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Georg Baselitz
Nostalgie in Istanbul 29. Mai - 23. Juni 1999
Im Mittelpunkt der Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit Georg Baselitz entstanden ist stehen neue Bilder aus dem Umfeld der für den Reichstag ausgewählten Gemälde mit Motiven zu Caspar David Friedrich sowie durch slawische Volkskunst angeregte Werke.
Die großformatigen Leinwände, die zum Teil erstmals gezeigt werden, treten in Korrespondenz zu Aquarellen und Zeichnungen aus der Sammlung der Deutschen Bank. Als aktuelles Beispiel des bildhauerischen Œuvres ist die Skulptur "Ding mit Asien" zu sehen.
Georg Baselitz, der heute weltweite Anerkennung genießt, wurde 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz/Sachsen geboren. 1956 nahm er das Kunststudium an der Ostberliner Kunsthochschule auf. Von dort wurde er 1957 wegen "gesellschaftlicher Unreife" verwiesen. Seine Studien setzte er jedoch im selben Jahr an der Hochschule für Bildende Künste in Westberlin fort. Dem im Dienste einer Staatsideologie stehenden Sozialistischen Realismus gerade entkommen, begegnete er nun der "Einheitssprache eines zum Design verflachten Abstrakten Expressionismus". Hier wie dort war Baselitz Außenseiter.
Obwohl er um die Autonomie einer Kunst rang, deren malerische Mittel ihren eigentlichen Gehalt ausmachen, befremdete ihn doch gleichzeitig die "nebulöse Willkür" der informellen Gegenstandslosigkeit. Nach seiner Überzeugung behindert nicht der Gegenstand als solcher die künstlerische Eigengesetzlichkeit des Kunstwerkes, wohl aber die Bedeutung, die mit dem Bildgegenstand als untrennbar verbunden erscheint.
Folglich suchte Georg Baselitz nach Ausdrucksmitteln, die nicht den Gegenstand, sondern seine Bedeutung beseitigten. Zunächst zerschnitt er malerisch und zeichnerisch seine Motive, bis er sie 1969 auf den Kopf drehte. Diesem Kunstbegriff blieb Baselitz bis heute treu.
Biographische Elemente - Personen und Landschaften - waren in seiner Malerei von Beginn an gegenwärtig. Zum dominierenden Thema werden sie aber erst in den seit 1996 entstandenen "Familienbildern". Die Aquarelle und Gemälde aus dieser Folge zeigen eine Vielzahl von Porträts, als deren Vorlage alte Photographien der Familie dienten. Als äußeren Anlass für diese "Sentimentalität" nennt Baselitz die Lektüre der Stasi-Berichte über seine Jugend in der DDR.
Die Erinnerungen des Künstlers an diese Zeit sind auch verbunden mit der Kultur der Sorben, in deren Siedlungsgebiet Deutsch-Baselitz liegt. Die Mitte 1997 entstandenen Bilder, deren Motive der slowakischen Volkskunst entnommen sind, stehen in deutlichem Bezug zu diesen frühen Begegnungen mit einer damals als "exotisch" empfundenen Nachbarschaft.
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Über die Darstellung von Tänzern mit ihren ungewöhnlichen Körperhaltungen und Baselitz' Vorliebe für türkische Volksmusik schließt sich die Assoziationskette zum Bild- und Ausstellungstitel "Nostalgie in Istanbul". Die variierten und umgedeuteten, zeichnerisch konturierten Figuren in den Werken von 1977 sind häufig von auraartigen, ovalen Farbflächen umgeben. Als auffallende Attribute leuchten dunkelrote Rosenkugeln vor dem stets weiß-grauen Malgrund.
Diese "emblemhafte" Darstellung wird in den aktuellsten Bildern der Ausstellung, die sich auf die Kunst der deutschen Romantik beziehen, noch verstärkt. Nach Motiven von Caspar David Friedrich schnitt dessen Bruder Christian die vier Holzschnitte "Die Melancholie", "Die Frau am Abgrund", "Der schlafende Knabe" und das "Selbstporträt". Baselitz hat die mittige Figur dieser kleinen Graphiken jeweils wesentlich vergrößert, von der umgebenden Landschaft isoliert und in eine leichte, transparente Malerei ohne Perspektive übertragen.
Die eigenständige Entwicklung der Kunst von Georg Baselitz über die traditionellen Formen von Komposition und Perspektive hinaus, die in den 60er Jahren mit der Isolierung, Zerteilung und Umkehrung des Bildgegenstandes begann, erreicht in der Ausstellung eine weitere Ebene: Biographisch inspiriert, verbinden sich in den Werken neue malerische Mittel mit der subjektiven Interpretation und Umformung historischer Motive zu einer neuen bildnerischen Erfahrung, zu neuer Gültigkeit.
Die exklusiv für das Deutsche Guggenheim entstandene Edition N° 7 "Schwarze Rosen", 1999, von Georg Baselitz stammt aus demselben Kontext und zeigt einen von Rosen umrankten schlafenden Knaben. In einer Auflage von 50 arabisch nummerierten und signierten Exemplaren ist das Blatt in Kaltnadel und Aquatinta auf BFK Rives Bütten für DM 2.800,-- erhältlich.
Die Ausstellung begleiten die Kataloge "Georg Baselitz - Künstler im Geschäftsjahr 1998" und "Georg Baselitz - Sammlung Deutsche Bank". Zusätzlich bietet der MuseumsShop anlässlich der Baselitz-Ausstellung 13 Multiples und Graphiken von StudentInnen der Klasse Baselitz an der Hochschule der Künste Berlin an.
Der Eintritt zur Ausstellung "Georg Baselitz - Nostalgie in Istanbul" mit Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank im Deutsche Guggenheim ist frei.
Pressekonferenz: Freitag, 28. Mai 1999, 11 Uhr
Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.
Weitere Informationen

Leitung: Svenja Gräfin von Reichenbach
Presse: Sara Bernshausen
Telefon: 030-202093-14
Fax: 030-202093-20
email: berlin.guggenheim@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de
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