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Für die Ausstellung „Head On“ im Deutsche Guggenheim, seine erste größere Schau in Deutschland, entwickelte Cai Guo-Qiang einen dreiteiligen Werkkomplex, der die Hauptaspekte seines Oeuvres in ihrer Vielfältigkeit widerspiegelt und gleichzeitig thematisch in Bezug zur Geschichte und Gegenwart Berlins steht.

Wie alle bisherigen Präsentationen von Werkgruppen aus der Sammlung Deutsche Bank entstand „Head On“ in enger Zusammenarbeit mit dem seit elf Jahren in New York lebenden Künstler. Neu ist jedoch, dass alle drei Teile der Installation speziell für den Ausstellungsort konzipiert sowie das Video „Illusion II“ und die großformatige Schwarzpulver-Zeichnung „Vortex“ selbst produziert wurden.



Illusion II: Explosion Project
9:30pm, July 11, 2006
Foto von Hiro Ihara
© courtesy Cai Studio


Anlässlich seines ersten Aufenthaltes in der Hauptstadt im Oktober 2005 besuchte Cai Guo-Qiang u.a. Checkpoint Charlie, das sowjetische Ehrenmal und die Gedenkstätte „Topographie des Terrors“. Eine Besichtigung der Überreste der Berliner Mauer sowie verschiedener Museen waren weitere Programmpunkte. Angeregt von der Allgegenwärtigkeit deutscher Geschichte entstanden erste Skizzen zur Ausstellung. Aus diesen Ideen entwickelte sich ein Konzept, das sowohl die unterschiedlichen Medien, mit denen Cai Cuo-Qiang arbeitet, vorstellt, als auch inhaltlich deutlich auf die Stadt und formal auf den Ausstellungsraum bezogen ist. Es gliedert sich in die titelgebende Installation „Head On“, bestehend aus einem die Halle durchjagenden Rudel aus 99 Wölfen, die 9x4 Meter große Schießpulver-Zeichnung „Vortex“ und das Video „Illusion II“.



Ideenskizze für Vortex, 2005
Tuschestift auf Papier
© Cai Guo-Qiang


Da am zeitaufwändigsten, startet die Produktion der Wölfe bereits im Januar 2006 in Quanzhou. Die dortige chinesische Manufaktur ist darauf spezialisiert, Tiere täuschend echt und lebensgroß herzustellen. Als Bewegungsstudien entstehen zunächst kleine Tonmodelle, aus denen Cai Guo-Qiang später die ausstellungsbegleitende Edition entwickelt. Die nach diesen Vorlagen und Zeichnungen geformten, äußerst real und lebendig wirkenden Wölfe der Installation haben tatsächlich jedoch nichts Wölfisches an sich: Sie tragen gefärbte Schafspelze, bestehen innen aus Stroh und Metalldrähten, Kunststoff gibt ihren Gesichtern Kontur.


Nicht in China, sondern mitten in Berlin, soll das Video „Illusion II“ entstehen. Dafür wird zunächst ein leer stehendes, großes Grundstück benötigt. Aus drei vorgeschlagenen Arealen wählt Cai Guo-Qiang ein ca. 30.000 m2 umfassendes Brachland an der Stresemann-/ Ecke Möckernstraße, das von Bürogebäuden und Berliner Wohnzeilen umgeben ist. Eigentlich ein ziemlich typischer Leerraum, würde dort nicht im Hintergrund die Ruinenfassade des ehemaligen Anhalter Bahnhofs als Zeichen der Geschichte aufragen. Cai Guo-Qiang ist fasziniert von diesem Detail, passt es doch hervorragend zum Inhalt von „Illusion II“, einer Reflektion – so Cai – „über die widersprüchlichen Kräfte von Gewalt und Schönheit“, über „Zerstörung, Ruhm und Heldentum“ in der Historie Berlins. Auf diesem Grundstück entsteht nach den Vorgaben des Künstlers mit der professionellen Unterstützung des Filmstudios in Babelsberg ein kleines, typisch deutsch wirkendes Haus. Am 11. Juli findet schließlich die Produktion des Videos statt. Das Haus wird gefüllt mit Feuerwerkskörpern und Raketen unterschiedlichster Art und Wirkung. Pünktlich um 21.30 Uhr gibt Cai Guo-Qiang das Startsignal und vor der untergehenden Sonne am Berliner Abendhimmel entwickelt sich über 20 Minuten ein großartiges Schauspiel, festgehalten für Video und Katalog von mehr als 15 Kameras.



Produktionsaufnahmen von Wölfen, 2006
© courtesy Cai Studio


Als drittes Werk für die Ausstellung entsteht die Schießpulver-Zeichnung „Vortex“ Mitte August im Innenhof der Deutschen Bank. Der Bildträger ist auf den Boden ausgebreitetes Japanpapier. Die Motive entstehen aus Schmauch- und Brandspuren durch das Auflegen von abdeckenden Schablonen und durch das Aufbringen von bis zu 15 verschiedenen Sorten Schießpulvers. Mit einer Zündschnur entflammt der Künstler in Sekunden das gesamte Pulver und das Bild verschwindet zunächst unter einer großen Rauchwolke. Nach dem Abnehmen der Steine und der durch sie fixierten Schablonen wird dann erstmals das neue Werk sichtbar, entstanden durch Planung und Zufall zugleich. Cai Guo-Qiangs Skizzen für die großformatige „Vortex“-Zeichnung zeigen hunderte von Wölfen, die mit ihren Körpern einen riesigen Wirbel formen, in den sie hineingezogen werden.

Cai Guo-Qiang wurde 1957 in der Stadt Quanzhou, Provinz Fujian, geboren und zählt heute zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Kunst Chinas. Die Arbeiten des in New York lebenden Künstlers wurden in den vergangenen Jahren in zahlreichen internationalen Museen u.a. im MASS MoCA, in der Tate Modern, im Centre Pompidou und im Metropolitan Museum präsentiert. 1999 gewann Cai Guo-Qiang mit seiner Arbeit „Venice’s Rent Collection Courtyard“ den Goldenen Löwen der 48. Biennale von Venedig. Im vergangenen Jahr kuratierte er in Venedig den chinesischen Pavillon, der erstmals präsentiert wurde.



Illusion II: Explosion Project
9:30pm, July 11, 2006
Foto von Hiro Ihara
© courtesy Cai Studio


Eine große Retrospektive des Künstlers im New Yorker Guggenheim Museum und im Pekinger Nationalmuseum ist für 2008 geplant.


Zur Ausstellung finden Sie folgende Beiträge in www.db-artmag.com, dem online Kunstmagazin der Deutschen Bank:
feedback // Tragische Schönheit / Ein Gespräch mit Cai Guo-Qiang

Zur Webseite des Künstlers:
www.caiguoqiang.com