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Meet the Member of the Deutsche Guggenheim Club: Yvonne Borrmann Lange pendelte Yvonne Borrmann zwischen Argentinien und Deutschland. Seit sieben Jahren lebt sie jetzt mit ihrer Familie in Berlin. Die Fernsehjournalistin begeistert sich gleichermaßen für das Theater wie für die bildende Kunst und engagiert sich deshalb für zwei Institutionen die sie ganz besonders schätzt: die Schaubühne und das Deutsche Guggenheim. ![]() Foto: David Oliveira Als Journalistin beschäftigen Sie sich häufig auch mit dem Thema Kunst. Yvonne Borrmann: Ich arbeite als Fernsehjournalistin. Weil ich zweisprachig aufgewachsen bin und immer zwischen Südamerika und Deutschland gependelt bin, hatte ich den Komplex, dass ich nicht gut genug auf Deutsch schreiben könne und bin deswegen statt zum Print zum Fernsehen gegangen. Seit sieben Jahren leben wir jetzt in Berlin und hier realisiere ich freiberuflich Dokumentarfilme. Mein letztes Projekt handelt von Künstlern in Berlin. Für das German Information Center habe ich vor kurzem zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls einen Film über junge Künstler fertig gestellt – nicht nur Maler oder Bildhauer, sondern auch Theaterleute und Musiker, die im wiedervereinigten Berlin aufgewachsen sind. Da ich aber jetzt mein drittes Kind erwarte, arbeite ich gerade nicht mehr so viel. Neben der Kunst begeistern Sie sich also auch fürs Theater. YB: Ja, ich engagiere mich ehrenamtlich im Vorstand des Freundeskreises der Schaubühne. Das Gremium wollte sich etwas verjüngen und suchte neue Mitglieder. Meine Tante Ruth Walz hat jahrelang als Theaterfotografin an der Schaubühne gearbeitet, daher habe ich auch die Stücke mit Bruno Ganz gesehen. Das war mein ganz privater Bezug zu Berlin und zu diesem Theater. Schon als Kind war ich ständig in der Schaubühne als dort Peter Steins legendäre Inszenierung der Drei Schwestern lief. Zu Beginn stand ich der Schaubühne unter Thomas Ostermeier durchaus reserviert gegenüber. Doch dann dachte ich, dass es einfach sehr wichtig ist, gerade junge Leute für zeitgenössisches Theater zu interessieren. Es ist, wie auch die zeitgenössische Kunst, eine intellektuelle Herausforderung. Gerade in Zeiten des Internets, in denen alle nur noch zählen, wie viele Freunde sie bei Facebook haben und kaum noch die Geduld aufbringen, ein ganzes Buch zu lesen, ist es sehr wichtig, sich auch einmal auf eine Sache zu konzentrieren. Ein Stück in der Schaubühne fordert genau das – sich für zwei, drei Stunden zu konzentrieren. So lange auf meinem Stuhl zu sitzen, empfinde auch ich manchmal als ein bisschen quälend. (Lachen) Aber natürlich muss einen das Stück letztendlich persönlich berühren, das ist mein Anspruch an jede Form von Theater – und auch an die bildende Kunst. Es muss einen vom Hocker hauen. Wie hat sich Ihr Interesse an der Kunst denn entwickelt? YB: Ich habe mich immer für Kultur interessiert. Vielleicht auch, weil wir oft umgezogen sind – dann hatte man trotzdem überall ein Zuhause. Meine Mutter ist mit uns in jeder neuen Stadt zuerst in die Museen gegangen. Aber auch über meine Freunde wurde ich an die Kunst herangeführt, einige von ihnen sind selbst Künstler. Meine beste Freundin, die zwischen Berlin und San Francisco pendelt und viel von Kunst versteht, hat mich schon vor Jahren zur Art Basel mitgenommen. Ein grundsätzliches Interesse war bei mir immer vorhanden. Und gerade weil mein Mann beruflich etwas ganz anderes macht als ich – er hat eine Venture Capital Firma – ist das natürlich auch eine Sache, die für ein Paar sehr schön ist: Atelierbesuche, Treffen mit den Künstlern, auf Messen fahren oder mit Gleichgesinnten diskutieren, das ist, ganz banal gesagt, zu zweit natürlich sehr nett. Es macht mehr Spaß, sich am Ende des Tages über solche Themen zu unterhalten, als nur über Alltag, Kinder und Beruf. Da muss es noch etwas geben, das etwas erhabener ist. Sie sammeln selber Kunst. Welche Positionen interessieren Sie denn persönlich? YB: Sammeln würde ich das nicht nennen. Ich hasse es eigentlich, wenn man auf Gallery-Weekends gefragt wird, ‚Sind Sie Künstler oder Sammler?’ Ich bin nichts von beidem. Wir sammeln nicht, wir kaufen ganz sporadisch, ganz nach Bauchgefühl. Der Schwerpunkt liegt definitiv auf konzeptuellen Arbeiten und Fotografie. Dann spielt natürlich auch der persönliche Kontakt zum Künstler eine große Rolle, dass man seine Arbeitsweise oder seine Herangehensweise sehr schätzt, sich für die Arbeit begeistert und dann irgendwann etwas kauft. Von den Arbeiten, die wir haben, kennen wir viele Künstler persönlich. Das ist in jedem Fall ein wichtiger Zugang. Aber als Sammlerin verstehe ich mich eigentlich nicht. Im Augenblick steckt die Wirtschaft ja in einer Krise und mit ihr auch die Kunst. Amerikanischen Museen, die von privaten Mäzenen abhängig sind, geht das Geld aus. Es wird eine Debatte darüber geführt, dass Kunst wieder tiefgründiger werden muss – weg von hedonistischen Society-Events hin zu den Inhalten. Glauben Sie, dass sich die Einstellung zu Kunst gerade ändert? YB: In den letzten Jahren hat sich im Kunstbereich definitiv sehr viel verändert. Auf so einen Zug springen natürlich viele auf. Was ich persönlich ganz schrecklich finde, ist dieses Kunstjüngertum. Kunst hat mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert bekommen und auch die breite Öffentlichkeit interessiert sich für dieses Thema, was ich per se sehr gut finde. Daran wird auch die Wirtschaftkrise nichts ändern. Etwas bösartig gesagt ist das, was in den achtziger Jahren Tennisspielen oder Golf war, jetzt die Kunst – etwas, wobei man einfach mitmachen muss. Aber zugleich ist es doch auch toll, wenn sich die Leute dafür begeistern. Die hedonistischen Aspekte werden sich ändern – schlicht deshalb, weil inzwischen das Geld fehlt. Es wird nicht mehr in der Form gefeiert wie in den letzten Jahren, das war ein Tanz auf dem Vulkan. Viele meinen ja, es wird qualitativ besser. Das beobachte ich auch. Andererseits würde ich aber nie sagen: Wie gut, dass die Krise kommt, jetzt wird alles besser. Auch in den letzten Jahren ist gute Kunst entstanden – aber das muss man immer ganz persönlich für sich selbst entscheiden. Sie glauben aber, dass das Interesse an der Kunst bestehen bleibt. YB: Auf jeden Fall. Kunst hat in den letzten zwanzig, dreißig Jahren einfach solch eine große Bedeutung erlangt. Dass Museen diese immensen Besucherzahlen haben oder dass private Sammlungen öffentlich zugänglich gemacht werden, dass Menschen in den Bunker von Christian Boros gehen, um sich dort seine Kunst anzuschauen, das wird bleiben. Das breite Interesse vor allem an zeitgenössischen Positionen wird nicht abnehmen. Dazu hat sich die ganze Kunstlandschaft zu stark verändert: Die Sammlungen haben einen museumsartigen Charakter bekommen und umgekehrt haben die Museen einen Sammlungscharakter – in Berlin oder etwa in München, wie man es gerade mit dem Museum Brandhorst beobachten kann. Dadurch, dass Privatsammlungen öffentlich werden, ist sehr viel in Bewegung geraten. Das zwingt die Museen, ihre Aufgaben zu überdenken, sich abzugrenzen oder zu verbünden, je nachdem wie sie sich positionieren möchten. Wie sehen Sie denn die Rolle des Deutsche Guggenheim in der Berliner Museumslandschaft? YB: Weil das Deutsche Guggenheim so ganz anders ist als das Guggenheim in New York, erscheint es mir wie ein „Zwischending“. Das ist etwas, was wir hier in Berlin wirklich brauchen – deshalb bin ich ja auch im Deutsche Guggenheim Club. Es bietet kleine, feine Ausstellungen. Dadurch, dass der Raum verglichen mit New York so winzig ist, hat es, was die Ausstellungen anbetrifft, eine ganz spezielle, fast kammerspielartige Atmosphäre. Gleichzeitig ist das Deutsche Guggenheim sehr stark mit seinem Publikum in Kontakt – etwa durch die Lectures oder das Kinderprogramm. Meine älteste Tochter ist jetzt fünf und wir fangen an, mit ihr zu den Kinderveranstaltungen zu gehen. Ich finde dieses amerikanische System sehr gut – auch das soziale Engagement für Kinder. Das hat hier gefehlt und deshalb spielt das Deutsche Guggenheim eine wichtige Rolle in dieser Stadt. Welche Ausstellungen haben Ihnen denn besonders gut gefallen? YB: Spontan fällt mir The Vanity of Allegory ein, die von Douglas Gordon kuratierte Gruppenausstellung. Sehr toll, sehr intelligent gemacht. Ich kannte seine Arbeit schon vorher, aber die Art, wie Gordon die Schau konzipiert hat, eröffnete mir noch einmal einen neuen Zugang zu ihm als Künstler. Und dann, apropos Theater, natürlich William Kentridges Black Box/ Chambre Noire. Und Anish Kapoors Memory – auch deswegen, weil wir ihn vorher mit dem Club in seinem Londoner Studio besucht haben. Es ist einfach immer beeindruckend, einen Künstler zu erleben, wenn er über seine Arbeit redet, was Kapoor auf eine ganz bescheidene und wunderbare Art gemacht hat. Wenn man danach die Ausstellung sieht, hat man einen völlig anderen Bezug dazu. Ich finde es immer ganz wunderbar – und deshalb gefällt mir fast jede Ausstellung im Deutsche Guggenheim sehr gut – wie sich dieser Raum immerzu verändert und wie intelligent das Ausstellungsprogramm umgesetzt wird. Was ist für Sie neben den Begegnungen mit den Künstlern, das wichtigste am Deutsche Guggenheim Club? YB: An den Reisen können wir leider oft aus zeitlichen Gründen nicht teilnehmen. Wir haben aber die letzte Biennale in Venedig mit dem Club besucht. Das war auch deshalb sehr toll, weil das in einem kleinen Kreis stattfand. Das finde ich sehr wichtig: Meet the member – man möchte ja auch die anderen Leute kennen lernen, sich mit ihnen austauschen. Eigentlich bin ich dabei, weil man auf diese Weise auch die Institution unterstützt, sei es die Schaubühne oder das Deutsche Guggenheim. Nicht unbedingt deshalb, weil man selber davon profitiert und die Künstler kennen lernt. Der Motor ist vielmehr zu sagen: das, was die machen, finde ich gut und das möchte ich unterstützen. « zurück zur Übersicht |
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