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Miwa Yanagi - Sammlung Deutsche Bank

Worin liegt das Glück, Großmutter zu sein? Mit einem jungen Mann auf dem Motorrad über die Golden Gate Bridge San Franciscos zu rasen. Als Präsidentin eines Vergnügungsparks mit Walt Disney zu konkurrieren. Auf Gräbern zu stolziern. Mit einer Schar von Kindern durch eine Schneelandschaft zu gehen. Mit der Freundin nach einer Hausparty herumzualbern. Den Enkeln zu erzählen, dass Prostitution früher verboten war. Sie sehen alt aus und benehmen sich wie junge Leute: Miwa Yanagis „Großmütter“. Die gleichnamige Fotoserie und die Reihe Elevator Girls stehen im Mittelpunkt der ersten musealen Einzelausstellung der japanischen Künstlerin in Deutschland. Vom 31. Januar bis 28. März 2004 stellt das Deutsche Guggenheim in Berlin das Werk der 1967 in Kobe geborenen Miwa Yanagi vor. Die Schau setzt die Reihe der Präsentationen mit Arbeiten aus der eigenen Sammlung der Deutschen Bank mit 21 teilweise großformatigen Fotografien in einem speziell von der Künstlerin entworfenen Ausstellungsdesign fort. Die Auswahl der Arbeiten reicht von frühen Beispielen aus dem Jahr 1994 bis zu drei neuen, erst Anfang dieses Jahres fertiggestellten Fotografien.



Eternal City 1, 1998
Photographie , 180 x 360 cm
© Sammlung Deutsche Bank


Miwa Yanagis Oeuvre basiert auf der Wirklichkeit und Beobachtung der japanischen Gesellschaft. Frauen, Erscheinungsbilder und Etiketten stehen im Zentrum ihrer Werke. Sie handeln von Uniformen oder Verkleidungen, von Gruppen und Zugehörigkeiten – und der Befreiung davon. Yanagi konzentriert sich auf die Lebens- und Denkweisen von Frauen und geht in ihren Recherche-Projekten und Inszenierungen deren Träumen, Wunschbildern und Erinnerungen nach. Als künstlerisches Medium setzt sie die computergestützte oder synthetische Fotografie ein. Es handelt sich um Bildsynthesen aus fotografischen Aufnahmen realer Personen mit Digital-Kamera und computergenerierten, weiterverarbeiteten Bildbestandteilen zu täuschend realen Kompositionen.


Die Serie My Grandmothers zeigt Bilder von durch Bearbeitung am Computer und per Schminkkunst gealterten Menschen, die ihren Lebenstraum szenisch darstellen. Faszinierend lesen sich die unterschiedlichen Statements neben diesen Fotografien. Es sind leidenschaftliche Plädoyers, Zukunftsvisionen einer Welt in fünfzig bis sechzig Jahren, denn Yanagi hat junge Menschen nach ihrer ganz persönlichen Vorstellung über ein im Alter erfülltes Leben befragt. Freundinnen, Bekannte oder über das Internet gefundene Akteure und auch die Künstlerin selbst erscheinen in diesen Porträts.



Yoko & Regine, 2001
Photographie , 128,5 x 160cm
© Sammlung Deutsche Bank


Die zuvor entstandene Reihe Elevator Girls zeigt identisch gekleidete, weibliche Modelle, meist in Gruppen in einer halbfiktiven, urbanen Architektur posierend, deren Anonymität und Austauschbarkeit derjenigen der Darstellerinnen entspricht. Die Fotos dieser Serie, so Miwa Yanagi, handeln „ebenso von mir wie von anderen Japanerinnen. Nach dem Universitätsabschluss habe ich als Lehrerin gearbeitet und in dieser Zeit die Serie angefangen. Damals hatte ich das starke Gefühl, ich würde nur eine Rolle in einer standardisierten Gesellschaft spielen. Ich ging einer bestimmten Arbeit in einer bestimmten Umgebung nach. Ich arbeitete nicht tatsächlich als Aufzugsmädchen, aber es kam mir so vor. Sie waren für mich ein Symbol. Sie stellten mich und meine Situation dar.“



Ayumi, 2001
C-Print auf Plexiglas , 58,3 x 100 cm
© Sammlung Deutsche Bank


Ebenso wie Miwa Yanagi in den Elevator Girls die Anonymität und Entfremdung zu alptraumartigen Szenen kristallisiert, lässt sie in der My Grandmothers-Serie Wunschträume zumindest optisch zur Realität werden. So ermöglicht sie uns den Blick in die Zukunft, damit das Heute an Sinn gewinnt.