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Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim    
13. Mai bis 10. August 2006    

Hilla von Rebays Ruf als Mäzenin der gegenstandslosen Kunst, als Beraterin von Solomon R. Guggenheim und als Gründungsdirektorin des Guggenheim Museums hat ihre Errungenschaften als Malerin überschattet. Dessen ungeachtet lassen ihre Werke die minutiös ausgeführt und dennoch experimentierfreudig sind, keinen Zweifel daran, dass wir hier eine Künstlerin mit einer unverwechselbaren, ungewöhnlich freien Bildsprache vor uns haben. Rebay (1890-1967) schuf während ihrer langen künstlerischen Laufbahn eine große Zahl gegenstandsloser und figürlicher Werke, in denen ihr Drang nach geistiger Erfüllung und sozialem Fortschritt zum Ausdruck kommt: Selbstporträts und Bildnisse von Freunden und Kollegen; Zeichnungen von Schauspielern und Tänzern dokumentieren ihre Tendenz zur Formreduktion, ebenfalls ihre expressiven gegenstandslosen und figürlichen Collagen und ihre großformatigen gegenstandslosen Gemälde, die den unendlichen Möglichkeiten der reinen Farbe, Linie und Raumdimension innerhalb eines geistigen Kosmos nachspüren. Aus Rebays gegenständlichen wie ungegenständlichen Werken spricht der Geist einer unermüdlichen Künstlerin, sowie eine Intensität von Gefühl und eine grenzenlose Leidenschaft für Kunst und Leben.



Hilla von Rebay in ihrem Atelier Kurfürstendamm 136
Berlin, um 1913
© The Hilla von Rebay Foundation


In Straßburg als Tochter eines preußischen Offiziers geboren, nutzte sie ihre Begabungen, um über die übliche künstlerische Beschäftigung als „höhere Tochter“ hinaus eine fundierte akademische Ausbildung in der Malerei zu erreichen. Sie studierte Kunst und stellte ihre Werke in Köln, Paris, München und Berlin aus. Ebenso ausgeprägt war ihr Interesse für die Theosophie und verschiedene religiöse und spirituelle Ideen.

Auf Anregung ihrer Künstlerkollegen Hans Richter und (Jean) Hans Arp begann Rebay in den 1910er und 1920er Jahren mit radikaleren Malweisen zu experimentieren. Arp schenkte Rebay ein Exemplar von Wassily Kandinskys Aufsatz Über das Geistige in der Kunst (herausgegeben 1911) und den Almanach Der Blaue Reiter (1912). Arps Reliefs, Collagen und Papiers déchirés regten Rebay dazu an, ihre eigenen, unverkennbaren Klebebilder zu entwickeln, die sie selbst als Paper Plastics bezeichnete, und den Sprung ins Reich der abstrakten und gegenstandslosen Malerei zu wagen. Arp ermunterte sie, freier mit der Linie umzugehen und mit allen Formen der Collage und Druckkunst zu experimentieren. Arp brachte sie auch in Kontakt mit der Züricher DADA-Bewegung und mit Herwarth Walden, dem Gründer des einflussreichen Journals Der Sturm und der gleichnamigen Galerie in Berlin. Rebay wurde ein aktives Mitglied der europäischen Avantgarde. Sie beteiligte sich an mehreren Gruppenausstellungen und entwarf 1919 einen Holzschnitt für den Umschlag der Februar-Ausgabe von der Zeitschrift Der Sturm. In der Galerie Der Sturm traf Rebay den Künstler Rudolf Bauer, in dem sie den führenden Vertreter der gegenstandslosen Malerei zu erkennen glaubte und mit dem sie bald eine langjährige und persönlich wie künstlerisch folgenreiche Verbindung einging.



Lyrische Erfindung, 1939
Foto: David Heald
© The Hilla von Rebay Foundation


Im Januar 1927 verließ Rebay Europa, um ihr Glück in Amerika zu versuchen. In New York lernte sie den Industriellen Solomon R. Guggenheim (1861–1949) und dessen Frau Irene kennen – dieses schicksalhafte Zusammentreffen hat die Entwicklung der modernen amerikanischen Kunst entscheidend geprägt. Rebay ermutigte Guggenheim zum Ankauf von Werken gegenstandsloser Kunst, in erster Linie von Bauer und Kandinsky, aber auch von Albert Gleizes, Fernand Léger, László Moholy-Nagy, Friedrich Vordemberge-Gildewart und anderen Vertretern der Abstraktion und der Gegendstandslosigkeit. Zwischen 1936 und 1939 organisierte Rebay Ausstellungen der Guggenheim-Sammlung in Charleston (South Carolina), Philadelphia und Baltimore. 1937 wurde die Solomon R. Guggenheim Foundation gegründet und Guggenheim plante den Bau eines Museums in New York.



Gavotte, 1947
Foto: Portico New York, Inc.
© The Hilla von Rebay Foundation


1939 mietete Guggenheim einen ehemaligen Autosalon in Manhattan, Adresse 24 East Fifty-fourth Street, den Rebay zum Museum of Non-Objective Painting umgestaltete. Nach seiner Eröffnung am 1. Juni 1939 mit der Ausstellung Art of Tomorrow wurde das Museum schnell zum Anziehungspunkt der New Yorker Kunstszene. Der »Tempel der Gegenstandslosigkeit« bot einen Kunstgenuss besonderer Art: Die Gemälde hingen in geringer Höhe an stoffbespannten Wänden; der Boden war mit einem dicken Teppich ausgelegt; klassische Musik begleitete den Besucher durch die Ausstellungsräume. Die aktuelle Ausstellung präsentiert eine Auswahl der Arbeiten europäischer und amerikanischer Künstler, die Guggenheim mit Rebays Beratung erworben hatte und die im Katalog zur Eröffnungsausstellung Art of Tomorrow dokumentiert sind.

Rebay war eine rege Befürworterin der gegenstandslosen Kunst. Sie organisierte Ausstellungen, vergrößerte die Guggenheim-Sammlung, gab Vorlesungen, schrieb Artikel, veröffentlichte Kataloge und gewährte Künstlern finanzielle Unterstützung.

1943 unterbreitete Rebay dem Architekten Frank Lloyd Wright, dem sie sich geistig und künstlerisch verbunden fühlte, Ideen für einen Museumsbau. Das Museum of Non-Objective Painting war inzwischen in ein Stadthaus in der Fifth Avenue 1071 umgezogen, wo Rebay ihr Ausstellungsprogramm fortsetzte. Der von Wright konzipierte Bau wurde am 21. Oktober 1959 unter dem Namen Solomon R. Guggenheim Museum eröffnet – zehn Jahre nach dem Tod Guggenheims, sechs Monate nach dem Tod Wrights und sieben Jahre, nachdem Rebay von ihren Museumsfunktionen zurückgetreten war.



Ohne Titel, o.J.
Foto: David Heald
© The Hilla von Rebay Foundation


Die Partnerschaft zwischen Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim brachte eine der großartigsten Sammlungen der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts hervor. Den außerordentlichen Weitblick der beiden Initiatoren bestätigt der historische Stellenwert, den ihr Vermächtnis heute genießt.

Art of Tomorrow: Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim wurde von der Solomon R. Guggenheim Foundation, dem Museum Villa Stuck und dem Schloßmuseum Murnau organisiert. Die Ausstellungen in Berlin, New York und Murnau wurden von der Deutschen Bank gefördert. Wir danken der Hilla von Rebay Foundation für ihre Unterstützung bei der Realisierung dieser Schau. Vor Berlin wurde die Ausstellung im Solomon R. Guggenheim Museum, New York, im Museum Villa Stuck, München, und im Schloßmuseum Murnau gezeigt.