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Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre

7. März bis 10. Mai 2009

Mit Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre präsentiert das Deutsche Guggenheim vom 7. März bis zum 10. Mai 2009 nach der documenta 5 im Jahr 1972 die erste große Ausstellung der amerikanischen Fotorealisten in Deutschland seit fast dreißig Jahren.
Ende der 1960er Jahre entstand in den USA eine Herangehensweise an die Malerei, die die Fotografie als Vorlage für Bilder von alltäglichen Gegenständen, Orten und Menschen der amerikanischen Stadt und ihrer Peripherie benutzte. Mit ihren Zeitgenossen der Pop Art teilten die Pioniere fotorealistischer Techniken in den späten 60er und 70er Jahren den Wunsch, der extremen Subjektivität und Emotionalität des Abstrakten Expressionismus gegenständliche Malerei entgegenzusetzen. Wie die Künstler der Pop Art interessierten sich die Fotorealisten für eine figurative Malerei, die sich mit alltäglichen Themen der Gegenwart beschäftigte. Der Unterschied bestand jedoch darin, dass diese Themen nicht auf glamouröse oder ironische Weise dargestellt wurden. Vielmehr versuchten die Fotorealisten, einen hohen Grad an Objektivität und Präzision in ihrer Arbeit zu erreichen und sich möglichst detailgetreu an die mechanisch hergestellten Bilder ihres Ausgangsmaterials zu halten.
Picturing America konzentriert sich auf die Entwicklung und Verfeinerung dieser charakteristischen Merkmale des Fotorealismus während des prägenden Jahrzehnts der 70er Jahre. Präsentiert werden 31 Gemälde und 10 Arbeiten auf Papier - darunter die höchst ikonischen und meisterhaften Werke Telephone Booths (1967) von Richard Estes und Leslie (1973) von Chuck Close - von Robert Bechtle, Charles Bell, Tom Blackwell, Robert Cottingham, Don Eddy, Audrey Flack, Franz Gertsch, Ralph Goings, Ron Kleemann, Richard McLean, Malcolm Morley, Stephen Posen, John Salt, Ben Schonzeit und Paul Staiger. Die Ausstellung ist in vier Abschnitte gegliedert, von denen drei die zentralen Themen des Fotorealismus untersuchen: Reflexionen über die Stadt, Konsumkultur und Amerikanisches Leben. Der vierte Abschnitt zeigt ein Portfolio mit Lithografien, die anlässlich der documenta 5 entstanden.

Reflexionen über die Stadt
In einem Großteil der Bilder zu diesem Thema ist die hohe Energie und der Missklang New Yorks eingefangen: auffällige Beschilderungen und einladende Geschäftsfassaden dominieren diese Motivwahl und vermitteln so die für New York so typische visuelle Überladung. Gesteigert wird dieser Eindruck durch die reflektierenden Flächen der Schaufenster, Autos oder Telefonzellen, die sich zu lebendigen Collagen der unmittelbaren Umgebung zusammensetzen und das pulsierende Alltagsleben übertragen. Menschen kommen zwar in vielen dieser Bilder vor, sind jedoch selten das zentrale Thema.

Konsumkultur
Die Fotorealisten hielten in ihrer Malerei die glänzenden Oberflächen der Trucks, Autos, Wohnwagen und Motorräder fest. Das Auto stellte in dieser Zeit nicht nur ein Statussymbol dar, sondern wurde auch mit der Möglichkeit verbunden, auf den weiten, offenen Straßen Freiheit zu erlangen. Gleichzeitig waren die Amerikaner der Versuchung einer anderen Form der Geschwindigkeit erlegen – der Bequemlichkeit von Fast Food. Die Fotorealisten fingen die Atmosphäre von McDonald’s und anderer Diners ein, aber auch das eigentliche Essen in den Restaurants, die diese Konsumkultur prägten – eine Kultur, die die Bequemlichkeit des Bekannten mit der Versicherung massenhafter Verfügbarkeit zu verbinden wusste.

Amerikanisches Leben
Ein wesentlicher Aspekt der fotorealistischen Malerei – in der damaligen europäischen Literatur häufig diskutiert - war ihre Fähigkeit, die bestimmenden Merkmale des „amerikanischen Lebens“ zu erfassen. In den 60er und 70er Jahren kam eine neue Generation von Kameras für Laien auf den Markt und ermöglichte schnelles und einfaches Fotografieren zu erschwinglichen Preisen. Der Durchschnitts-Amerikaner konnte daher alltägliche und besondere Momente fotografisch festhalten. Wie in einem typischen Familienalbum, vermittelten die fotorealistischen Kunstwerke ein Bild gewöhnlicher Menschen und Orte und lieferten so eine allgemeine Sicht auf das Amerika der 70er Jahre.

documenta 5
Die drei vorherigen Themenkomplexe wurden auch in DOCUMENTA: A portfolio of ten lithographs by ten super-realists chosen for Documenta in Kassel, Germany, 1972, aufgegriffen. Das Portfolio entstand anlässlich der historischen Präsentation des Fotorealismus auf der documenta 5 mit der dieser Stil erstmals einem breiten internationalen Publikum vorgestellt wurde. Als Produzent der Mappe fungierte Shorewood Atelier, New York. Wie das Portfolio, möchte auch diese Ausstellung die wichtige Rolle Deutschlands in der frühen Phase des Fotorealismus würdigen und zeigt daher nicht nur diese zehn Lithografien, sondern auch eine Reihe von Gemälden, die damals auf der documenta 5 zu sehen waren sowie zahlreiche Werke aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig. Sie machten ab 1970 die in ihrem Besitz befindlichen, fotorealistischen Bilder in der Neuen Galerie der Stadt Aachen der Öffentlichkeit zugänglich.

Sowohl einzeln als auch gemeinsam spielten die in Picturing America vertretenen Künstler eine entscheidende Rolle bei der Erweiterung künstlerischer Möglichkeiten in den 70er Jahren. Zusammen betrachtet, bieten die nostalgischen und zugleich unglaublich frischen Arbeiten der Schau eine Momentaufnahme dieses wichtigen Kapitels der Kunstgeschichte und dieses Abschnitts der amerikanischen Geschichte.

Die Ausstellung wurde von Valerie Hillings, Associate Curator am Solomon R. Guggenheim Museum in New York, organisiert. Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Katalog mit Abbildung aller Exponate in deutscher und englischer Sprache inklusive Textbeiträgen von Hillings, Linda Chase und David M. Lubin zum Preis von € 28.
Als Edition Nr. 46 entstand Picturing America (the album), 2009, ein Künstler- und Erinnerungsbuch mit Fundstücken, Arbeiten und Beiträgen von Robert Bechtle, Tom Blackwell, Chuck Close, Robert Cottingham, Don Eddy, Richard Estes, Audrey Flack, Ralph Goings, Ron Kleemann, John Salt und Ben Schonzeit. Diese persönlichen Erinnerungsmomente an die 70er Jahre erscheinen in einer von fast allen Künstlern signierten Auflage von 50 Exemplaren/ 35 A.P. und sind exklusiv im Deutsche Guggenheim SHOP erhältlich.
Picturing America wird von einem umfassenden Rahmenprogramm begleitet, eingeleitet mit dem Artists’ Panel mit Robert Bechtle, Tom Blackwell, Audrey Flack und Ben Schonzeit im Gespräch mit Linda Chase und Valerie Hillings. Des Weiteren diskutiert Hannes von Goesseln mit Michael S. Cullen, Vorträge von Dr. Wolfgang Becker und David Lubin gewähren neue und interessante Einblicke in die Ausstellung. Kinder und Jugendliche können in speziellen Workshops ihre Talente erproben.
Täglich um 18 Uhr finden kostenlose Führungen statt. Die beliebten Lunch Lectures, mittwochs um 13 Uhr, die bewährten Brunch Lectures, die sich sonntags um 11.30 Uhr mit einem spezifischen Aspekt der Ausstellung befassen, sowie die I like Mondays Lectures, immer montags von 11 bis 14 Uhr und 16 bis 19 Uhr, runden die Spannbreite an möglichen Begegnungen mit der Kunst ab.


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Fotomaterial zur Ausstellung
kann unter www.photo-files.de/guggenheim direkt aus dem Netz heruntergeladen werden.


Weitere Informationen
Deutsche Guggenheim
Kontakt: Sara Bernshausen
Telefon: (030) 202093-14
Fax: (030) 202093-20
email: sara.bernshausen@db.com
Internet: www.deutsche-guggenheim.de

Deutsche Bank Kunst
Kontakt: Britta Färber
Telefon: +49 (69) 910-35960
Email: britta.faerber@db.com
Internet: www.db-artmag.com