>> Einführung / Utopia Matters
>> Programm / Führung
>> Education
>> Edition / No 50
>> Info / Wann und Wo
>> Presse / Aktuell


>> Vorschau
>> Archiv




Die Errichtung einer utopischen Gesellschaft ist ein Urtraum der Menschheit, dessen Erfüllung stets am Paradox seiner totalitären Grundsätze gescheitert ist. Westliche Denker haben entweder versucht, die Utopie auf praktisch durchführbare Prinzipien zu gründen, oder jegliche derartige Möglichkeit von vornherein ausgeschlossen. Alle Bemühungen des Staats, reale Utopien durchzusetzen, erstickten unter der Last der Gesetze, die zur Aufrechterhaltung einer angeblich perfekten Welt nötig sind. Dessen ungeachtet bleibt die Idee der Utopie ein elementarer Bestandteil unserer Kultur.



El Lissitzky
Untitled, ca 1919-20
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Die Utopie dient seit Langem als Gegenstand künstlerischer Untersuchungen und als Modell für Künstlergemeinschaften, in denen soziale Ideale oft leichter realisierbar waren als in der breiten Gesellschaft. Obwohl ihnen zumeist kein langes Leben beschieden war, lösten diese Kollektive Phasen intensiver geistiger Kreativität aus. Sie reichen von den Bruderschaften des 19. Jahrhunderts, die sich am Vorbild der mittelalterlichen Zünfte orientierten, bis zu den ländlichen Künstlerkolonien des Fin de Siècle, die einen Ausweg aus den Bedrängnissen des Stadtlebens boten. Die Avantgarden nach dem Ersten Weltkrieg suchten Wahrheit und Harmonie in reinen, abstrakten Formen und hofften auf eine Erneuerung der Gesellschaft durch Kunst und Kunsthandwerk.



Edward Burne-Jones
Elaine, 1870

Utopia Matters führt anhand von neun Kunstströmungen – Les Primitifs, Nazarener, Präraffaeliten, William Morris und Arts and Crafts, Cornish Art Colony, Neoimpressionismus, De Stijl, Bauhaus und Konstruktivismus – facettenreich den utopischen Geist in einer Zeitspanne von 130 Jahren vor. Gruppierungen und Avantgarden, die idealistische Ziele und kollektive Lebensformen anstrebten, treten über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg in einen offenen Dialog. Der historische Überblick endet in den frühen 1930er-Jahren, als das Bauhaus in Berlin von den Nationalsozialisten geschlossen wurde und der Konstruktivismus in der Sowjetunion unter dem Druck des Stalinismus eine neue Richtung nahm.

Interventionen zeitgenössischer Künstler sind Teil des Ausstellungskonzepts: Banner von Luca Buvoli und eine neue Version des Onlineprojekts RMB City von Cao Fei bestätigen, dass die Utopie auch heute noch kreative Geister beschäftigt.

Vivien Greene, Kuratorin für Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts des Solomon R. Guggenheim Museum, New York