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Die Ausstellung Jeff Wall: Belichtung, speziell von Jeff Wall für das Deutsche Guggenheim zusammengestellt, zeigt erstmals vier neue großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien des kanadischen Künstlers. Gemeinsam mit dieser neuen Werkgruppe werden fünf Arbeiten früheren Datums präsentiert –Silbergelatineabzüge sowie Großbilddias in Leuchtkästen –, die sowohl formale als auch thematische Parallelen aufweisen.



Conctrete Ball, 2002
Transparency in lightbox
© Jeff Wall


Die Malerei, den Film sowie die theoretische Neuwertung dieser Disziplinen nach 1968 bezeichnet Jeff Wall als prägende Einflüsse auf seine Arbeit. Bekannt wurde er für seine frühe Verwendung von Großbilddias in Leuchtkästen, die das Format der Malerei mit der Brillanz der Filmleinwand verbinden. Walls Auseinandersetzung mit der Geschichte des fotografischen Mediums führte zur Aufteilung seines Schaffens in zwei unterschiedliche Produktionsstrategien: eine dokumentarische, die zufällig entdeckte Orte und Motive wiedergibt, und eine kinematografische, die eine präzise Bildregie voraussetzt. Seit Mitte der 1990er-Jahre entstehen auch großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien.



Overpass, 2001
Transparency in lightbox
© Jeff Wall



Von den vier neuen Werken für Jeff Wall: Belichtung folgen drei einem kinematografischen Ansatz. Jede Komposition gibt realistisch ein alltägliches Vorkommnis wieder: Eine Gruppe Arbeitsloser wartet auf einen Gelegenheitsjob; eine Frau kehrt, anscheinend nach einem harten Arbeitstag, in ihr trostloses Reihenhaus zurück; Kinder spielen auf einem verlassenen Gelände mit Spielzeugpistolen. Die vierte Fotografie der neuen Serie ist ein Dokumentarfoto ohne Personen. Die grandiose Aufnahme führt in einen Kühlraum, der jeden, der dort arbeitet, extremen Belastungen aussetzt.



Men Waiting, 2006
Silver gelatin print
© Jeff Wall


Wall durchleuchtet mit Belichtung die Geschichte der Dokumentarfotografie und des neorealistischen Films. Gleich den Meistern dieser sich wechselseitig beeinflussenden Schulen nimmt er schonungslos die Lebensbedingungen der unteren Gesellschaftsschichten ins Objektiv. Die Trostlosigkeit der Sujets wird durch die monochrome Silbergelatinetechnik noch zusätzlich gesteigert. Der Künstler realisiert seine Aufnahmen direkt vor Ort mit Laiendarstellern, die unverfälscht, ohne gekünsteltes Gehabe agieren.

Die Fotografie ist wie kein anderes Medium prädestiniert, die Wirklichkeit festzuhalten. Die souveräne Leichtigkeit, mit der Jeff Wall imstande ist, zwischen Farbe und Schwarz-Weiß sowie zwischen dokumentarischer und kinematografischer Sichtweise zu wechseln, stellt die Voraussetzungen des fotografischen Realismus infrage.

Jennifer Blessing, Kuratorin