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Meet the Member of the Deutsche Guggenheim Club: Thomas Andrae Thomas Andrae ist Galerist, Sammler und ein Deutsche Guggenheim Club Mitglied der ersten Stunde. Im Interview erinnert er sich an eine ebenso persönliche wie komische Begegnung mit einem der wohl bekanntesten Künstler der Welt: Bill Viola
Foto: David Oliveira Welche Rolle spielt Kunst in Ihrem Leben? Eine ziemlich große. Für mich war Kunst immer eine große Motivation, mich weiter zu entwickeln und neue Bereiche zu erkunden. Das erste Bild, das ich mir als 19-jähriger kaufte, hieß American Express und war eine Arbeit des amerikanischen Malers Raymond Hains. Der Titel des Bildes ist doppeldeutig, denn es zeigt ein AMEX-Logo, das optisch so verzerrt ist, als ob es tatsächlich wie ein Expresszug am Auge vorbeirast. Es verdeutlicht die Wirkung von Logos und Marken, die wir trotz der Geschwindigkeit und Bewegung in unserem Leben aufnehmen und verstehen. Ich war begeistert von diesem Bild. Immer, wenn ich daran vorbei ging, habe ich wieder etwas Neues erkannt und etwas mitgenommen. Hat Sie dieser Bezug zur Wirtschaft besonders fasziniert? Ja, aber zugleich auch der kulturelle Hintergrund. Ich bin in Berlin groß geworden und habe dann in Amerika studiert und dort einige Zeit gelebt. Ich stamme aus einer alten Kaufmannsfamilie. Ich bin also sozusagen von Natur aus Händler und wollte zugleich immer etwas im Bereich Kunst machen. Ich habe zunächst Informatik und BWL studiert und bin dann über das Sammeln, mit dem ich vor über 20 Jahren begonnen habe, auch hauptberuflich zur Kunst gekommen. Vor ungefähr fünf Jahren begann ich am Konzept meiner Galerie Cream zu arbeiten, die dann vor drei Jahren eröffnete und jetzt seit zwei Jahren in Mitte beheimatet ist. Zur programmatischen Ausrichtung gehört der Fokus auf Künstler aus Ostdeutschland, die zum Beispiel an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, in Dresden oder an der Burg Giebichenstein in Halle studiert haben. Das Programm ist ganz klar zeitgenössisch ausgerichtet, primär werden junge Positionen präsentiert. Wie kam es zu dieser Konzentration auf junge ostdeutsche Malerei? Das liegt auch daran, dass mein Cousin Mitte der neunziger Jahre an der HGB in Leipzig studiert hat. Ich bin einfach mal mitgegangen und mit ihm durch die Ateliers gestreift: Dort habe ich schon sehr früh Künstler wie Neo Rauch oder eben die Vertreter der sogenannten „Neuen Leipziger Schule“ noch vor dem großen Boom kennen gelernt. Natürlich auch Judy Lybke und die ganze Entourage um ihn herum. Das war völlig unprätentiös, locker und lustig. Man hat tolle Dinge erlebt. Dann habe ich die erste Ausstellung von Neo gesehen, 1997 im Museum der bildenden Künste Leipzig. Damals habe ich auch meine erste Arbeit von ihm gekauft und ihn dann konsequent weiter gesammelt, weil mich diese Bildwelt so fasziniert hat. Und schließlich folgte der berufliche Schritt von der Finanzwelt zur Kunstwelt. Sagen wir mal lieber, aus dieser doch sehr digitalen Welt heraus, wo es zumeist nur ‚0’ und ‚1’, ‚ja’ oder ‚nein’ gibt, hinein in die Kunstwelt – in der ich erlebt habe, dass es eben auch Dinge zwischen ‚0’ und ‚1’ gibt. Und wo man diese große, tiefe Definition von Dingen findet, die viel komplexer sind, als das, was wir alltäglich sehen und erfahren. Die Kunst ist für mich eine ganz andere Herausforderung. Es macht mir wahnsinnig viel Spaß, diese emotionalen Güter, die Kunst zu positionieren und am Schluss zu verkaufen. Seien wir mal ehrlich, es kommt letztendlich auch darauf an, dass die Künstler davon leben und ihre Miete und ihr Atelier bezahlen können. Sie sind also ein Hybrid aus Sammler und Galerist. Ja, das stimmt. Und ich sammele auch weiter, weil es eben auch ein wesentlicher Teil der Passion ist, aber die ganz klare Konzentration ist die Galerie. Ich muss natürlich aufpassen, wenn ich jetzt von einem unserer Künstler eine tolle Arbeit sehe und dann denke, „ah, die muss ich unbedingt haben …“ Reden wir über den Deutsche Guggenheim Club. Wann sind Sie eingetreten? Ich glaube, ich war wirklich einer der Allerersten. Meine Mitgliedsnummer ist einstellig. Ich bin gut bekannt mit Svenja Gräfin von Reichenbach, die gerade ihre Stelle als Leiterin des Deutsche Guggenheim angetreten hatte. Wir haben uns häufiger getroffen und darüber ausgetauscht, ob bestimmte Ideen hinsichtlich des Clubs Sinn machen, ob sie ökonomisch, praktikabel sind, wie sie von den Mitgliedern angenommen werden. So bin ich dazugekommen. Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe des Clubs? Eine der wichtigsten Aufgaben des Clubs ist, besonders die Menschen, die über die Deutsche Bank kommen, näher zur Kunst zu bringen. Die Deutsche Bank hat ja eine globale Sammlung, die überall in Bankgebäuden präsent ist. Sie erfüllt dabei auch eine Art Trichterfunktion, indem sie das Interesse für Kunst weckt und es dann durch Angebote wie den Deutsche Guggenheim Club noch stärker kanalisiert. Es geht darum, durch die Arbeit des Freundeskreises besser zu verstehen, was Kunst wirklich ausmacht. Dazu gehören ja auch die persönlichen Begegnungen mit den Künstlern. Ja, ich war auch fast immer bei den Voreröffnungen dabei, um die Künstler kennen zu lernen. Es gibt da eine sehr schöne Geschichte zu Bill Viola: Mitte der Neunziger arbeitete ich in der Nähe des Checkpoint Charlie für das Philip-Johnson-Haus, den großartigen Komplex, der an der Friedrichstrasse gebaut wurde. Ich habe direkt für Ronald Lauder gearbeitet. Er war einer der großen Investoren für dieses Projekt. Ich war für das gesamte technische Marketing und den Vertrieb verantwortlich. Das war zu einem Zeitpunkt, als ich noch nicht so mit dem Kunstbereich vertraut war. Eines Tages kam Ronald Lauder mit jemandem im Schlepptau vorbei, der aussah wie sein Chefhausmeister oder Techniker. Der Mann hatte einen Bart und trug blaue Latzhosen. Er wirkte wie jemand, der mal gucken wollte, was da so auf der Baustelle passiert. Ich ging also mit ihm los und führte ihn durch das ganze Gebäude. Er interessierte sich sehr für die Perspektiven in dem Bau und wollte wissen, wo die Fahrstuhlschächte sind und wie man sich durch das Haus bewegt. Dabei sprach er dauernd von Video. Ich wusste aber nicht, was er vorhatte und er hat mir das auch nicht erzählt. Fiel nicht irgendwann der Groschen, dass er Künstler ist? Nein. Wir verbrachten den gesamten Tag zusammen, gingen abends essen und tauschten zum Abschluss die Visitenkarten aus. Seine Karte habe ich heute noch. Darauf stand etwas wie: „Bill Viola, VIDEO, Sunset Boulevard…, Los Angeles, Kalifornien“. Ein Jahr später, als ich mich bereits viel intensiver mit Kunst beschäftigte, ging ich in eine Ausstellung im Hamburger Bahnhof. Ich sah dort einen Wasserhahn in der Wand, aus dem alle paar Minuten ein Tropfen mit einem großen „Bang!“ auf ein Tamburin fiel. Das Geräusch wurde elektronisch verstärkt und gleichzeitig wurde der zitternde Wassertropfen, der sich langsam aus dem Hahn löste, auf Video gefilmt und als Vergrößerung live projiziert. Ich war von der künstlerischen Qualität dieser Kombination beeindruckt und entdeckte auf dem Wandschild, um welchen Künstler es sich handelte: Bill Viola! Ich habe ihn dann später bei der Eröffnung zu seiner wunderschönen Auftragsarbeit Going Forth By Day im Deutsche Guggenheim wieder getroffen. Er hat mir ein lustiges Bild in den Katalog gemalt und wie er mir sagte, sich damals sehr gefreut, dass ich so locker mit ihm umgegangen bin. « zurück zur Übersicht |
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