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Hanne Darboven: Hommage à Picasso

4. Februar bis 23. April 2006

Hanne Darbovens Installation Hommage à Picasso für das Deutsche Guggenheim, (4. Februar bis 23. April 2006) dokumentiert das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts und ist gleichzeitig eine außergewöhnliche Hommage der international wohl bekanntesten deutschen Künstlerin an den Künstler des 20. Jahrhunderts.
Hanne Darboven entwickelte ihr eigenes konzeptuelles Schema bereits in den 60er Jahren. In der neutralen Sprache der Zahlen und mit Materialien wie Feder, Bleistift, Schreibmaschine und Millimeterpapier legte sie einfache lineare Ziffernkonstellationen an, die sie als Konstruktionen bezeichnete. Im Lauf der Zeit gelangte Darboven zu einem neuen Verwendungsschema ihrer numerischen Elemente. Sie erkannte, dass die Ziffern, die im gregorianischen Kalender das Datum markieren, als ein neutrales »grafisches Äquivalent des im Grunde nicht-visuellen Phänomens Zeit« herangezogen werden können und damit die Möglichkeit bieten, zu schreiben ohne zu beschreiben. Die Aufzeichnung der Zeit, die sich in Darbovens täglicher Datumsnotierung in verschiedenen Schreibarten (Ziffern, Wörter) konkretisiert und auf einem ständig verfeinerten, selbst erfundenen System basiert, wurde Schlüsselaspekt ihres künstlerischen Schaffens.
Ab 1973 begann Darboven zusätzliche Elemente in ihre Werke einzubauen, so etwa Texte diverser Autoren, Fotografien sowie Objekte, die sie gefunden, gekauft oder als Geschenk erhalten hatte. Diese Zusätze ermöglichten die gezielte Untersuchung unterschiedlicher Zeit- und Geschichtsaspekte - einschließlich einer abstakten Variante der Biografie - , ohne dass Darboven deswegen von ihrer persönlichen, formalen und konzeptuellen Vorgehensweise abweichen musste. In den späten 70er-Jahren entwarf die Konzeptkünstlerin ein System zur Musiknotation, das auf Kalenderdaten und auf ihren persönlichen Zahlenkonfigurationen beruht.
Hommage à Picasso kombiniert Zahlentafeln, die das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dokumentieren, mit einer gerahmten Lithografie von Pablo Picassos Gemälde Sitzende Frau in türkischer Tracht (1955), einer Gruppe gekaufter oder eigens angefertigter Skulpturen – von einer Büste Picassos im römischen Stil bis zu Eseln aus Birkenzweigen von polnischen Kunsthandwerkern – und Opus 60, einer neuen Orchesterkomposition für 120 Stimmen.
Die Arbeit an diesem Projekt begann Mitte der 90er-Jahre. Der Jahrtausendwechsel war greifbar nahe und als Künstlerin, die sich intensiv mit Zeit- und Jahrhundertthemen befasste, wandte sich auch Darboven der Frage zu, was dieser Moment für sie selbst bedeutete und welche Position man generell zur Kunst des 20. Jahrhunderts beziehen konnte. Das daraus resultierende Werk greift neben der typischen Markierung der Zeit ein Leitmotiv der 90er-Jahre auf, nämlich die Suche nach archetypischen Persönlichkeiten, in denen der Geist der vergangenen hundert Jahre zum vollen Ausdruck gelangt war. Im Bereich der Kunst kam in ihren Augen nur eine Figur infrage: Pablo Picasso.

In ihrer Gesamtheit zeichnet die Installation ein vielschichtiges Doppelporträt der Künstler Pablo Picasso und Hanne Darboven, das die Rolle des Wiederholens, des Zitierens und der Verehrung in der Kunst genauer zu erfassen sucht. Hommage à Picasso würdigt Picasso als letzten großen Maler des 20. Jahrhunderts, nicht ohne anzumerken, dass die Rekapitulationen der letzten Lebensjahre – und deren Nachwirkung in den Jahrzehnten nach seinem Tod – die Grenzen des Mediums und der traditionellen Technik, der er treu geblieben war, aufzeigen. Darboven hält diesem analytischen Porträt des spanischen Meisters den Spiegel ihres konzeptuellen Tableaus entgegen. Wie er wiederholt und überdenkt sie ständig die prägenden Stilelemente ihrer Handschrift. Dabei hat sie jedoch die Fesseln der seriellen visuellen Notation gesprengt und eine Musik entwickelt, die eindeutig den Stempel „Hanne Darboven“ trägt und zugleich die unerschöpfliche Kraft ihres Gesamtwerks offenbart, sich im Takt der Zeit neu zu erfinden. Die Frage der Originalität steht also im Mittelpunkt von Hommage à Picasso.

Hanne Darboven: Hommage à Picasso wurde von Dr. Valerie Hilings, Assistant Curator, Guggenheim Museum New York, kuratiert. Ausstellungsbegleitend erscheint ein Katalog in Deutsch oder Englisch mit Essays von Valerie Hillings, Wolfgang Marx, Svenja Gräfin von Reichenbach, Anne Rorimer sowie einem Gespräch zwischen Gerd de Vries und Sibylle Omlin inklusive einer CD mit der Einspielung von Hanne Darbovens Opus 60 zum Preis von € 38.
Als Edition No. 34 des Deutsche Guggenheim entstand Hanne Darbovens Gregorianischer Kalender, eine Diavographie von 2005, in einer limitierten Auflage von 60 nummerierten und signierten Exemplaren + X a.p., die ungerahmt zum Preis von € 500 exklusiv im MuseumsShop erhältlich ist.
Die Ausstellung wird von einem umfassenden Rahmenprogramm aus Vortrag, Film, Musik und Kinderprogramm begleitet. Kostenlose Führungen werden täglich um 18 Uhr angeboten. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Rahmenprogramm ab. Ausführliche Informationen entnehmen Sie bitte den beigefügten Unterlagen.

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Zur Ausstellung finden Sie folgende Beiträge in www.db-artmag.com, dem online Kunstmagazin der Deutschen Bank:
on view // Hanne Darbovens "Hommage à Picasso"
news // Darboven Edition Fotomaterial zur Ausstellung
kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen
Deutsche Guggenheim
Kontakt: Sara Bernshausen
Telefon: (030) 202093-14
Fax: (030) 202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de