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7.3.-10.5.09

Ende der 60er Jahre begannen mehrere junge Künstler in den USA damit, großformatige, realistische Bilder nach Fotografien zu malen. Sorgfältig bis ins Detail porträtierten sie Dinge, Orte und Menschen, die das städtische wie auch vorstädtische Alltagsleben in Amerika bestimmten. Im Unterschied zu den Popkünstlern, präsentierten die Fotorealisten ihre meist alltäglichen Themen nicht auf glamouröse oder ironische Weise. Sie versuchten vielmehr einen hohen Grad an Objektivität und Präzision in ihrer Arbeit zu erreichen und sich mehr oder weniger detailgetreu an die mechanischen Reproduktionen, die ihnen als Ausgangspunkt dienten, zu halten. Sie entwickelten vielfältige Methoden, fotografische Informationen systematisch auf die Leinwand zu übertragen. Indem sie dem fotografischen Blick den Vorrang vor dem menschliche Auge gaben, betonten sie die Komplexität des Verhältnisses zwischen Reproduktion und Reproduziertem sowie den Einfluss der Fotografie auf unsere Wahrnehmung des täglichen Lebens und der Wirklichkeit im Allgemeinen.



Robert Bechtle
Foster’s Freeze, Escalon, 1975
Öl auf Leinwand
101.6 x 147.3 cm
Tucson Museum of Art, Arizona, Schenkung Ivan und Zoya Gerhath
© Robert Bechtle, courtesy Paule Anglim Gallery, San Francisco


Bald wurden in rascher Folge verschiedene Begriffe zur Definition dieses neuen Ansatzes in der Malerei benutzt, vornehmlich Superrealismus, Hyperrealismus und Fotorealismus. Weder bildeten die als Fotorealisten bezeichneten Künstler eine geschlossene Gruppe noch verstanden sie sich als Teil einer Bewegung – viele von ihnen wandten sich sogar vehement dagegen, mit diesem Begriff in Verbindung gebracht zu werden. Nichtsdestotrotz beschäftigten sich die siebzehn in Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre vertretenen Künstler – Robert Bechtle, Charles Bell, Tom Blackwell, Chuck Close, Robert Cottingham, Don Eddy, Richard Estes, Audrey Flack, Franz Gertsch, Ralph Goings, Ron Kleemann, Richard McLean, Malcolm Morley, Stephen Posen, John Salt, Ben Schonzeit und Paul Staiger – in den späten 60er und 70er Jahren mit ähnlichen Fragestellungen, Verfahren und Themen. Dies führte dazu, dass Kuratoren ihre Arbeit als eine zusammenhängende Bewegung in der zeitgenössischen Kunst ausstellten, und Kritiker und Kunstgeschichtler als solche über sie schrieben. Picturing America konzentriert sich auf diese prägende Phase in der Geschichte des Fotorealismus.



Ralph Goings
McDonalds Pickup, 1970
Öl auf Leinwand
104.1 x 104.1 cm
OK Harris Works of Art, New York
©Ralph Goings, courtesy O.K. Harris Works of Art, New York


Die Ausstellung präsentiert 31 Bilder aus den Jahren 1967 bis 1982, viele von ihnen höchst ikonische und meisterhafte Werke, darunter Richard Estess’ Telephone Booths (1967) und Chuck Closes Leslie (1973). Picturing America ist in vier Abschnitte gegliedert, von denen drei die zentralen Themen des Fotorealismus in den 70er Jahren untersuchen – Reflexionen über die Stadt, Kultur des Konsums und das amerikanische Leben. Der vierte Abschnitt ist einem Portfolio mit zehn Lithografien gewidmet. Es wurde 1972 anlässlich der documenta 5 hergestellt und war die erste große Gruppenschau des Fotorealismus.



Ralph Goings
Airstream, 1970
Öl auf Leinwand
152 x 214 cm
MUMOK, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Sammlung Ludwig Aachen
©Ralph Goings, courtesy O.K. Harris Works of Art, New York
Foto © MUMOK, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien, Leihgabe der Sammlung Ludwig, Aachen


Wie das Portfolio, möchte auch diese Ausstellung die wichtige Rolle Deutschlands in der frühen Phase des Fotorealismus würdigen und zeigt daher einige Gemälde, die damals auf der documenta 5 zu sehen waren, ebenso zahlreiche Werke aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig. Diese machten ab 1970 die in ihrem Besitz befindlichen, fotorealistischen Bilder in der Neuen Galerie der Stadt Aachen der Öffentlichkeit zugänglich. In den Jahren unmittelbar nach der documenta 5 zeigten zahlreiche Galerien und Museen in Deutschland Ausstellungen von führenden, mit dem Fotorealismus in Verbindung gebrachten Künstlern. Nach fast dreißig Jahren möchte Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre die historisch bedeutende Verbindung dieser amerikanischen Kunstrichtung mit Deutschland wieder ins Bewusstsein rufen.



Richard Estes
The Solomon R. Guggenheim Museum, summer 1979
Öl auf Leinwand
79 x 140 cm
Solomon R. Guggenheim Museum, New York, erworben mit Mitteln der US-Bundesstiftung in Washington, D.C., a Federal Agency; und matching funds von Mr. und Mrs. Barrie M. Damson 79.2552
© Richard Estes, courtesy Marlborough Gallery, New York
Foto von Kristopher McKay