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Zum ersten Mal stellt das Deutsche Guggenheim in Berlin die
aktuellen Villa Romana-Preisträger vor: Zu sehen sind neue Bilder,
Installationen und Videos von Dani Gal, Julia Schmidt, Aslı Sungu,
und Clemens von Wedemeyer. Seit 1905 wird der Villa Romana-Preis an herausragende junge Künstler verliehen. Sie erhalten ein
Stipendium und beziehen für zehn Monate ein Wohn-Atelier in
dem Florentiner Künstlerhaus. Die Auszeichnung ist nicht nur der
älteste deutsche Kunstpreis, sondern auch das am längsten bestehende
kulturelle Engagement der Deutschen Bank. Mit der
Schau im Deutsche Guggenheim findet diese Kooperation einen
neuen Höhepunkt und setzt zudem die Reihe der von der Bank
konzipierten Ausstellungen in dem Joint Venture mit der Solomon
R. Guggenheim-Stiftung fort.
Kuratiert wurde Freisteller von Angelika Stepken, der Leiterin der
Villa Romana. Die Auswahl der Preisträger trafen die in Berlin
lebende Künstlerin Ayse Erkmen und die Leipziger Kunstwissenschaftlerin
Beatrice von Bismarck.
Der Begriff „Freisteller“ bezeichnet in der Fotografie, Drucktechnik
und Computergrafik ein Motiv, das vom Hintergrund und seinem
Kontext gelöst wird und so u.a. in andere Bildzusammenhänge
eingefügt werden kann. Freisteller ist auch der Titel der aktuellen
Ausstellung im Deutsche Guggenheim, die die Villa Romana-
Preisträger 2008 vorstellt – vier junge Künstler, die unterschiedliche
Medien nutzen, unterschiedliche Biographien und Nationalitäten
haben. Auf den ersten Blick vereint Dani Gal, Julia Schmidt, Aslı
Sungu und Clemens von Wedemeyer lediglich, daß sie in Deutschland
leben und arbeiten und nun gemeinsam – im neuen kulturellen
und geografischen Kontext – ein Stipendium in dem renommierten
Künstlerhaus auf den Hügeln über Florenz verbringen.


Dani Gal: Oscillations, 2007
Courtesy Dani Gal
Zugleich verweist der Ausstellungstitel aber auf verbindende Interessen
und Strategien der Preisträger. Alle beteiligten Künstler
lösen ihre Motive und Themen aus dem ursprünglichen Kontext,
„stellen sie frei“ und erschließen so neue, diskursive Zusammenhänge.
Dani Gal verbindet Einflüsse der Populärkultur mit
historischer Recherche, Julia Schmidt arbeitet mit vorgefundenen
Bildern aus Magazinen oder dem Internet, die sie auf ihren
Gemälden isoliert und fragmentarisiert. Aslı Sungu untersucht in
ihren Videos alltägliche Handlungen, um aufzuzeigen, wie unsere
Vorstellungen von Identität, von „Richtig“ und „Falsch“ gesellschaftlich
determiniert sind. In seinen Filmen verbindet Clemens
von Wedemeyer Elemente der politischen Dokumentation mit
Fiktion, und macht so die Wechselwirkungen zwischen realen
gesellschaftlichen Situationen und medialer Darstellung sichtbar.


Julia Schmidt: Ohne Titel / Untitled (crotch), 2007
Private Collection, © VG Bild-Kunst Bonn, 2008
Dementsprechend bricht auch
das räumliche Konzept der Schau
mit der hermetischen und schützenden
Struktur des White Cube.
Die Fensterfront des Deutsche
Guggenheim wird frei gelegt,
während in die Halle hinein gebaute Stellwände und Plattformen
die Funktion von „Platzhaltern“
für die Kunst übernehmen.
In dieser temporären Ausstellungsarchitektur geben die vorgestellten
Positionen zugleich
einen Einblick in das individuelle
Schaffen der Preisträger und eröffnen exemplarisch ein breites
Spektrum an Fragen, die heute in der aktuellen Kunst verhandelt
werden: Medien- und Institutionskritik, Migration, die Möglichkeiten,
kritische und politische Haltungen zu formulieren.


Aslı Sungu: Faulty, 2007
Courtesy Aslı Sungu
Die Ausstellung Freisteller dokumentiert, wie sich die traditionsreiche
Institution Villa Romana abseits der großen Metropolen als
kreativer Think Tank der Gegenwartskunst und Ort des interkulturellen
Austauschs profiliert. Daß die Preisträger der Villa Romana
nun erstmals im Deutsche Guggenheim präsentiert werden, setzt
Zeichen. Denn durch die Vernetzung beider Häuser wird ein
öffentlichkeitswirksames Forum geschaffen, das die vitale, international agierende Szene in Deutschland authentisch widerspiegelt.


Clemens von Wedemeyer: Die Probe, 2008
Courtesy Clemens von Wedemeyer
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