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Lawrence Weiner

NACH ALLES / AFTER ALL
15. Juli - 08. Oktober 2000



Vom 15. Juli bis zum 8. Oktober 2000 präsentiert das Deutsche Guggenheim mit LAWRENCE WEINER: NACH ALLES / AFTER ALL ein neues Auftragswerk für die Ausstellungshalle Unter den Linden.

Lawrence Weiner, ein Pionier der Konzeptkunst, schafft Skulpturen mit dem Mittel der Sprache. 1968 gelangte er zu der Überzeugung, dass ein Kunstwerk unabhängig von seiner künstlerischen Realisierung existiert. Seitdem konzipierte Weiner zahlreiche Kunstwerke, in denen primär die Sprache neben einer Vielfalt anderen Materials auftritt. Seine 1968 erstmals veröffentlichte Erklärung hat bis heute Gültigkeit und verdeutlicht, wie Weiner die bis dahin gültige Definition des Kunstwerks veränderte: "(1) Der Künstler kann das Werk selber herstellen. (2) Das Werk kann angefertigt werden. (3) Das Werk braucht nicht ausgeführt zu werden. Jede Möglichkeit ist gleichwertig und entspricht der Absicht des Künstlers. Die Entscheidung über die Art der Ausführung liegt beim Empfänger im Moment der Übernahme". Mit der radikalen Erneuerung der traditionellen Beziehung zwischen Künstler und Betrachter verlagert Weiner die Verantwortung für die Verwirklichung des Werkes auf den Betrachter, während er zugleich die Möglichkeiten zur Verbreitung des künstlerischen Werkes erweitert. Ein Werk kann realisiert oder schlicht auf eine Museumswand geschrieben werden, es lässt sich jedoch auch in einem Buch lesen oder - wenn es laut vorgetragen wird - anhören.

Obwohl Weiners Kunst nicht ortsspezifisch ist, entsteht sie für jeden Raum neu, nimmt auf ihn Bezug, verknüpft Werk und Architektur. Bei der zweisprachigen Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim NACH ALLES / AFTER ALL bedecken Schrift und Zeichen die Galeriewände, so dass der Raum durch assoziative Sätze strukturiert wird. Die Rauminstallation wird durch ein vom Künstler gestaltetes Buch dokumentiert und ergänzt, in dem Texte und Zeichnungen den vielschichtigen Dialog zwischen Verbalem und Visuellem fortsetzen.

NACH ALLES / AFTER ALL ist eine Komposition von Texten, die sich auseinandersetzten mit der vielschichtigen Realität der Objekte und Materialien, wie sie in einem Raum nebeneinander bestehen und aufeinander einwirken. "Etwas Klares" und "etwas Dichtes" - zwei eigenständige Begriffe - werden beispielsweise in der Installation zusammengeführt, indem sie "dasselbe Licht" reflektieren. So wird ihre Verschiedenheit, gleichzeitig aber auch ihre Verwandtschaft unterstrichen.

Inspiriert wurde das Projekt vom Werk des in Berlin geborenen Naturforschers und wissenschaftlichen Entdeckers Alexander von Humboldt (1769-1859). Sein umfangreiches Klassifizierungssystem animierte Weiner, das gewöhnliche Material in seiner Umgebung neu zu erforschen, und das dazugehörige Ordnungssystem zu betrachten. Der Titel des Auftragswerks - NACH ALLES / AFTER ALL - soll auf die Akkumulation von Dingen verweisen, die jenseits (oder hinter) einer solchen Zusammenstellung von Materialien steckt, und bezieht sich nicht notwendigerweise auf die Endgültigkeit suggerierende Redewendung "after all is said and done". Im Deutschen wäre die gebräuchlichere Formulierung "Nach Allem". Doch Weiner wählt bewusst das ungewöhnlichere "Nach Alles", um subtil diese Bedeutungsnuancen hervorzuheben. Er zeigt so, dass diejenigen "Wunder" erleben können, die bereit sind, sich der Welt der Dinge zu öffnen, die jeder Ort zu jeder Zeit bieten kann.

Mit Berlin und Deutschland ist Weiner besonders verbunden: Galerie-Ausstellungen in Düsseldorf, Berlin und München in den frühen 70er Jahren, ein Stipendium des Berliner Künstlerprogramms des DAAD sowie seine Beteiligungen an der documenta in Kassel 1972 und 1982 sind wesentliche Stationen seines frühen künstlerischen Werdegangs.

Die Ausstellung wurde von Lisa Dennison, Chief Curator und stellvertretende Direktorin, und Nancy Spector, Curator of Contemporary Art des Guggenheim Museums, New York, unter der Assistenz von Joan Young kuratiert.

Für das Deutsche Guggenheim ist die enge Zusammenarbeit mit den Künstlern bei der Gestaltung von Katalog, Edition und anderen Begleitmaterialien programmatisch. Für Weiner gehören diese Bereiche unmittelbar zum Werk selbst. Unter diesen idealen Voraussetzungen entstanden eine abenteuer-taugliche, limitierte Edition sowie ein Künstlerbuch. Die zweisprachige Publikation dokumentiert das Auftragswerk umfassend in Zeichnungen, Texten und Plänen der Installation und ist zum Preis von DM 59 erhältlich.

Hinter der Edition No. 12 des Deutsche Guggenheim verbirgt sich ein von Lawrence Weiner entworfenes optisches Besteck für eigene Entdeckungsfahrten. Mit Fernglas und Lupe im leuchtend orangefarbenen Reise-Etui, läßt sich die nahe wie die ferne Umgebung neu durchmessen und erleben. In Zusammenarbeit mit der Lehrwerkstatt der Firma Carl Zeiss Deutschland entstand so das Set mit Präzisionsinstrumenten aus anodisiertem Aluminium, das exklusiv für die Edition entwickelt wurde. In einer handnummerierten und signierten Auflage von 50 Stück kann die Edition No. 12 im MuseumsShop zum Preis von DM 2.700,-- erworben werden.

In Kooperation mit Literatur Express Europa 2000 werden am Sonntag, 16.Juli 2000, von 12 bis 16 Uhr 24 Autoren in einer pausenlosen Leseperformance ihr Bild von Europa in der Textinstallation von Lawrence Weiner skizzieren. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit der literaturWERKstatt berlin und artefakt. Am 8. September wird die Oper "The Society Architect Ponders the Golden Gate Bridge oder: Wie sie kriegen, was sie nicht verdienen" von Lawrence Weiner (Libretto, Gestaltung) und Peter Gordon (Musik) in der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs uraufgeführt. Weitere Vorführungen des von Freunde Guter Musik e.V. mit dem Hebbel-Theater organisierten Opernprojekts finden am 9. und 10. September statt. Ein Vortrag von Dr. Birgit Pelzer, Ecole supérieure des arts plastiques Saint-Luc, Bruxelles, zum Thema "Sprachobjekte: die Aussagen/Skulpturen von Lawrence Weiner" am Mittwoch, dem 20.September 2000, 19 Uhr, und der Familienbrunch im Deutsche Guggenheim am 24. September 2000, 11.30 Uhr, runden das Rahmenprogramm ab.

Deutsche Guggenheim ist Partner des .Kunstherbst Berlin

Pressekonferenz: Freitag, 14. Juli 2000, 11 Uhr


Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.

Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de