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Siegel des Sultans

Osmanische Kalligrafie aus dem Sakip Sabanci Museum
Sabanci Universität, Istanbul
03. Februar bis 08. April 2001



Kalligrafie, die Kunst des "Schönen Schreibens", ist die zentrale Kunstform des Islam, die ihren Höhepunkt in der osmanischen Zeit in Istanbul erreichte. Mit Siegel des Sultans: Osmanische Kalligrafie aus dem Sakip Sabanci Museum, Sabanci Universität, Istanbul ist die erste umfassende Ausstellung osmanischer Kalligrafie in Deutschland zu sehen. Präsentiert werden mehr als siebzig Handschriften und Kalligrafien herausragender türkischer Kalligrafen von der zweiten Hälfte des fünfzehnten bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert sowie fünf themenbezogene Ölgemälde. Die reich illustrierten Manuskripte und kalligrafischen Kompositionen stammen aus der bedeutenden Sammlung des Sakip Sabanci Museums, Sabanci Universität, Istanbul. Diese wurde nach ihrem Gründer, dem bekannten türkischen Geschäftsmann und Philanthropen Sakip Sabanci, benannt.

Die Kalligrafie ist die angesehenste Form der islamischen Kunst, da der Koran durch die Schrift bewahrt und weitergegeben wird. Wie alle semitischen Sprachen wird auch die Sprache des Korans, das Arabische, von rechts nach links geschrieben. Nach der Entstehung des Islam im siebten Jahrhundert verbreitete sich die arabische Schrift unter den Muslimen und wurde kulturelles Gemeingut. Kalligrafen veränderten und verschönerten die Schrift, um sie auf ästhetischer Ebene der göttlichen Offenbarung anzunähern. Die Beschäftigung mit dem "Schönen Schreiben" wurde auch auf andere in der islamischen Welt gesprochene Sprachen übertragen, die sich in arabischer Schrift darstellten, u.a. auf das Türkische, Persische und Urdu. Die Kalligrafie entwickelte sich zu einer herausragenden, traditionsreichen künstlerischen Ausdrucksform. Ihre Wirkung beruht auf der Beherrschung der Stile, die seit ihrer Entstehung ohne Unterbrechung von ausgewählten Kalligrafen an ihre Schüler weitergegeben wurden.

Mit der Eroberung Konstantinopels, dem heutigen Istanbul, im Jahr 1453 weitete sich Kalligrafie auf das Verwaltungs- und kulturelle Zentrum des Osmanischen Reiches aus. Die Meister der Kalligrafie verhalfen dieser zu einer neuen Blüte und waren sowohl Künstler als auch Lehrer, häufig in Anbindung an den Hof oder durch ihn gefördert. Als Künstler kopierten sie formvollendet die Handschriften des Koran und schufen herausragende, großformatige und ausgeprägt rhythmische Kompositionen, die auch als Vorlagen für die Inschriften der großen osmanischen Moscheen und anderer öffentlicher Gebäude dienten. Als Lehrer unterrichteten sie die nachfolgenden Generationen von Kalligrafen sowie osmanische Sultane und Prinzen. 1928, fünf Jahre nach dem Fall des osmanischen Sultanats und der Gründung der modernen, sekularen Türkischen Republik, wurde die arabische Schrift durch eine Abwandlung des lateinischen Alphabets ersetzt.

Obwohl damit die traditionelle Schriftweise als Form der Kommunikation ihr Ende erreicht hatte, gelang es einer kleinen Gruppe von Künstlern, die Kalligrafie als Kunstform zu erhalten. So gibt es auch heute in Istanbul noch einige wenige Kalligrafen, die diese Kunst praktizieren und Schüler unterrichten. Die lange Kette der Übertragung der Kunst des Schönen Schreibens setzt sich damit in die Gegenwart fort.

Die Ausstellung wurde von Linda Komaroff, Curator of Islamic Art, Los Angeles County Museum of Art, Lisa Dennison, Chief Curator und stellvertretende Direktorin, Solomon R. Guggenheim Museum, und Hülya Karadeniz, Istanbul, kuratiert. Es erscheint ein Katalog in Deutsch, Englisch oder Türkisch zum Preis von DM 59,--. Als Edition No. 14 des Deutsche Guggenheim wurde ein "divit", ein handliches Schreibset aus Tintenfass und Federhalter, im Arabischen "hokka" und "kubur", realisiert. Er wurde in traditioneller Handarbeit in Istanbul exklusiv zur Ausstellung der Sammlung Sabanci angefertigt. Verziert mit filigranen Ornamenten und bis ins Detail versilbert, ist der "divit" in einer Auflage von 100 einzeln numerierten Exemplaren zum Preis von DM 350 ausschließlich im MuseumsShop des Deutsche Guggenheim erhältlich.
Unter dem Titel "Siegel des Sultans" wird der Katalogautor Dr. M Ugur Derman am Sonntag, dem 4. Februar 2001, um 11.30 Uhr durch die Ausstellung führen.
Die ausstellungsbegleitende Vortragsreihe über islamische Kunst und Kultur wird von Prof. Dr. Dr. Annemarie Schimmel, zuletzt Professorin für Indo-Muslimische Kultur in Harvard und Bonn, eingeleitet. Die Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels wird über "Die Welt als Buch. Die Rolle der Schrift in der islamischen Kultur" am Mittwoch, dem 14. Februar 2001, um 19 Uhr, sprechen. Fortgesetzt wird die Reihe am Mittwoch, dem 28. Februar 2001, um 19 Uhr, mit "Sprache der Hand und Freude des Herzens: Islamische Kalligrafie". Einer Einleitung und praktischen Vorführung in die Kunst der Kalligrafie von Dr. Shams Anwari-Alhosseyni, Dozent für persische Sprache, Literatur und Kalligrafie an der Universität zu Köln. Am Mittwoch, dem 14. März 2001, um 20 Uhr spricht der Islamwissenschaftler Dr. Navid Kermani über "Die Macht des Wortes. Über die Ästhetik der religiösen Sprache im Islam". Deutsche oder türkische Schulführungen sowie Sonderführung in deutsch, englisch, türkisch oder französischen werden auf Anfrage angeboten. Der mittlerweile traditionelle Familienbrunch im Deutsche Guggenheim für Groß und Klein am Sonntag, dem 4. März 2001, um 11.30 Uhr, rundet das Rahmenprogramm ab.

Pressekonferenz: Freitag, den 2.02.2001, 11 Uhr


Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de