von Hilmar Kopper/ 1999

Ein Banker, der nicht mit Zahlen umgehen kann? Undenkbar. Eine Bank ohne kulturelles Engagement? Selten. Ein Museumsdirektor, der sich mehr mit Finanz- als Bildanalysen beschäftigen muss? Leider zunehmend Realität. Da liegt die Lösung nahe: Beide schliessen sich zusammen, um einerseits gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und andererseits öffentliche Aufgaben erfüllen zu können. Besonders sinnvoll ist eine solche Kooperation dann, wenn sie sich nicht in der simplen Addition von Kunst und Kapital erschöpft, sondern darauf abzielt, einen Mehrwert, ein zusätzliches Potential an Möglichkeiten zu schaffen, das ohne ihre Verbindung weder dem einen noch dem anderen Partner allein gegeben wäre. Das Deutsche Guggenheim Berlin ist das Produkt dieses Gedankens.

Die Idee
Nach dem Fall der Mauer bot sich der Deutschen Bank die Chance, die Wende im Osten mit der Rückkehr an die Orte ihres historischen Beginns in Berlin zu verbinden. Während der frühere Gebäudekomplex der Bank mit dem bekannten Schwibbogen an der Mauer- und Französischen Strasse bereits im Rahmen des Regierungsumzuges verplant war, konnten die ehemaligen Geschäftshäuser der Disconto-Gesellschaft, die bei der Fusion mit der Deutschen Bank im Jahre 1929 auf das Unternehmen übergingen, 1992 von der Treuhand zurückgekauft werden.
Nach den Plänen des Berliner Architekten Benedict Tonon wurden die beiden Gebäude an der Ecke Unter den Linden/Charlottenstrasse neu gestaltet. Bei der Restaurierung des sachlich-nüchternen Hauses aus den 20er Jahren und des roten, historischen Sandsteinbaus von 1889/91 legte die Deutsche Bank grossen Wert auf die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes und die Einbindung in das Strassenbild Unter den Linden. Innen jedoch haben modernste Ausstattung und Technik Einzug gehalten. Von hier aus lenkt die Bank ihr Geschäft in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und im nördlichen Sachsen-Anhalt.
Von Beginn an war für den zur Hauptstrasse gelegenen, langgestreckten Raum des Gebäudes eine öffentliche Nutzung vorgesehen, um damit zur Wiederbelebung des traditionsreichen Boulevards Unter den Linden beizutragen. Es gab sowohl Vorschläge für ein kulturelles Forum als auch für andere Verwendungen - jedoch die wirklich überzeugende Idee fehlte noch. Dies änderte sich durch die Begegnung mit Thomas Krens in New York im Juli 1996. Der Direktor des Guggenheim Museums hatte bereits zuvor - im Rahmen der globalen Expansion der Guggenheim Foundation - sein Interesse an dem Standort Berlin bekundet. Das Bankgebäude im Zentrum der Stadt - in unmittelbarer Nähe zur Museumsinsel und dem Galerienviertel um die Auguststrasse -, das kulturelle Engagement der Bank und seine eigenen Pläne passten hervorragend zusammen. Es hatten sich zwei Partner gefunden, die beide in ihrem Bereich neue Wege gehen, die trotz ihres nationalen Schwerpunktes weltweit agieren und bereits zahlreiche Ausstellungsprojekte gemeinsam verwirklicht hatten. Es folgten Besichtigungen, Gespräche - und schon bald kristallisierte sich ein Konzept heraus, das eine bisher einmalige Zusammenarbeit zwischen einem Museum und einem Wirtschaftsunternehmen vorsah:
- Gemeinsam sollte eine Kunsthalle Unter den Linden geplant und betrieben werden und
- gemeinsam sollten international renommierte, aber ebenso jüngere Künstler beauftragt werden, neue Werke für den Ausstellungsraum in Berlin zu erschaffen.
Diese mit der Eröffnung am 6. November 1997 und den seitdem gezeigten Ausstellungen verwirklichte Idee geht weit über bisher verwirklichte Formen der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kultur hinaus.
Unternehmen, die eigene Kunsthallen oder Museen betreiben, öffentliche Kunstinstitute finanziell oder durch Leihgaben fördern - diese Formen privaten kulturellen Engagements sind etabliert. Die Solomon R. Guggenheim Foundation in
New York und die Deutsche Bank AG in Frankfurt am Main betreiben das Ausstellungsforum jedoch als gleichberechtigte Partner. In das Joint Venture bringen beide Institutionen ihr spezifisches geistiges und materielles Kapital ein:
Die Guggenheim Foundation das Wissen ihrer Kuratoren, die vielfältigen Beziehungen zu Leihgebern und Künstlern in der ganzen Welt sowie den herausragenden eigenen Kunstbestand. Die Bank trägt zu dem Projekt bei mit ihrer langjährigen Erfahrung vor allem im Bereich der zeitgenössischen Kunst, mit ihrem betriebswirtschaftlichen Know How, mit ihrer Sammlung und ihrem Gebäude sowie den notwendigen finanziellen Mitteln.
Die beschriebenen Intentionen finden Ausdruck in dem grammatikalisch ungewöhnlichen, aber bewusst gewählten Namen des Projektes: Deutsche Guggenheim Berlin. "Deutsche" steht hier eben nicht als Adjektiv zur Bezeichnung einer Guggenheim-Filiale, sondern - ebenso wie Farbe und Schrift - als Synonym und Namensbestandteil für den Partner Deutsche Bank.

Die Partner
Die von Thomas Krens forcierte globale Expansion der Guggenheim Foundation ist unter den Aspekten möglichst grosser Öffentlichkeit für - im wörtlichen Sinn - sehenswerte Kunst und möglichst effektiver Nutzung knapper Ressourcen notwendig und verständlich. Es ist sicherlich weder im Sinne der Spender noch der Künstler, wenn der grösste Teil des Bestandes im Depot lagert, nicht, weil es an Qualität, sondern weil es an Raum mangelt. Darüberhinaus verringern sich jeweils die Kosten für die Präsentation an einem Ort durch die Hinzunahme weiterer Stellen entscheidend, so dass - bei konservatorischer Unbedenklichkeit - jedem Museumsmanager, der nicht gerade über reichlich Lotto-Gelder oder Getty-Millionen verfügt, daran gelegen sein muss, über seinen regionalen Horizont hinaus zu planen.
Die amerikanische Kultur ist in ihrer ganzen Vielfalt weit überwiegend durch private Initiative entstanden. Sie wird von ihr getragen und ist von ihr - mangels staatlicher Zuwendungen - abhängig. In den Vereinigten Staaten beträgt der Durchschnitt aller
Spenden pro Kopf und Jahr 1.200,-- DM - in Deutschland dagegen nur 170,-- DM . Die US-Bürger geben 12 Promille ihres Jahreseinkommens für gemeinnützige Zwecke aus - die Deutschen aber nur drei (managermagazin, Juni 1998, S. 231). Trotz dieses privaten Engagements ist es jedoch langfristig sinnvoll, dass ein Museum, neben der notwendigen Akquisition von Spenden, danach strebt, wirtschaftliche Unabhängigkeit - nicht als Selbstzweck , sondern zur Sicherung seines kulturellen Auftrags - zu erreichen. In einer Zeit stetig zunehmender Freizeit und steigenden kulturellen Interesses stehen die Chancen dafür so gut wie nie.
Überzeugt davon, dass die unmittelbare Erfahrung bedeutender Kunst für jede Gesellschaft notwendig und geistig fruchtbar ist, hat die Deutsche Bank seit den 70er Jahren kontinuierlich den kulturellen Austausch und das visuelle Erleben insbesondere zeitgenössischer Kunst gefördert und durch ihre eigene Kunstsammlung und deren Präsentation unter dem Motto "Kunst am Arbeitsplatz" beispielhaft verwirklicht.
Durch den Ankauf von Papierarbeiten und die Ausgestaltung der Bankräume mit diesen Werken sollen junge Künstler aus dem deutschsprachigen Raum gefördert werden. Dieses Engagement bietet Mitarbeitern, Kunden und Gästen der Bank die Möglichkeit, ausserhalb von Museen und Galerien Kunst unserer Zeit zu begegnen. Die Ausstattung der beiden Türme der Zentrale in Frankfurt am Main steht exemplarisch für die Sammlung der Deutschen Bank. In den 1985 eröffneten Zwillingstürmen sind auf insgesamt 55 Etagen Arbeiten jeweils eines Künstlers zu sehen, die jedem Stockwerk einen eigenen Charakter verleihen und gleichzeitig die Entwicklung des Künstlers dokumentieren.
Das Engagement der Deutschen Bank für die zeitgenössische Kunst ist nicht auf die Zentrale in Frankfurt beschränkt. Bis heute erhielten weltweit über 700 Geschäftsstellen, darunter 60 im Ausland, eine Kunstausstattung. In Zusammenarbeit mit den einzelnen Filialen und Tochtergesellschaften entstehen individuelle Konzepte, auf deren Grundlage Kunstwerke in den neuen oder umgestalteten Gebäuden platziert werden. Eine Variante bildet die Ausgestaltung der
Filialen im Ausland: Hier werden Arbeiten zeitgenössischer deutscher mit denen junger inländischer Künstler kombiniert, woraus sich oft interessante Dialoge und Parallelen ergeben. Die Sammlung erlangt so auch einen internationalen Charakter, der der Entwicklung der Kunstszene wie auch dem Profil der Bank entspricht.
Zugleich in Fortsetzung dieses langjährigen Engagements im Bereich der bildenden Kunst, als auch als neues, zukunftsorientiertes Konzept verbindet die Deutsche Bank mit dem Deutsche Guggenheim Berlin vier Ziele:
- Es ist eine von vielen Leistungen mit denen wir unsere im Grundgesetz
festgelegte Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, deren Teil wir zugleich sind, erfüllen. Insbesondere ist es unser Beitrag für den Weg Berlins zur europäischen Metropole.
- Unseren Kunden können wir Begegnungen mit bedeutenden Künstlern und
ihren Werken im Rahmen von besonderen Führungen und Abenden bieten. Kataloge und Editionen sind willkommene Geschenke und das Atrium ist gegebenenfalls auch der ideale Ort für Veranstaltungen ihrer eigenen Unternehmen.
- Wir erweitern unser kulturelles Angebot gegenüber unseren Mitarbeitern, die
durch die Kooperation mit dem Guggenheim weltweit Vorteile, wie z.B. kostenlosen Eintritt, besondere Führungen oder ermässigte Kataloge und Artikel aus dem MuseumsShop erhalten.
- Das Deutsche Guggenheim Berlin ist Werbung für die globale Kompetenz, die
Qualität und das innovative Potential der Deutschen Bank.

Der Raum
Für die Gestaltung der Ausstellungshalle konnte der amerikanische Architekt Richard Gluckman gewonnen werden. Sein Entwurf reduziert den 8 Meter breiten, 50 Meter langen und 6 Meter hohen Raum auf ein langgestrecktes Rechteck. Die umfangreiche, moderne Technik ist nahezu unsichtbar, das ebenfalls von Gluckman stammende Mobiliar auf kubische Formen reduziert und der Terazzo-Fussboden so neutral wie nur eben möglich. Die Reduzierung erlaubt grosse Variabilität: Zusätzliche Räume können gebildet, Abteilungen eingebaut und die Wand vor den Fenstern auch ganz entfernt werden. Die Kunst bestimmt, welche Architektur die ihr jeweils angemessene ist. Sie erhält jenen Freiraum, den sie zu ihrer idealen Präsentation benötigt.
Über eine breite Treppe gelangt der Besucher in einen direkt anschliessenden, kleineren Raum, der für das Café KAFFEEBANK und den MuseumsShop genutzt wird. Drei breite Glastüren stellen hier die Verbindung zum grossen, überdachten Atrium der Bank her. Den Kunden und Gästen der Bank wird durch diese Architektur ein Forum geboten, das in seiner Verbindung von kulturellem Erlebnis und Veranstaltungssaal seinesgleichen sucht.

Das Programm
Das Programm des Deutsche Guggenheim Berlin wird von den Kuratoren in New York und den Kustoden der Sammlung der Bank gemeinsam erarbeitet.
Mit vom Umfang her begrenzten, aber dadurch besonders konzentrierten Ausstellungen aussergewöhnlicher und bedeutender Kunst soll das Deutsche Guggenheim Berlin zum Kunstgeschehen in Berlin und darüberhinaus beitragen.
Alle aus der Verbindung von Bank und Museum resultierenden Möglichkeiten werden genutzt, um einzigartige Begegnungen mit der Kunst unserer Zeit und vergangener Epochen zu präsentieren. Das Deutsche Guggenheim Berlin stellt aber nicht nur schon Bestehendes vor, sondern überlässt seinen Raum auch Künstlern, damit sie Neues schaffen können. So wird die Ausstellungshalle zum Atelier.
Das Verhältnis von Auftragsarbeiten zu anderen Ausstellungen wird sich in etwa die Waage halten. In Bezug auf beide Bereiche werden sowohl Werke älterer Künstler
wie James Rosenquist oder Helen Frankenthaler, als auch Arbeiten von Newcomern wie Andreas Slominski zu sehen sein. Mindestens einmal im Jahr sind klassische Exponate wie Delaunays Gemälde oder Werke der russischen Kunst aus den 20er Jahren in Berlin zu Gast. Gleiches gilt für Arbeiten aus der Sammlung der Deutschen Bank, die zukünftig jeweils im Mai zu sehen sein werden.
Bis auf den zuletzt genannten Programmteil liegt die Planung, Zusammenstellung, Organisation und Hängung der Ausstellungen federführend bei wechselnden Kuratoren des Guggenheim Museums. Sie sind ebenso für den jeweils begleitenden Katalog verantwortlich. Obwohl es für die einzelnen Aufgabenbereiche klare Prioritäten in Bezug auf die Verantwortlichkeit gibt, müssen alle Entscheidungen letztlich gemeinsam getroffen werden. Die personelle Leitung, der tägliche Betrieb, Werbung, Pressearbeit und das Begleitprogramm liegen unter dieser Prämisse in den Händen von Mitarbeitern der Bank.
Das Deutsche Guggenheim Berlin bietet den idealen Raum für die detaillierte Sicht auf begrenzte, aber entscheidende Themen oder Werkgruppen aus dem Oeuvre einzelner Künstler.
Die über 30 Ölgemälde und Zeichnungen umfassende Eröffnungsschau "Pariser Visionen: Robert Delaunays Serien" konzentrierte sich auf die Serien des französischen Malers Robert Delaunay (1885-1941), die erstmalig zentrales Thema einer Ausstellung waren. Die Bilderfolgen "Saint-Séverin", "Eiffelturm", "Stadtansichten" und "Fenster" entstanden von 1909 bis 1914 und bilden die wohl wichtigste Phase im Werk des Künstlers.
Konzeptionell knüpfte die Ausstellung "Helen Frankenthaler" im Herbst 1998 an die "Pariser Visionen" an. Standen bei Delaunay die Motive seiner Serien im Vordergrund, so konzentrierte sich die Auswahl der Werke der amerikanischen Malerin auf das Schlüsselwerk "Mountains and Sea" von 1952 und den engen, aber produktiven Zeitraum von 1956 bis 1959.
Vor den Gemälden Frankenthalers zeigte das Deutsche Guggenheim Berlin in der Ausstellung "Von Dürer bis Rauschenberg" eine 89 Exponate umfassende Auswahl der besten Zeichnungen aus den Sammlungen des Guggenheim Museums und der Wiener Albertina aus fünf Jahrhunderten. Ein besonderer Erfolg war es, dass ein so traditionsreiches und singuläres Haus, wie es die Albertina verkörpert, mit der neuen Ausstellungshalle in Berlin kooperierte. Auch in Zukunft wird das Deutsche Guggenheim Berlin nicht nur Beispiele aus den Sammlungen des Guggenheim oder der Bank, sondern auch Einzigartiges aus den Beständen internationaler Museen präsentieren.
Die erste Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim Berlin schuf der amerikanische Maler James Rosenquist mit seinem Gemälde "The Swimmer in the Econo-mist". Im März 1997 wurde die Massarbeit für die Ausstellungshalle Unter den Linden zusammen mit zeichnerischen Vorstudien der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Tradition seiner Environmental Paintings verwandelte Rosenquist die Wände des 400 Quadratmeter grossen Raumes in ein Rundum-Gemälde. In Erinnerung an Deutschland und Berlin, das Rosenquist kurz nach dem Mauerfall besuchte, entstand auf drei Leinwänden ein aufwühlend dynamisches Deutschland-Bild. Über 48 Meter lang, ist es das bisher grösste Gemälde James Rosenquists.
Mit den "Arbeiten auf Pigment" von Katharina Sieverding präsentierte das Deutsche Guggenheim Berlin im September/Oktober 1998 erstmalig Werke aus der Sammlung der Deutschen Bank in der Kunsthalle Unter den Linden. Arbeiten von Georg Baselitz und Günther Förg werden diesen Teil des Programms in den nächsten Jahren fortsetzen.
Von Anfang an grosse Bedeutung kam dem ausstellungsbegleitenden Programm zu. Tägliche und themenbezogene Führungen, Lunch Lectures und Vorträge gehören zum festen Angebot. In Zusammenarbeit mit anderen Berliner Kultur-Institutionen fanden ausserdem immer wieder besondere Veranstaltungen statt. Mit - statt gegeneinander, Offenheit statt elitärer Abgrenzung ist das Ziel. Beispiele bisher: Eine Filmreihe zu Robert Delaunay in Kooperation mit dem "Institut Français", eine Modenschau mit ausschliesslich von Künstlern entworfener Kleidung anlässlich der Präsentation des Papieranzuges von James Rosenquist und die Konzerte der Berliner Philharmoniker mit Stücken aus fünf Jahrhunderten als Parallele zu dem historischen Rückblick "Von Dürer bis Rauschenberg".
Dazu kommen Soirees, eine Pop Art-Tour durch Berlin, Peggy Guggenheims 100. Geburtstagsfeier und vieles mehr. Das Publikum ist dankbar, wie die Zahlen zeigen: Die Filmvorführungen waren ausverkauft, 4.000 Besucher nahmen an unserem Programm während der letzten "Langen Nacht der Museen" teil und über 500 Zuhörer lauschten den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker.
Auch in der Werbung geht das Deutsche Guggenheim Berlin ungewöhnliche Wege, um die Menschen zur Kunst zu führen. Grossflächenplakate, Hörfunkwerbung - jede Kunst soll durch ihr angemessene Mittel ihr Publikum finden. Und sie findet es:
Über 45.000 Besucher kamen zu Delaunay und 37.000 studierten die Zeichungen "Von Dürer bis Rauschenberg".

Von Tag zu Tag
Gerade im täglichen Betrieb zeigt sich, welche Vorteile aus dem Joint Venture für das Publikum entstehen: Das Deutsche Guggenheim Berlin hat täglich geöffnet, immer von 11 bis 20 Uhr und montags ist der Eintritt frei.
Der MuseumsShop gilt schon nach kurzer Zeit als der beste - und in Relation zur Besucherzahl - umsatzstärkste seiner Art in Berlin. Auf relativ kleiner Fläche werden ständig eine Auswahl der attraktivsten Produkte des Guggenheim in New York und Venedig sowie Objekte vor allem junger Berliner Designer angeboten. Besonderes Augenmerk liegt auf preiswerten, originellen Mitbringseln und Spielzeug für Kinder.
Zu jeder Ausstellung wird ausserdem ein zusätzliches, themenbezogenes Sortiment zusammengestellt, das von den entsprechenden Publikationen bis zur Schokoladen-"Nachtwache" aus dem Rijksmuseum oder Druckgraphiken des jeweiligen Künstlers reicht.
Exklusiv zu jedem Anlass gibt das Deutsche Guggenheim Berlin eine eigene, limitierte Edition heraus, die unmittelbar mit der Ausstellung oder dem Künstler in Beziehung steht: Calvados mit Delaunay-Label, ein Papieranzug von Rosenquist, die Dürer-Zeichenstiftcassette - Fortsetzung folgt.
Das in dem MuseumsShop integrierte Café KAFFEEBANK bietet kleinere Speisen und exzellente Kaffees, Tees und Getränke an. Aktuelle Zeitungen und Zeitschriften laden zum längeren Verweilen ein.
Die gleichzeitige Nutzungsmöglichkeit von Atrium und Kunsthalle hat Anklang gefunden. Viele Kunden haben dort bereits Veranstaltungen erfolgreich durchgeführt. Auch die Aussteller und Sammler des European Art Forum und der Weltkongress der CISAC, des Verbandes der Urheberrechtsinstitutionen, waren bei uns zu Gast.
Besucherzahlen, Pressestimmen und die grosse Bereitschaft der Museen, Leihgeber und Künstler zur Zusammenarbeit dokumentieren den Erfolg des Konzeptes und seiner Verwirklichung. Er ist für uns Ansporn, auch in Zukunft über Bilanzzahlen und Mathematik hinauszudenken, um den Menschen - zumindest für den Bereich der Kultur - einige jener einzigartigen Begegnungen und Momente zu bieten, die dem Streben nach materiellem Gewinn erst Ziel und Sinn geben.

Hilmar Kopper war von Dezember 1989 bis Mai 1997 Vorsitzender des Vorstandes der Deutsche Bank AG/ Quelle: Hilmar Hoffmann (Hrsg.): Das Guggenheim Prinzip, DuMont Verlag, Köln, 1999.