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Rachel Whiteread

Transient Spaces
27. Oktober 2001 bis 13. Januar 2002



Transient Spaces hat Rachel Whiteread ihre Ausstellung im Deutsche Guggenheim betitelt, in der ihre eigens für die Kunsthalle Unter den Linden entstandenen raumgreifenden Auftragsarbeiten Untitled (Apartment) und Untitled (Basement) zu sehen sind.
Seit Ende der achtziger Jahre hat die britische Künstlerin Rachel Whiteread ein einzigartiges Gesamtwerk geschaffen, das vorwiegend aus Plastiken besteht: Abgüsse von gebrauchten Einrichtungsgegenständen und leerstehenden Räumen. Aus Industriematerialien wie Gips, Beton, Gummi und Polyesterharzen gefertigt, erinnern Whitereads Nachbildungen von Matratzen, Spülbecken, Stühlen und Schränken an den Minimalismus der sechziger Jahre. Doch abweichend von dieser Strömung laden die Arbeiten der Künstlerin ein zu intimen Erfahrungen, beschwören private Erinnerungen und Assoziationen herauf und erzeugen oft ein Gefühl von Abwesenheit und Verlust.

Whitereads größere architektonische Projekte beziehen gesellschaftliche Überlegungen mit ein. Für die Arbeit House (1993) hat Whiteread den gesamten Innenraum eines spätviktorianischen Arbeiterhauses in einer zum Abbruch freigegebenen Straße mit Beton ausgegossen. Als die Außenwände des Hauses entfernt wurden, blieb die bloßgelegte Betonarbeit zurück. Ein Monument, das an die verschwundene Wohngegend erinnerte und auf die Folgen der Veränderung der sozialen Strukturen im Londoner East End verwies. Das Holocaust Mahnmal, ein neueres Projekt der Künstlerin, das im Oktober 2000 auf dem Judenplatz in Wien enthüllt wurde, bildet ein Denkmal für die österreichischen Juden, die im Holocaust ermordet wurden.

In ihrem Werk für das Deutsche Guggenheim beschäftigt sich Whiteread mit dem Thema "öffentlich und privat" im Zusammenhang mit dem europäischen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf der Suche nach einer neuen Wohnung und einem neuen Atelier hat die Künstlerin kürzlich ein Gebäude erworben, das im Krieg zerstört und 1957 wiederaufgebaut wurde. Aus der Not heraus ist dieser nüchterne, geometrische Bau in einem schnörkellosen Stil gehalten. Im Verlauf seiner Geschichte hat das Gebäude verschiedene Identitäten angenommen. Es diente zunächst als Synagoge, beherbergte dann das Geschäft eines Textilhändlers und wird heute von der Künstlerin als Wohn- und Arbeitsstätte genutzt. Die beiden Abgüsse, die Whiteread von einer Wohnung im oberen Stock und einer Kellertreppe angefertigt hat, zeigen einen wenig spezifischen, schlichten Bau. Ein Raum des Durchgangs, in dem die Grenzen zwischen Ästhetik und wirtschaftlichen Zwängen der Nachkriegszeit zum Ausdruck kommen.

Als Vertreterin der stilistisch uneinheitlichen Gruppe von Künstlern, die man vage als Young British Artists bezeichnet, erhielt Whiteread Anfang der neunziger Jahre erstmals internationale Aufmerksamkeit. Ihr Gesamtwerk wurde 1993 mit dem renommierten Turner Prize der Tate Gallery und 1997 mit einer Medaille der Biennale in Venedig ausgezeichnet. Im Mai 2001 zeigte die Serpentine Gallery in London eine Retrospektive ihrer Arbeiten.

Als Auftragsarbeiten für das Deutsche Guggenheim sind bisher Gemälde von James Rosenquist und Jeff Koons, Installationen von Andreas Slominski und Lawrence Weiner sowie Fotografien von Hiroshi Sugimoto entstanden. Rachel Whitereads Projekt ist das erste Auftragswerk aus dem Bereich der Plastik.

Die Ausstellung wurde von Lisa Dennison zusammen mit Craig Houser, Solomon R. Guggenheim Museum, kuratiert. Der begleitende Katalog ist in Deutsch oder Englisch zum Preis von € 30,17/ DM 59 erhältlich und umfaßt neben Essays von Lisa Dennison, Molly Nesbit und Beatriz Colomina, einen fiktiven Text von A. M. Homes sowie ein Interview mit Rachel Whiteread von Craig Houser.

Als Edition No. 17 des Deutsche Guggenheim schuf die britische Künstlerin anläßlich ihrer Ausstellung Rachel Whiteread: Transient Spaces die Skulptur Doorknob. In einer limitierten Auflage von 300 Exemplaren ist sie exklusiv im MuseumsShop zum Preis von € 180 / DM 352,05 erhältlich.

Unter dem Titel Orte der Erinnerung finden am 10. und 20. November sowie am 1. und 11. Dezember 2001 zwischen 14 und 16 Uhr Führungen zu Stätten des Gedenkens in Berlin-Mitte statt. Besucht werden das geplante Holocaust Mahnmal am Brandenburger Tor von Peter Eisenman, das seit 1995 existierende Denkmal der Bücherverbrennung von Micha Ullmann auf dem Bebelplatz sowie anschließend die Ausstellung Rachel Whiteread: Transient Spaces im Deutsche Guggenheim. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit art:berlin.

Einen kunsthistorischen Akzent setzt am 23. November 2001, um 19 Uhr, der Vortrag Erinnerung und Stille. Zur Ikonografie von Rachel Whitereads Skulpturen von Dr. Andrea Schlieker. Seit Jahren begleitet die in London lebende freie Kuratorin die Arbeiten von Rachel Whiteread und ist ausgewiesene Kennerin ihres Œuvres.
Am Sonntag, dem 9. Dezember 2001, um 11.30 Uhr, lädt Deutsche Guggenheim zum traditionellen Familienbrunch für Groß und Klein ein.
Abgerundet wird das Rahmenprogramm mit einer Finissage am Sonntag, dem 13. Januar 2002, um 17 Uhr, auf der Barbara Schnitzler vom Deutschen Theater Berlin Texte der amerikanischen Autorin A. M. Homes zu Rachel Whiteread lesen wird.

Deutsche Guggenheim ist Partner des .kunstherbst berlin


Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de