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Robert Delaunay
Pariser Visionen 07. November 1997 - 04. Januar 1998
Mit der Ausstellung Pariser Visionen: Robert Delaunays Serien wird die neue Kunsthalle Deutsche Guggenheim, eine Gemeinschaftsgründung der Solomon R.Guggenheim-Stiftung und der Deutschen Bank, am 7. November in Berlin, Unter den Linden, für das Publikum geöffnet.
Die von Mark Rosenthal, Kurator für die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts am Guggenheim Museum, ausgerichtete Ausstellung widmet sich den Gemäldeserien von Delaunay. Sie zeigen Saint Séverin, den Eiffelturm und Paris aus der Sicht des Künstlers. Pariser Visionen: Robert Delaunays Serien ist die erste größere Ausstellung von Werken Delaunays in Berlin und die erste überhaupt, die ausschließlich seine Bilderserien zeigt. Die Ausstellung wird bis zum 4. Januar 1998 zu sehen sein.
Das Kunstzentrum Deutsche Guggenheim wurde von der Solomon R. Guggenheim Foundation und der Deutsche Bank gemeinsam gegründet und wird vor allem Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst veranstalten. Das Programm für die Ausstellungen des Deutsche Guggenheim wird von Mitarbeitern des Kuratoriums des Solomon R. Guggenheim Museums und den Kustoden der Deutsche Bank erstellt. Die Ausstellung erhält ihre besondere Bedeutung durch die Verbindung Delaunays zu Deutschland, insbesondere zu Berlin. Seine frühen Werke trafen in Deutschland auf größere Begeisterung als in seinem Heimatland Frankreich und haben die zur Gruppe des Blauen Reiter zählenden deutschen Expressionisten, wie Kandinsky, Franz Marc und August Macke, stark beeinflußt. So wurden in der ersten und wichtigsten Ausstellung des Blauen Reiter im Jahre 1911 in München auch Werke Delaunays gezeigt. Die erste, ausschließlich dem Werk Delaunays gewidmete Ausstellung, fand 1913 in der Berliner Galerie Der Sturm statt.
Delaunays Gemäldeserien gehören zu den größten Werken des Künstlers. Mit ihnen leistete er einen der wichtigsten Beiträge zur Entwicklung des neuen Kunstverständnisses in Paris zu Beginn dieses Jahrhunderts. Mit diesen Arbeiten schuf Delaunay eine auf die reine Abstraktion hinweisende Synthese aus den Serienbildern des Impressionismus und der formativen Sprache des Kubismus. In diesen Gemälden werden Themen früherer Werke des Künstlers aufgegriffen und weiterentwickelt.
Delaunays Entschluss, in Serie zu arbeiten, d. h. einen bestimmten Gegenstand aus unterschiedlicher Sicht darzustellen, spiegelt die Tendenz der Impressionisten wider, eine bestimmte Ansicht bzw. Darstellung eines Themas mehrere Male zu wiederholen und es dabei stets neu zu interpretieren. In diesen und auch seinen anderen Werken transformiert Delaunay die erkennbare, reale Welt zu aus ineinandergreifenden Fragmenten bestehenden Bereichen. Der Künstler selbst schrieb die Saint Séverin- und Eiffelturm-Serien seiner "destruktiven" Schaffensperiode zu, deren Werke das Auseinanderbrechen des dargestellten Gegenstands und das Wiederzusammenfügen nach den piktoralen Vorstellungen des Künstlers zum Gegenstand haben. Noch mehr als seine Zeitgenossen Pablo Picasso und George Braque, die aufgrund ihrer formalen Fragestellungen das Genre des Stillebens bevorzugten, hielt Delaunay in seinen Kompositionen an der Darstellung von Stadtbildern des pulsierenden Paris fest.
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Die Ausstellung beginnt mit Werken aus der Saint-Séverin-Serie Delaunays. Alle zu dieser Gruppe zählenden Gemälde stammen aus den Jahren 1908 - 1909. Delaunay machte den Blick auf den Wandelgang einer gotischen Kirche in Paris zum Thema seiner ersten Bilderserie. Delaunay läßt darin das durch die bleiverglasten Kirchenfenster eindringende Licht modulieren, so daß die Architektur der Kirche verzerrt wahrgenommen wird. Die gedämpften Farben dieser Werke lassen sowohl den Einfluß Cézannes als auch Aspekte der frühen kubistischen Landschaftsdarstellungen Braques erkennen.
In den zu seiner Eiffelturm-Serie zählenden Werken setzte sich Delaunay intensiver mit den Entwicklungen der kubistischen Fragmentierung auseinander. In diesen Werken stellt der Künstler den Eiffelturm und umliegende Gebäude aus unterschiedlicher Perspektive dar. Damit hatte er ein Thema gewählt, das es ihm erlaubte, seiner Neigung zu weitem Raum, Atmosphäre und Licht nachzugehen und gleichzeitig auf beeindruckende Weise Modernität und Fortschritt darzustellen sowie ein einzigartiges französisches Symbol für Erfindung und Vorwärtsstreben zu präsentieren. Viele Ansichten des Eiffelturms werden als Blick aus einem Fenster dargestellt, das durch Vorhänge eingerahmt ist. Das Bild Eiffel Tower (1910) zeigt einen Turm, der von den umliegenden Gebäuden selbst wie von einem Vorhang umschlossen wird.
Delaunays Interesse für Fenster und Ansichten aus Fenstern erreichte in seiner "Simultaneous Windows"-Serie ihren Höhepunkt. Sie wurde nach der Theorie simultaner Farbkontraste des französischen Wissenschaftlers Michel-Eugène Chevreul benannt, der damit die gleichzeitige Wahrnehmung divergierender Farben zu erklären versuchte. Delaunay meinte, diese Werke hätten seine "konstruktive Phase" eingeleitet, in der er kontrastierende und Komplementärfarben zu einer synthetischen und harmonischen Komposition neben- und übereinandersetzte. Guillaume Apollinaire, Zeitgenosse Delaunays, verfaßte zu diesen Gemälden ein Gedicht. Er prägte den Begriff des "Orphismus" als Beschreibung für das Werk Delaunays, das sich nach Ansicht Apollinaires ebensowenig wie die Musik mit Worten beschreiben ließe. Der Name stammt von dem Lyraspieler Orpheus aus der griechischen Mythologie.
Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog mit Abbildung sämtlicher Werke, der neben der Einleitung von Mark Rosenthal auch einen Aufsatz von Matthew Drutt, Associate Curator for Research des Guggenheim Museums, und eine Auswahl an Schriften Delaunays sowie Gedichten von Apollinaire, Louis Aragon, Blaise Cendrars und Vicente Huidobro enthält. Die Ausstellung wird nach ihrer Premiere in Berlin vom 16. Januar bis 20. April 1998 im Solomon R. Guggenheim Museum in New York zu sehen sein.
Fotomaterial zur Ausstellung

kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.
Ansprechpartner

Dr. Ariane Grigoteit Friedhelm Hütte Deutsche Bank
Telefon: 069 / 910 - 33112
Fax: 069 / 910 - 33118
Scott Gutterman Director of Public Affairs Guggenheim Museum
Telefon: 212 / 423 - 3813
Fax 212 / 941 - 8410
E-mail: sgutterman@guggenheim.org
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