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Kasimir Malewitsch

Suprematismus
18. Januar bis 27. April 2003



Kasimir Malewitsch gilt als richtungsweisender Mitbegründer der abstrakten Kunst. Zwischen 1915 und 1932 entwickelte er eine Form ungegenständlicher Malerei, die er als Suprematismus bezeichnete. Anlässlich seines 125. Geburtstags widmet das Deutsche Guggenheim dem russischen Künstler vom 18. Januar bis 27. April 2003 eine Ausstellung, die sich erstmals ausschließlich auf die suprematistische Phase im Œuvre Malewitschs konzentriert. Die Präsentation umfasst Gemälde, Zeichnungen und Objekte aus bedeutenden, internationalen öffentlichen und privaten Sammlungen. Darunter befinden sich auch noch nie zuvor im Westen gezeigte Arbeiten sowie einige der erst kürzlich wiederentdeckten Meisterwerke Malewitschs.

Kasimir Malewitschs Kunst der „reinen Form“ strebte nach einer allgemeinen Verständlichkeit, unabhängig von der kulturellen oder ethnischen Zugehörigkeit des jeweiligen Betrachters. Wie seine Zeitgenossen Piet Mondrian und Wassily Kandinsky entwarf Malewitsch seine künstlerische Utopie als säkulares Gegenstück zur religiösen Malerei. Ihr Ziel war es, die in Russland allgegenwärtige Ikone neu zu erschaffen und den Betrachter auf eine höhere Bewusstseinsebene zu führen.

Malewitschs Serie Alogismen, 1913/14, mit Kompositionen aus abstrakten Zeichen, Symbolen, Formen und Wortfragmenten steht am Beginn seiner Auseinandersetzung mit der ungegenständlichen Kunst. Den konsequenten Bruch mit dem Kubismus manifestierte 1915 sein Schwarzes Quadrat, das für die russische Avantgarde zum zentralen Werk wurde. Weitere Arbeiten aus dieser Zeit, wie Verlängerte Ebene, Vier Quadrate, Surpematistische Komposition mit Ebene in Projektion oder Suprematismus: Malerischer Realismus eines Fußballspielers [Farbmasse in der 4. Dimension] dokumentieren Malewitschs Erforschung des expressiven Potenzials dieser einfachen Formen.

Malewitschs künstlerische Definition des Suprematismus, bei der er vor allem das Medium der Zeichnung nutzte, entwickelte sich schnell weiter. Ende 1915/Anfang 1916 ging er von einer Ästhetik der statischen Komposition zu einem immer dynamischeren Ansatz über, um sowohl visuell verschiedene Emotionen, als auch eine mehrfache Dimensionalität zum Ausdruck zu bringen. Bis 1917 kehrte Malewitsch jedoch zu seinem einfachen Vokabular zurück, das auf weniger konkreten Formen basierte. Es entstanden vor allem ätherisch wirkende Werke, die sich in einem imaginären Raum aufzulösen scheinen. Andere Arbeiten dienten der ausführlichen Darstellung subtiler Transformationen, wie etwa Suprematismus [Konstruktion in Auflösung] und sein Meisterwerk Weißes Quadrat auf weißem Grund, das in den sechziger und siebziger Jahren eine ganze Generation von zeitgenössischen Künstlern in Europa und den USA inspirierte.

Der Suprematismus wurde von Malewitsch auch auf praktische, alltägliche Bereiche übertragen. In seinen Gipsstudien, den sogenannten Architektonen, versuchte er, diesen Stil als Mittel zur Herbeiführung eines gesellschaftlichen Wandels durch die radikale architektonische Form einzusetzen. Seine Auseinandersetzung mit politischer Kunst zielte auf eine Unterstützung der neuen politischen Realität, ohne jedoch der eigenen Ästhetik untreu zu werden. Er wagte sich mit diesen Arbeiten, wie viele seiner Genossen und Studenten, in den Bereich der dekorativen und angewandten Künste vor.

Doch im wesentlichen blieb Malewitsch ein Maler, der sich ganz dem Spirituellen in der Kunst verschrieben hatte. Dieses Festhalten am Metaphysischen in Zeiten des totalitären gesellschaftlichen Umbruchs, der sich auch immer stärker auf die Kunst auswirkte, führte schließlich zu Malewitschs Isolation von der vorherrschenden künstlerischen Avantgarde in Russland.

Gegen Ende der zwanziger Jahre übertrug Malewitsch als Konsequenz dieser Verhältnisse den Suprematismus auf eine Auseinandersetzung mit der Figur, bis er diesen Stil 1932 zugunsten einer von der Renaissance geprägten Portraitkunst ganz aufgab.

Kasimir Malewitsch: Suprematismus wurde von Matthew Drutt, Chief Curator an der Menil Collection, kuratiert und ist im Anschluß vom 23. Mai bis 7. September 2003 in der Solomon R. Guggenheim Museum, New York und vom 3. Oktober 2003 bis 11. Januar 2004 in der Menil Collection, Houston zu sehen.

Ausstellungsbegleitend erscheint ein Katalog mit umfassenden Essays von Matthew Drutt, Nina Gourianova, Jean-Claude Marcadé, Tatiana Mikhienko, Evgenia Petrova und Vasili Rakitin sowie Briefen, Aufsätzen und Tagebuchauszügen des Künstlers. Die broschierte Publikation ist zum Preis von € 35 in Deutsch oder Englisch erhältlich.

Als Edition Nummer 22 des Deutsche Guggenheim entstand in einer Moskauer Manufaktur das dreiteilige Manschettenknopf-Set „Kreuz/Quadrat/Kreis“ nach einer Idee von Nicolas V. Iljine. Die limitierte Auflage von 200 Exemplaren in 925 Silber wird in einem Holzkästchen zum Preis von € 195 im MuseumsShop angeboten.

Kasimir Malewitsch: Suprematismus wird von einem umfassenden Rahmenprogramm begleitet. In A Curator’s Talk führt Matthew Drutt am Samstag, dem 18. Januar 2003, um 18 Uhr, durch die Ausstellung. Führung und anschließendes Gespräch sind in englischer Sprache.

Während der 13. Langen Nacht der Museen, am Samstag, dem 1. Februar 2003, werden die Eindrücke der Ausstellung Kasimir Malewitsch: Suprematismus durch Dimitri Schostakowitschs berühmtes Klaviertrio Nr. 2, e-moll op. 67 ergänzt. Das Ensemble – Pedro Morais Andrade/Violine, Timothy Park/Cello, Lora Dimitrova/Klavier – tritt jeweils um 20 Uhr, 21.30 Uhr und 23 Uhr im Atrium der Deutschen Bank auf. Im Anschluss bieten russische Klänge und Kulinarisches bis 2 Uhr den Ausklang der Langen Nacht.

Der traditionelle Familienbrunch findet am Sonntag, dem 16. Februar 2003, um 11.30 Uhr, im Deutsche Guggenheim statt. Während Erwachsene zum Thema Stationen russischer Konstruktivisten und französischer Surrealisten im Vergleich geführt werden, beschäftigen sich die Kinder kreativ mit geometrischen Grundformen. Für das leibliche Wohl sorgt im Anschluss der Brunch im Innenhof der Deutschen Bank.

Einen weiteren Akzent setzt am Mittwoch, dem 5. März 2003, um 19 Uhr, die Diskussion „Architekton“ und Architektur. Professor Hans Kollhoff, Architekten Kollhoff & Timmermann, erörtert mit Bernhard Schulz, Tagesspiegel, den Einfluss der russischen Avantgarde auf die moderne Architektur.

Am Donnerstag, dem 20. März 2003, um 19 Uhr, unterhält sich der Maler und Schriftsteller Haralampi G. Oroschakoff mit dem Autor und Malewitsch-Experten Dr. Jeannot Simmen zum Thema Ikone pro/contra Postmoderne.

Kostenlose Führungen finden täglich um 18 Uhr statt. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Rahmenprogramm ab.


Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de