geht es um Rezepte für jeden Tag.
Es geht um Leibgerichte, diese Art von Essen, das einen einfach glücklich macht und sogar noch besser schmeckt, wenn man es am nächsten Tag wieder aufwärmt. Und dabei soll man sich nicht jeden Abend in der Küche völlig verausgaben müssen.
Welche Philosophie steckt hinter ihren Rezepten?
Beim Kochen braucht man entweder eine Vision oder ein ausgezeichnetes Rezept, das diese Vision vermittelt. Überraschenderweise wissen Viele gar nicht, wie ein Cheesecake oder ein Cookie eigentlich schmecken müssen. Natürlich weiß man, wie sie aussehen, das kennt man aus Abbildungen in Büchern. Aber nur die wenigsten wissen genau, wie dieses Gebäck wirklich schmeckt. Es geht daher vor allem um die Verständlichkeit. Ein Kochbuch wird immer am Erfolg gemessen, den die Leute haben, wenn sie die Rezepte nachmachen. Gutes Essen muss nicht unbedingt kompliziert sein. Ich liebe einfache Sachen, die leicht umzusetzen sind.
Trifft das auch auf ihren Kunstgeschmack zu?
Nein, da dürfen Sie mich nicht falsch verstehen. Es geht dabei immer auch um ein gewisses Maß an Komplexität und Raffinesse. Wissen Sie, es gibt etwas, das ich sowohl beim Essen als auch in der Kunst und Mode liebe – und das ist der Gegensatz. Für mich ist dieser Kontrast ganz wichtig. Ich war in London und habe die Rothko-Retrospektive in der Tate Modern besucht. Ich kannte das Werk des Künstlers, aber ich hatte mich vor der Ausstellung nie genauer damit beschäftigt. Was mich an dieser Retrospektive wirklich begeistert hat, war dass man etwas über den Hintergrund und die Entstehung dieser Bilder erfahren konnte. Das tiefschwarze Gemälde etwa, das eigentlich in einer Kirche in Texas hing. Auf den ersten Blick denkt man, dass es einfach nur schwarz ist. Dann aber beginnt man seine Textur und die verschiedenen Schichten zu erkennen, den Geist des Bildes, seine Lebendigkeit zu erfassen. Das hat mich richtig berührt. Mir wurde klar, wie Rothko diese intensive Farbigkeit erzeugte, wie er sie Schicht um Schicht aufbaute. Beim Kochen ist es genauso. Jedes Gericht ist eine Kombination aus Aromen, aber auch aus Textur, Farbe und Form. Nur Du weißt, was Du mit der Zusammenstellung erreichen willst, was Du damit vermitteln möchtest, ob es nun ein Cookie oder eher eine Kugel Eiscreme sein soll. Wie ich schon sagte, beim Kochen oder Backen geht es vor allem um eine Vision. Doch nicht das Kochen an sich ist schwierig. Die Schwierigkeit besteht darin, es ohne unnötige Geheimnistuerei zu vermitteln.
Cynthia Barcomi
Interview
Kristina Ehle und Sascha Lazimbat sind junge Sammler aus Berlin. Die aktive Teilnahme am Kunstgeschehen ist für sie ebenso wichtig, wie der direkte Kontakt zu Künstlern. Die vom Deutsche Guggenheim Club organisierten Künstlergespräche zählen für sie zu den besonderen Highlights des Programms.
Sie gehören zu den profiliertesten jungen Sammlern in Berlin. Wie hat sich Ihre Leidenschaft für Gegenwartskunst entwickelt?
Sascha Lazimbat: Das geschah eigentlich schrittweise. Wir sammeln jetzt seit 2001 oder 2002. Wir sind schon immer regelmäßig in Museen gegangen, haben aber anfänglich die Galerienszene nicht so intensiv verfolgt. In den letzten zehn Jahren gab es in dieser Hinsicht in Berlin ungeheuer viel Bewegung und so hat sich auch unser Interesse für das, was in Künstlerräumen und kommerziellen Galerien passiert, potenziert. Wir waren von dieser vitalen Szene sehr schnell angezogen, wir haben uns Kopfüber hinein gestürzt - bis zu dem Punkt wo wir zu Messen gefahren sind, zu allen anderen möglichen wichtigen Ereignissen rund um die Welt, wo man sich so denkt: Das muss man noch mitnehmen und das muss man sich auch noch anschauen.
Kristina Ehle: Der Schritt vom Museum in die Galerien war sicher auch von erfahrenen und älteren Sammlern geprägt, die wir kennen lernten. Man kommt irgendwann an den Punkt, wo man sich sagt: Ich möchte das nicht nur draußen anschauen. Ich möchte das für mich haben, in meiner Wohnung und jeden Tag sehen können.
SL: Am Anfang gab es da auch keinen Masterplan oder roten Faden für eine Sammlung, sondern einfach nur Arbeiten, die einen fasziniert haben. Wir haben ganz intuitiv das gekauft, was uns gefangen genommen hat und was finanziell für uns erreichbar war.
KE: (Lacht) Mittlerweile verschulden wir uns aber immer weiter für die Kunst....
Was war die erste Arbeit, die sie gekauft haben?
KE: Das war ein Gemälde von Peter Rösel
SL: Ja. Hier im Schlafzimmer hängt dieses relativ minimale Bild, was eine Wüstenlandschaft mit einer Fata Morgana darstellt. Wo sich Peter Rösel tatsächlich in die Wüstenlandschaft Namibias hingestellt und Orte gesucht hat, wo es Luftspiegelungen und Fata Morganen gibt. Das hat er versucht, auf die Leinwand zu bannen. Auf dem Rahmen ist der genaue GPS-Code von dieser Stelle in der Wüste markiert. Man könnte also genau hinfahren an die Stelle, würde aber nicht das sehen, was auf dem Bild ist, weil das eben nur eine Erscheinung war.
In Ihrer Sammlung sind ebenso Malerei und Skulptur wie Fotografie und Video vertreten. Gibt es eine verbindende Komponente für die Werke, die Sie sammeln?
KE: Kunst muss eine konzeptionelle Ebene haben, die gleichzeitig zu einer ästhetischen Lösung führt. Kunst hat mit unserem Leben und unserer Arbeit zu tun, mit unserem kulturellen Hintergrund und dem, was uns interessiert.
SL: Ich arbeite bei Warner Music und betreue den Bereich Business and Coorporate Development, in dem es um all die neuen Aktivitäten geht, die für vormalige Plattenfirmen im Wandel des Marktes immer wichtiger werden: die Veranstaltung von Live Konzerten, Merchandising, Internetangebote, die Kommerzialisierung von Künstlerwebseiten.
KE: Ich bin selbstständige Rechtsanwältin und Beraterin für Urheber- und Vertragsrecht, betreue und berate aber in erster Linie nicht nur juristisch sondern auch in Businessfragen. Meine Klientel sind Künstler, kleine Galerien und Kunstprojekte. Wir sind also beide Juristen und bewegen uns hierbei an der Schnittstelle von Medien, Entertainment, Inhalten und Technologie der neuen Medien. Das spielt auch bei unserer Leidenschaft für junge Kunst und beim Sammeln eine große Rolle. Es geht um den inhaltlichen Austausch, um Inspiration und Ideen. Es ist uns wirklich wichtig, die Werke und die Künstler dahinter kennen zu lernen. Das geht besonders gut, wenn man junge Kunst sammelt. Wir hatten bisher ausgesprochenes Glück, weil die Künstler, von denen wir Arbeiten gekauft haben, auch immer super nette, sympathische Menschen waren, mit denen wir auch gerne privat etwas machen.
SL: Aber natürlich ist diese persönliche Ebene nicht zwingend. Uns interessiert die Begegnung mit Künstlern ganz grundsätzlich. Deshalb finde ich auch die Künstlergespräche das Spannendste und Wichtigste am Deutsche Guggenheim Club.
KE: Wir haben zum Beispiel Gerhard Richter persönlich über den Club erleben dürfen, wir fanden Tom Sachs ganz toll und natürlich Jeff Wall. Das sind Begegnungen, die für mich sehr wichtig waren und unglaublich viel Spaß gemacht haben.
SL: Gereizt hat uns die Möglichkeit zu den Previews zu gehen. So auch zum Feuerwerk von Cai Guo-Qiang, als er für seine Ausstellung Head On ein ganzes Fertighaus in die Luft sprengte.
KE: KE: Bemerkenswert finde ich, dass der Club in diesem Jahr angefangen hat, Kunst für Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen zugänglich zu machen. Das haben wir finanziell mit unterstützt und auch an Veranstaltungen teilgenommen. Viele der Kinder waren noch nie in ihrem Leben im Stadtzentrum, geschweige denn im Museum. Ich finde es sehr gut, dass die Deutsche Bank sich hier engagiert. Längerfristig sollten solche Projekte vermehrt vom Club unterstützt werden.
Neben der Kunst lieben Sie beide gutes Essen. Wenn Sie von einem Zauberer vor die Wahl gestellt würden, entweder den Rest Ihres Lebens gutes Essen zu genießen oder gute Kunst anzuschauen, was wäre die Entscheidung?
KE: Gutes Essen!
SL: Ich würde den Zauberer bitten, dass er die Kunst in „edible art" verwandelt.
Kristina Ehle und
Sasha Lazimbat
Interview

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