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Ein Gigant wird erkundet


„Das sieht ja aus wie ein U-Boot.“ „Nein, wie ein rostiges Riesenei.“ „Eine Raumkapsel.“ „Ein Zeppelin.“ Ganz unterschiedliche Assoziationen entwickelten die jungen Besucher, die im Deutsche Guggenheim zum ersten Mal vor Anish Kapoors imposanter Skulptur Memory standen. Die Ambassadore des Deutsche Guggenheim Club hatten zum Kreativ-Workshop in die Ausstellungshalle Unter den Linden eingeladen. An zwei Nachmittagen waren hier Mädchen und Jungen von SOS Kinderdorf und der Stiftung Jona, die Kindern Hausaufgabenhilfe, Mittagessen und Betreuung anbietet, zu Gast Dass Kunst durchaus ein Abenteuer sein kann, zeigte sich bei der Führung. Wie bei einer Schatzsuche erkundeten die Kinder zunächst das geheimnisvolle Objekt, dem man sich aus drei verschiedenen Perspektiven nähern kann. Dazu hatte die Museumspädagogin Beate Zimmermann den Kindern einen Plan für den Rundgang um die 24 Tonnen schwere Arbeit des Turner Preisträgers in die Hand gegeben. Nachdem sie den orangefarbenen Giganten ausgiebig inspiziert hatten, konnten sie ihre Eindrücke und Fragen zu Memory mit der Kunsthistorikerin besprechen.

Die letzte Station des Rundgangs war besonders aufregend. Denn dort erlaubte ein rechteckiges Fenster in der Wand den Blick ins dunkle Innere des Kunstwerks. Die Außenhaut hingegen konnte man an diesem Standort nicht sehen. Aus dem Gedächtnis brachten die Kinder hier ihre Eindrücke von Memory zu Papier. Manche konzentrierten sich dabei auf die Form und zeichneten ein orangefarbenes Oval, andere stellten die netzförmige Struktur der äußeren Hülle dar. Nach der Lunchpause konnten die Kids dann als Nachwuchsbildhauer ihre eigenen Motive aus Tonknete formen. Besonders beliebt waren natürlich Tiere wie Vögel oder Elefanten, aber auch Herzen und sogar ein Hot Dog. Viele der Kinder ritzen in die Oberfläche ihrer Skulpturen Muster, die an die Oberfläche von Kapoors Arbeit erinnerten. Wie nach jeder Veranstaltung des Deutsche Guggenheim Club erhielten die jungen Besucher auch diesmal ein kleines Geschenk: einen Zeichenblock und Wachsmalstifte, deren Verpackung eine Zeichnung von Paul Klee schmückte – ein verspieltes Motiv, das sie sicherlich auch nach dem Besuch zu weiteren Bildern anregen dürfte.


Ein himmlisches Vergnügen


Wie klingen Engelszungen? Wie schmeckt ein Teufelsbraten? Und was sind eigentlich Schutzengel? Um Fragen wie diese drehte sich das diesjährige Kinderfest der Berliner Gemäldegalerie. Unter dem Motto „Himmel und Hölle“ bot das Museum am 12. Oktober ein abwechslungsreiches Programm. Themenführungen, Theater und Musik, Zauberei, Spiele und eine große Bastelstraße begeisterten die zahlreichen jungen Besucher. Auch der Deutsche Guggenheim Club engagierte sich und lud zwanzig Kinder aus der Stiftung Jona – einer privaten Initiative, die seit 2006 in Berlin-Staaken Hausaufgabenhilfe, Mittagessen und Betreuung anbietet – zu einem aufregenden Tag in der Gemäldegalerie ein. Begleitet von vier Ambassadoren des Clubs statteten die Jungen und Mädchen zuerst dem mit weißen Luftballons geschmückten Infostand des Deutsche Guggenheim einen Besuch ab. Dort erhielt jeder sein Namensschild und konnte sich an einem großen Glas mit Süßigkeiten bedienen. So gestärkt ging es dann auf eine spannende Exkursion durch die liebevoll dekorierte Gemäldegalerie. Die Wandelhalle war mit weißen Wattewolken und mit bunt beklebten Wänden geschmückt. Besonders spektakulär waren die großen Tore, die man dort aufgestellt hatte: eine mit schwebenden Engeln bemalte Himmelspforte und ein Höllentor, auf dem Drachen und ein violetter Teufel zu sehen waren.

Luca Giordanos Schilderung des Kampfs zwischen dem Erzengel Michael und dem Teufel beeindruckte die Kinder ganz besonders. Aufmerksam studierten sie aber auch die anderen Bilder, die ihnen Beate Zimmermann vorstellte – Caravaggios siegreichen Amor etwa oder eine Darstellung der Verkündigung. Interessiert folgten sie den Worten der Kunsthistorikerin, die sie mit den auf den verschiedenen Gemälden dargestellten Geschichten vertraut machte. Auf ihrem Weg durch das Museum begegneten den Mädchen und Jungen immer wieder Mitarbeitern des Hauses, die sich für das gut besuchte Fest als Engel oder Teufel verkleidet hatten. Nach einem Lunch wurden die Kinder dann selbst aktiv. Unter Anleitung konnten sie Engelsfiguren, Häuser oder Papiertröten basteln und Bilder malen. Inspiriert von den Gemälden, die sie während der Führung gesehen hatten – aber natürlich auch von dem zu dieser Jahreszeit beliebten Halloweenfest – zählten dabei Teufelchen, Fledermäuse und Vampire zu den bevorzugten Motiven. Als sie zum Schluss dann auch noch ein Zauberer mit seinen Tricks verblüffte, war das für die jungen Besucher der tolle Abschluss eines ebenso lehrreichen wie spannenden Tags in der Gemäldegalerie.


Kunstexpedition am Potsdamer Platz


Zuerst zu den Wippen! Als die 20 Mädchen und Jungen am Tilla-Durieux-Park aus dem Bus steigen, haben sie die riesigen Metallrohre sofort im Visier. Die 21 Meter langen Wippen werden einem Praxistest unterzogen, den sie zum großen Vergnügen der Kids auch bestens bestehen. Dass Kunst nicht weniger spannend sein kann, erleben die Kinder gleich im Anschluss. Denn die Ambassadore des Deutsche Guggenheim Club haben sie zu einer Kunstexpedition rund um den Potsdamer Platz eingeladen. Kunst statt Schaufenster: Unter der Leitung von Beate Zimmermann lernen die Kinder sechs Skulpturen zeitgenössischer Künstler kennen – von Nam June Paiks Nam Sat mit ihren bunten, herzförmigen Neonröhren bis zu Jeff Koons spiegelglatter Balloon Flower.

Erste Station der Entdeckungstour ist eine Arbeit, die nur den wenigsten Passanten auffällt. „Die sieht ja aus wie ein Flugroboter“, ruft eines der Kinder als die Kunsthistorikerin auf das Dach des Hochhauses weist, wo Auke de Vries’ Metallskulptur Gelandet ihrem Namen alle Ehre macht. Nächste Station ist Jean Tinguelys große, aus Metallschrott gefertigte Assemblage Méta-Maxi im DaimlerAtrium. "Etwas Lustiges will ich schaffen, etwas für die Kinder“, sagte der Franzose über seine Méta-Maxi-Skulpturen. Und das ist Tinguely gelungen. Vor allem die Jungen begeistern sich für seine wilde Konstruktion. Danach geht es um die Ecke zu dem künstliche See, in dem Mark di Suveros 14 Meter hoher, stählerner Galileo steht. Auf großes Interesse stoßen natürlich auch die Fische, die sich hier im Wasser tummeln.

Nach so viel Kunst steht jetzt erst einmal eine Pause auf dem Programm. Die mitgebrachten Lunchtüten dürfen freundlicherweise auf den Außenbänken des Café Wellness Food Weiland geleert werden. Jetzt können die Mädchen und Jungen auch selbst kreativ werden: Es gilt, die di Suvero-Skulptur nachzuzeichnen. Das ist gar nicht so einfach. Trotzdem sind die Kinder mit großem Spaß bei der Sache und präsentieren stolz ihre Werke. Robert Rauschenbergs The Riding Bikes ist dann das letzte Kunstwerk, das Beate Zimmermann der Gruppe altersgerecht nahe bringt. Hier verteilen auch die Ambassadore des Deutsche Guggenheim Club noch ein paar kleine Geschenke, bevor die Kinder sich wieder verabschieden – nach einem erlebnisreichen Nachmittag voll neuer, aufregender Eindrücke.

Der Deutsche Guggenheim Club organisierte Stadtspaziergänge für Kinder aus sozialen Einrichtungen. Die hier Beschriebenen fanden am 08. August 2008 mit Kindern der Stiftung Jona aus Staaken und am 27. August 2008 mit Kindern des SOS-Kinderdorfs Berlin-Moabit statt.


Kunst für Kinder: Stiftung Jona zu Gast bei True North


„Guck mal, eine Seerobbe. Genau wie auf dem Foto.“ Eifrig blättern die Kinder in ihren Was ist Was-Büchern über die Polargebiete und erkennen die Tiere wieder, die ihnen kurz zuvor in der Ausstellung True North begegnet sind. Für die Gruppe sechs bis zwölfjähriger Mädchen und Jungen ist es ein ereignisreicher Tag. Am 15. Februar lud der Deutsche Guggenheim Ambassador Club erstmals Kinder ins Haus Unter den Linden ein, um ihnen die ausgestellten Werke vorzustellen und zu erläutern.
Diese Veranstaltung bildete im Februar den Auftakt zum neuen Engagement des Deutsche Guggenheim Club, das Kindern verschiedener sozialer Einrichtungen den Zugang zur Kunst ermöglichen möchte. Eine Premiere auf beiden Seiten: Für viele der jungen Teilnehmer ist es der erste Besuch in einem Museum überhaupt. Sie kommen aus der „Stiftung Jona“ in Staaken, die 2006 aus privater Initiative gegründet wurde und dort täglich Hausaufgabenhilfe, Mittagessen und Betreuung anbietet.
Der Ausflug ins Deutsche Guggenheim bringt Aufregung in die Gruppe, die bereits morgens mit einem Bus abgeholt und in die Mitte Berlins gefahren wurde. Bei der mit Spannung verfolgten Führung durch True North haben es die Tiere, die auf einigen der Arbeiten zu sehen sind, den Kindern besonders angetan: ob die Seerobbe auf der Fotografie von Roni Horn oder der Kojote in Orit Raffs Video – fasziniert folgen sie den Ausführungen der Kunsthistorikerin Beate Zimmermann. Dass Kunst, wenn sie altersgerecht vermittelt wird, auch für Kinder spannend ist, zeigen die vielen Fragen, die die jungen Besucher stellen. Nach einer Lunchpause werden sie auch selbst kreativ. Individuell von den engagierten „Botschaftern der Kunst“ des Deutsche Guggenheim Club betreut, können sie ihre eigenen Bilder vom hohen Norden malen, die sie dann an einer großen Pinwand der gesamten Gruppe präsentieren. Als sie am Ende noch mit dem Buchgeschenk überrascht werden, ist die Begeisterung groß. Von seinem ersten Museumsbesuch zeigt sich einer der jungen Gäste jedenfalls sehr beeindruckt: "Es war so schön, dass es gar nicht mehr schöner geht."





Unter den Linden 13/15
10117 Berlin
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Foto: Mathias Schormann © Deutsche Guggenheim